Montag, 17. August 2015
Fazit Neuseeland
Wenn ich im Nachhinein über die Reise nach und den Aufenthalt in Neuseeland nachdenke, gibt es einige Punkte, die mir besonders stark in Erinnerung bleiben.

Öffentliche Verkehrsmittel vs. Eigenes Auto
Die öffentlichen Verkehrsmittel, vor allem die verschiedenen Reisebusse, schaffen es ganz gut, einen von A nach B zu bringen. Man kommt auf jeden Fall weiter. Allerdings ist einem dadurch auch die Möglichkeit verbaut, die etwas abgelegeneren Teile dieses Landes zu sehen, und gerade diese machen den Reiz aus. Wenn man nicht gerade mehrtägige Wanderrouten hinter sich bringen will, während man mehrere Monate im Land der Kiwis verweilt, sollte man ernsthaft die Anschaffung eines Autos erwägen. Es gibt gebrauchte Modelle zu einem relativ günstigen Preis, und wenn man mit jemandem teilt oder nur die Fahrtkosten für diverse Busverbindungen zusammenrechnet, lohnt es sich. Mit einem Auto ist man wesentlich flexibler. Einige Hosts mussten wir von Anfang an ausschließen, weil sie so weit von jeglicher Zivilisation wohnten, dass sie uns nicht abholen konnten.
Will man allerdings nur einige ausgewählte Touristenattraktionen sehen und kommt für nur wenige Wochen vorbei, ist ein Bus ganz in Ordnung. Allerdings kann man sich dann auch Gedanken über einen Mietwagen machen. Wenn man rechtzeitig bucht und seine Route sorgsam plant, kann es immer noch günstiger als ein Busticket werden.

Stadt vs. Land
Die Städte Neuseelands sind größtenteils langweilig. Die meisten sind konstruiert, wodurch sie teils steril wirken. Das ständig wiederkehrende Gittermuster der Straßen bietet wenig Abwechslung, macht es andererseits aber auch schwierig sich zu verlaufen. Ehrlich gesagt habe ich aber schon Videospiele mit mehr Liebe zur Stadtgestaltung gesehen. Selbstverständlich gibt es einige Ausnahmen und Sehenswürdigkeiten in Städten: Wellington, Napier, Nelson, sind alles gute Beispiele. Allerdings sollte man sich im Allgemeinen nicht allzu viele davon erwarten. Bei einem so jungen Land kann es nun einmal keine antiken Bauten geben.
Fernab dieser Agglomerationen findet man das, was Neuseeland auszeichnet und wofür es berühmt ist: eine einmalige Landschaft. Ob Berge, Fjorde, Seen, Wälder oder Strände, all das gibt es am anderen Ende der Welt zuhauf. Man kann verschiedene Klimaextreme an einem Tag erleben, je nachdem wo man sich gerade befindet oder wie weit man fährt. Das sollte der primäre Grund sein nach Neuseeland zu fahren.

Ulraub vs. Leben
Ob man in Neuseeland einige Jahre – oder den Rest – seines Lebens verbringen will, ist natürlich eine subjektive Frage.
Das Land hat seine eigenen Probleme, denen es sich früher oder später stellen muss, wie jedes andere auch. Als Urlauber bekommt man davon natürlich nichts mit, es sei denn man beschäftigt sich eingehender mit Politik, Kultur, Geschichte, Wirtschaft und Soziologie des Landes. Will man aber nur ausspanne, kann man das gut und einfach machen. Man kann viele Abenteuer erleben und sich auf vielerlei Weise erproben, aber man kann sich auch sehr gut treiben und die Aussichten auf sich wirken lassen. Es ist für jeden das Richtige dabei. Neuseeland ist auf Touristen, insbesondere Backpacker, angewiesen und wird weiterhin alles Mögliche machen, um das Land mit all seinen Facetten für Leute aus fernen Ländern attraktiv zu gestalten.
Dort zu leben ist allerdings ein ganz anderes Paar Schuhe. Für mich lautet die Antwort definitiv „Nein“. Die Städte bieten relativ wenig Abwechslung, die Qualität der Lebensmittel lässt zu wünschen übrig, mal davon abgesehen, dass sie äußerst teuer sind, die Leute sind zwar freundlich, aber das gehört einfach zum guten Ton. Wenn ein Neuseeländer fragt, wie es einem geht, erwartet er ein höfiches „Gut, und dir?“, aber mit Sicherheit nicht die gesamte Lebensgeschichte. Wendy sagte uns sogar, dass sie nicht wüsste, wie sie reagieren soll, wenn jemand sagen würde, dass es ihm schlecht geht. So schnell wie die Leute sich gefunden haben, gehen sie auch wieder getrennte Wege, wodurch jede Beziehung ein bisschen oberflächlich wirkt.
Entscheidet man sich für ein Leben auf dem Land, ist man tatsächlich von allem abgeschnitten. Man muss autark werden – oder diesem Ziel so nah wie möglich kommen. Mobilfunk funktioniert nicht, das Internet ist noch langsamer als in Städten, wenn es überhaupt vorhanden ist, oder es hat nur ein begrenztes Datenvolumen, weil es über Satellit läuft, sich mit Leuten zu treffen erfordert gute organisatorische Fähigkeiten und dergleichen. Dann bleibt natürlich die Frage, wie man sich zu den politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Problemen des Landes positioniert.
Umgekehrt muss man in ein Flugzeug steigen, wenn man als Einwohner Neuseelands irgendwo anders Urlaub machen möchte. Das haben Inselstaaten nun einmal so an sich.
Am besten fasste es aber eine flüchtige Bekanntschaft zusammen, ein Engländer, den wir in Christchurch trafen: „It is far away and far behind.“ („Es liegt weit weg und weit zurück.“)

Ich empfehle Jedem, der sich für die Wunder unserer Natur interessiert, einen etwas längeren Urlaub in Neuseeland zu verbringen, die Städte zu meiden und unter anderen Sternen zu schlafen. Kulturell interessierten Reisenden sind allerdings viele Grenzen gesetzt, da das Angebot in dieser Sparte nur begrenzt ist. Abenteuer wiederum gibt es an jeder Ecke, man sollte allerdings das nötige Kleingeld mitbringen.

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