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Sonntag, 16. August 2015
Christchurch – Juni 2015
atimos, 01:57h
Unsere letzte Nacht in Neuseeland verbrachten wir im Gefängnis. Franziska war felsenfest davon überzeugt, dass es die beste Unterkunft war, die wir seit Einreise in dieses Land gehabt hatten. Ich weiß nicht, wie viel das über die Qualität der Hostels in Neuseeland oder über uns aussagt, aber es war wirklich toll dort.

Fangen wir am Anfang an.
Hilary und Collin waren so freundlich uns nach Christchurch zu bringen, da sie eh beide noch andere Geschäfte in der Stadt zu erledigen hatten. Es war also alles andere als eine Bürde für sie. Sie setzten uns vor unserer Herberge ab und damit trennten sich unsere Wege.
Kaum dass wir unser Gepäck abgeladen hatten, zogen wir auch schon los die Stadt unsicher zu machen. Zielstrebig und mit einer Stadtkarte bewaffnet, stapften wir die Straßen dieser „Großstadt“ entlang. Vorbei ging es an mehrspurigen Straßen, Ampeln, viel genutzten Parklandschaften, Flüsschen und Bächen, der i-Site, bis wir ankamen, wo wir sein wollten. So viel Verkehr, so viele Menschen, waren wir ja gar nicht mehr gewohnt. Es war fast schon turbulent in dieser Metropole. Ja, der „Zivilisationsschock“ traf uns immer wieder aufs neue in diesem Inselstaat.
Unser erstes Ziel war das Canterbury Museum, das man sich kostenlos ansehen durfte.

Ja, es war besser als Te Papa. Wir erfuhren einiges über die Geschichte der Maori, über die Besiedlung der Region, über das Leben in Christchurch und wie es sich im Laufe der Jahre verändert hatte, aber auch über die Folgen des großen Erdbebens vor einigen Jahren.
Endlich gab es Informationen über die Eingliederung der Maori in die europäische Gesellschaft, über die ersten Maori-Soldaten im Ersten Weltkrieg beispielsweise. Es wurde weniger Show um ein exotisches Volk gemacht, sondern man wurde mit nützlichen Tatsachen konfrontiert. Außerdem räumte das Museum mit einigen Mythen auf, die gerne noch in Umlauf waren, wie beispielsweise vom pazifistischen Urvolk, das vor den Maori in Neuseeland beheimatet gewesen sein soll und von ihnen ausgerottet wurde. Mittlerweile sind sich die Wissenschaftler sicher, dass es so ein Volk nie gab. Dennoch hält sich die Idee davon bis heute in Neuseeland.
Davon abgesehen gab es eine Ausstellung zum Thema Antarktis und Expeditionen zum Südpol. Es wurden Ausrüstungsgegenstände und Kleidungsstücke verschiedener Epochen und Teams vorgestellt sowie die Bedeutung der Reise zum Südpol für die Neuseeländer.
Natürlich kam man nicht um einen Raum mit verschiedenen Vögeln – einheimischen wie weit entfernt lebenden – herum. Es gab dort unter anderem Kiwis, Keas, Kakapos und australische Elstern zu sehen. Man konnte sogar den Gesang einiger ausgewählter Exemplare hören – auf Tonband versteht sich.
Ein Projekt beschäftigte sich damit, ein ganzes Haus, das aufgrund starker Strukturschäden unbewohnbar gemacht wurde, zu recyceln. Vom Dach bis zum Fußboden hatte man das Haus sorgsam auseinandergenommen, um die Einzelteile zu etwas Anderem zu machen. Tief in jedem Neuseeländer schlummert ein Bastler, der nur auf so eine Gelegenheit wartet. Kein Wunder, dass sie mit dem Konzept von IKEA nichts anfangen können. Ich gebe gerne zu, dass einige der entstandenen Gegenstände sehr schön und brauchbar waren. Anderen Sachen würde ich aber trotz Umwandlung noch immer das Siegel „Müll“ aufkleben. Die Idee hinter dem Projekt war den Leuten zu zeigen, wie sie Abfall vermeiden können, indem sie über die Weiterverwendung von allen möglichen Gebrauchsgegenständen nachdenken, auch wenn diese ihren eigentlichen Zweck nicht mehr erfüllen. Es ist die neuseeländische Art, ihr „grünes“ Image aufrecht zu erhalten. Manchmal habe ich den Eindruck, dass sie den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehen.
Ein anderer Ausstellungsraum zeigte das Haus eines Ehepaares – beide mittlerweile verstorben –, das schon zu Lebzeiten für Aufsehen in Canterbury gesorgt hatte. Der Ehemann sammelte Paua-Muscheln am Strand, polierte diese und ließ sie überall liegen. Seine Frau, die als gute Ehefrau das Haus sauber halten wollte, stand also vor dem Problem, diese schön glänzenden Muscheln irgendwie aus dem Weg zu räumen, ohne sich ihrer zu entledigen. Sie kam auf die Idee, die vereinzelt herangeschleppten Muscheln an die Wand zu nageln, um auf dem Boden und den Möbeln Platz zu haben. Das ganze Gesammle artete so weit aus, dass letzten Endes alle vier Wände des Wohnzimmers mit diesen Muscheln bedeckt waren – und das Ehepaar dadurch einen gewissen lokalen Berühmtheitsgrad erreichte. Dieses Wohnzimmer stand nun im Museum zur Besichtigung bereit.

Man konnte sich auch einen kurzen Film über das Ehepaar und ihre Sammelleidenschaft ansehen, was wir uns selbstverständlich nicht entgehen ließen.
Es gab eine große Fotoausstellung zum Thema Spinnen. Die Bilder zeigten die Achtbeier aus ganz anderen Winkeln. Es gab viele Nahaufnahmen, weil die Biester nun einmal recht klein sind. Oder der Fotograf hob nur einzelne Körperteile, wie beispielsweise die Augen, hervor, um den Besuchern ein anderes Verständnis für diese Kreaturen zu ermöglichen.
Besonders gut hat uns beiden eine Straße gefallen, die das Leben Anfang des letzten Jahrhunderts möglichst genau nachstellen sollte. Es gab Geschäfte verschiedener Art, Figuren, die ihre Lebensgeschichte erzählten, ein Hochrad, auf dem man posieren konnte, und vieles mehr.

Zwar hat es diese Straße so niemals in Christchurch gegeben, aber sie war eine Ansammlung verschiedener Ecken, die mal auf diese oder ähnliche Weise in der Stadt verteilt waren. Es war sehr überzeugend.
Das sollte hier nur einem kurzen Überblick dienen. Es ist ein schönes Museum, das man sich gerne ansehen kann, wenn man schon in Christchurch ist.
Erschrocken stellten wir fest, dass das Museum schon um 17 Uhr schloss. Es ergab sich, dass wir fast bis zum Ende der Öffnungszeit im Gebäude verweilten, weil es einfach so viel zu sehen, zu lesen und zu erfahren gab. Dann wollten wir uns auf den Weg machen, um noch einige Kleinigkeiten an Souvenirs zu ergattern. Wir waren allerdings noch weit mehr erschrocken, als uns bewusst wurde, dass die Geschäfte bereits um 17:30 Uhr schlossen. Glücklicherweise war es Winter, es war also schon dunkel, so dass wir ein bisschen mehr Verständnis für die Bevölkerung aufbrachten, die hier anscheinend mit den Hühnern schlafen ging. So eilten wir von einem Geschäft ins andere, konnten aber partout nichts finden, das Franziska in irgendeiner Weise angesprochen hätte. Verständlich, denn mir gefiel auch nichts in den Läden. Danach wollten wir uns noch ein Abendessen gönnen, was allerdings auch mit Komplikationen verbunden war. Es kam das Problem auf, dass die Geschäfte zwar um 17:30 schlossen, die Restaurants aber erst um 18 Uhr öffneten. Wer macht bitte so einen Blödsinn?
Also tigerten wir eine halbe Stunde durch die wie ausgestorben wirkenden Straßen dieser „Großstadt“. Überall um uns herum war es still – außer auf den Baustellen, auf denen immer noch reger Betrieb herrschte. Die meisten Leute saßen irgendwo auf den Hauptverbindungsstraßen in ihren Autos, um möglichst zügig nach Hause zu kommen. Es war sehr langweilig, und da wir beide hungrig waren, knurrten wir mit unseren Magen um die Wette. Hilarys Aussage bezüglich der Größe von Christchurch kam uns in diesem Moment äußerst absurd vor.
Endlich war es so weit. Kaum hatte der Japaner, den wir für unser Mahl ausgewählt hatten, das Schild auf „offen“ gedreht, stürmten wir hinein. Meine Wenigkeit bestellte sich Tempura und ward enttäuscht. Die Portion war winzig und ohne Reis. Den hätte man separat dazu bestellen müssen, was ich schlicht unverschämt fand. Außerdem war es geschmacklich kein vortreffliches Erlebnis. Für den Preis hätte ich mehr erwartet. Da ich noch nicht ganz satt war, holte ich mir einen mächtigen Nachtisch – in einem anderen Restaurant – bestehend aus einem schokoladigen Schokokuchen mit Schokolade. Dieser war einfach nur köstlich.
Bei der Gelegenheit, also während unseres Abendessens, sahen wir auch die Straßenbahn in Christchurch, die durch die Halle fuhr, in der das Restaurant war. Es gab zwar überall Warnschilder, aber keine Absperrungen oder Ampeln mit Fußgängerüberwegen, so dass man tatsächlich eigenverantwortlich die Straße überqueren musste. Nachdem wir mehrere Baustellenschilder gesehen hatten, die uns lautstark darüber in Kenntnis setzten, dass wir die größte Gefahr waren, war das schon eine Überraschung, ja, ein Widerspruch in der neuseeländischen Mentalität.
Oh, noch einige Worte zu unserer Herberge. Wie bereits erwähnt, war sie top. Die Böden in den Zimmern waren mal nicht mit Teppichboden, sondern mit Holzdielen ausgelegt; das Personal war richtig freundlich und hilfsbereit; die Betten gemütlich und jedes hatte sein eigenes Nachtlicht; die Räumlichkeiten sauber und stylisch. Auch wenn es keine Heizungen in den Zimmern gab, sorgte die Herberge mit reichlich Extradecken und Wärmflaschen vor. Außerdem hielt sich die Wärme irgendwie in den Zimmern. Vielleicht gab es ein verstecktes Heizsystem. Die Toiletten waren gewöhnungsbedürftig, da sie nicht nur klein waren, sondern auch auf einer Stufe standen, so dass man aus der Kabine polterte, wenn man selbige verließ. Besonders lustig war aber die Tatsache, dass das Hostel Jailhouse Accommodation hieß und in einem ehemaligen Gefängnis untergebracht war. Entsprechend waren die Wände auch ausnahmsweise mal aus solidem Stein gebaut. Allein für diese einmalige Location gab es von uns die volle Punktzahl.

Sogar im Hostel gab es einige Sehenswürdigkeiten: Die Zelle 20 war nicht renoviert worden, so dass man an den Wänden noch immer die Malereien und Zeichnungen der letzten Insassen bestaunen konnte. Eine andere Zelle, Nr. 1, zeigte einige Gebrauchsgegenstände des Gefängnisses, wie sie zu verschiedenen Zeiten der Nutzung üblich waren. Vom oberen Balkon hatte man eine phantastische Sicht auf die innere Struktur des ganzen Gebäudes. (Siehe Foto oben.) Im Eingangsbereich hing eine Tafel, die drei Dinge aufzählte, die man während des Aufenthalts „im Gefängnis“ unbedingt machen musste. Wir schafften alle drei, was auch nicht schwierig war: 1. Verkleiden und Fahndungsfoto machen; 2. Sehen, wo die Sträflinge wohnten – Originalzelle 20 besuchen; 3. In den Wachturm gehen, das ganze Gefängnis überlicken.

Besonders lustig fand ich, dass ein ehemaliges Gefängnis einen bio fair trade Kaffee verkaufte, der Jail Breaker hieß.
Frühstück gab es um die Ecke und für einen Tag lohnten sich große Einkäufe nicht, so dass wir es uns im Café gemütlich machten. Es gab Bagles mit sehr schmackhaftem Belag und hervorragenden Tee. So kann ein Tag doch beginnen.
Unser Flug ging erst spät am Nachmittag, so dass wir vormittags noch ein bisschen Zeit hatten, die Stadt unsicher zu machen. Wir gingen wieder auf Souvenirjagd, diesmal aber mit genaueren Instruktionen von den Herbergsmitarbeitern. Auf diese Art fanden wir RE:Start, eine Ansammlung von Geschäften in Schiffscontainern, die die vom Erdbeben zerstörte Arkade ersetzen sollte. Ob das eine vorübergehende Lösung war oder dieses Arrangement dauerhaft beibehalten werden sollte, weiß ich nicht. Jedenfalls gab es dort alle Arten von Geschäften, ob es nun um Kleidung, Souvenirs, Lebensmittel oder Papierwaren ging, alles war zu finden. Wir irrten durch die verschiedenen Geschäfte, bis Franziska endlich ihre Souvenirs gefunden hatte. Es war gar nicht so einfach. Dann beschlossen wir noch einen Happen zu essen, entschieden uns erst für einige Maultaschen, die mich allerdings nicht so überzeugten. Es war nicht nur zu wenig, sondern auch vom Geschmack her nicht das Größte. Also holten wir uns noch ein zweites, kleines Mahl. Ich hätte nie gedacht, dass ich die beste Pizza seit Monaten in Christchurch essen würde. Sie war so knusprig, und gut belegt, und lecker (ja gut, es fehlte Salz aber da war das einzige Manko), und überwältigend. Das teilten wir auch gerne den jungen Pizzabäckern mit, die sich über das Lob sichtlich freuten.
In einem der Geschäfte hatten wir einige Tipps zu Sehenswürdigkeiten in der Nähe bekommen, also zogen wir los. Da gab es die neue Kathedrale, die nach dem Erdbeben aus Pappkartons aufgebaut worden war. Sie hatte bunte Fenster und war mittlerweile so etwas wie eine Ikone Christchurchs.

Die alte, steinerne Kathedrale war beim Beben stark beschädigt worden, aber die Kommune diskutierte bis heute, ob man das Haus renovieren oder abreißen sollte. Für Besucher war diese Kirche nicht zugänglich und von außen sah man sehr wenig, weil alles mit Zäunen zugestellt war.
Da war unsere Zeit auch schon abgelaufen, weshalb wir uns auf den Weg zurück zur Herberge machten, um unseren Flug nach Sydney zu erwischen.
Morgen gibt es eine außergewöhnliche Aktualisierung.

Fangen wir am Anfang an.
Hilary und Collin waren so freundlich uns nach Christchurch zu bringen, da sie eh beide noch andere Geschäfte in der Stadt zu erledigen hatten. Es war also alles andere als eine Bürde für sie. Sie setzten uns vor unserer Herberge ab und damit trennten sich unsere Wege.
Kaum dass wir unser Gepäck abgeladen hatten, zogen wir auch schon los die Stadt unsicher zu machen. Zielstrebig und mit einer Stadtkarte bewaffnet, stapften wir die Straßen dieser „Großstadt“ entlang. Vorbei ging es an mehrspurigen Straßen, Ampeln, viel genutzten Parklandschaften, Flüsschen und Bächen, der i-Site, bis wir ankamen, wo wir sein wollten. So viel Verkehr, so viele Menschen, waren wir ja gar nicht mehr gewohnt. Es war fast schon turbulent in dieser Metropole. Ja, der „Zivilisationsschock“ traf uns immer wieder aufs neue in diesem Inselstaat.
Unser erstes Ziel war das Canterbury Museum, das man sich kostenlos ansehen durfte.

Ja, es war besser als Te Papa. Wir erfuhren einiges über die Geschichte der Maori, über die Besiedlung der Region, über das Leben in Christchurch und wie es sich im Laufe der Jahre verändert hatte, aber auch über die Folgen des großen Erdbebens vor einigen Jahren.
Endlich gab es Informationen über die Eingliederung der Maori in die europäische Gesellschaft, über die ersten Maori-Soldaten im Ersten Weltkrieg beispielsweise. Es wurde weniger Show um ein exotisches Volk gemacht, sondern man wurde mit nützlichen Tatsachen konfrontiert. Außerdem räumte das Museum mit einigen Mythen auf, die gerne noch in Umlauf waren, wie beispielsweise vom pazifistischen Urvolk, das vor den Maori in Neuseeland beheimatet gewesen sein soll und von ihnen ausgerottet wurde. Mittlerweile sind sich die Wissenschaftler sicher, dass es so ein Volk nie gab. Dennoch hält sich die Idee davon bis heute in Neuseeland.
Davon abgesehen gab es eine Ausstellung zum Thema Antarktis und Expeditionen zum Südpol. Es wurden Ausrüstungsgegenstände und Kleidungsstücke verschiedener Epochen und Teams vorgestellt sowie die Bedeutung der Reise zum Südpol für die Neuseeländer.
Natürlich kam man nicht um einen Raum mit verschiedenen Vögeln – einheimischen wie weit entfernt lebenden – herum. Es gab dort unter anderem Kiwis, Keas, Kakapos und australische Elstern zu sehen. Man konnte sogar den Gesang einiger ausgewählter Exemplare hören – auf Tonband versteht sich.
Ein Projekt beschäftigte sich damit, ein ganzes Haus, das aufgrund starker Strukturschäden unbewohnbar gemacht wurde, zu recyceln. Vom Dach bis zum Fußboden hatte man das Haus sorgsam auseinandergenommen, um die Einzelteile zu etwas Anderem zu machen. Tief in jedem Neuseeländer schlummert ein Bastler, der nur auf so eine Gelegenheit wartet. Kein Wunder, dass sie mit dem Konzept von IKEA nichts anfangen können. Ich gebe gerne zu, dass einige der entstandenen Gegenstände sehr schön und brauchbar waren. Anderen Sachen würde ich aber trotz Umwandlung noch immer das Siegel „Müll“ aufkleben. Die Idee hinter dem Projekt war den Leuten zu zeigen, wie sie Abfall vermeiden können, indem sie über die Weiterverwendung von allen möglichen Gebrauchsgegenständen nachdenken, auch wenn diese ihren eigentlichen Zweck nicht mehr erfüllen. Es ist die neuseeländische Art, ihr „grünes“ Image aufrecht zu erhalten. Manchmal habe ich den Eindruck, dass sie den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehen.
Ein anderer Ausstellungsraum zeigte das Haus eines Ehepaares – beide mittlerweile verstorben –, das schon zu Lebzeiten für Aufsehen in Canterbury gesorgt hatte. Der Ehemann sammelte Paua-Muscheln am Strand, polierte diese und ließ sie überall liegen. Seine Frau, die als gute Ehefrau das Haus sauber halten wollte, stand also vor dem Problem, diese schön glänzenden Muscheln irgendwie aus dem Weg zu räumen, ohne sich ihrer zu entledigen. Sie kam auf die Idee, die vereinzelt herangeschleppten Muscheln an die Wand zu nageln, um auf dem Boden und den Möbeln Platz zu haben. Das ganze Gesammle artete so weit aus, dass letzten Endes alle vier Wände des Wohnzimmers mit diesen Muscheln bedeckt waren – und das Ehepaar dadurch einen gewissen lokalen Berühmtheitsgrad erreichte. Dieses Wohnzimmer stand nun im Museum zur Besichtigung bereit.

Man konnte sich auch einen kurzen Film über das Ehepaar und ihre Sammelleidenschaft ansehen, was wir uns selbstverständlich nicht entgehen ließen.
Es gab eine große Fotoausstellung zum Thema Spinnen. Die Bilder zeigten die Achtbeier aus ganz anderen Winkeln. Es gab viele Nahaufnahmen, weil die Biester nun einmal recht klein sind. Oder der Fotograf hob nur einzelne Körperteile, wie beispielsweise die Augen, hervor, um den Besuchern ein anderes Verständnis für diese Kreaturen zu ermöglichen.
Besonders gut hat uns beiden eine Straße gefallen, die das Leben Anfang des letzten Jahrhunderts möglichst genau nachstellen sollte. Es gab Geschäfte verschiedener Art, Figuren, die ihre Lebensgeschichte erzählten, ein Hochrad, auf dem man posieren konnte, und vieles mehr.

Zwar hat es diese Straße so niemals in Christchurch gegeben, aber sie war eine Ansammlung verschiedener Ecken, die mal auf diese oder ähnliche Weise in der Stadt verteilt waren. Es war sehr überzeugend.
Das sollte hier nur einem kurzen Überblick dienen. Es ist ein schönes Museum, das man sich gerne ansehen kann, wenn man schon in Christchurch ist.
Erschrocken stellten wir fest, dass das Museum schon um 17 Uhr schloss. Es ergab sich, dass wir fast bis zum Ende der Öffnungszeit im Gebäude verweilten, weil es einfach so viel zu sehen, zu lesen und zu erfahren gab. Dann wollten wir uns auf den Weg machen, um noch einige Kleinigkeiten an Souvenirs zu ergattern. Wir waren allerdings noch weit mehr erschrocken, als uns bewusst wurde, dass die Geschäfte bereits um 17:30 Uhr schlossen. Glücklicherweise war es Winter, es war also schon dunkel, so dass wir ein bisschen mehr Verständnis für die Bevölkerung aufbrachten, die hier anscheinend mit den Hühnern schlafen ging. So eilten wir von einem Geschäft ins andere, konnten aber partout nichts finden, das Franziska in irgendeiner Weise angesprochen hätte. Verständlich, denn mir gefiel auch nichts in den Läden. Danach wollten wir uns noch ein Abendessen gönnen, was allerdings auch mit Komplikationen verbunden war. Es kam das Problem auf, dass die Geschäfte zwar um 17:30 schlossen, die Restaurants aber erst um 18 Uhr öffneten. Wer macht bitte so einen Blödsinn?
Also tigerten wir eine halbe Stunde durch die wie ausgestorben wirkenden Straßen dieser „Großstadt“. Überall um uns herum war es still – außer auf den Baustellen, auf denen immer noch reger Betrieb herrschte. Die meisten Leute saßen irgendwo auf den Hauptverbindungsstraßen in ihren Autos, um möglichst zügig nach Hause zu kommen. Es war sehr langweilig, und da wir beide hungrig waren, knurrten wir mit unseren Magen um die Wette. Hilarys Aussage bezüglich der Größe von Christchurch kam uns in diesem Moment äußerst absurd vor.
Endlich war es so weit. Kaum hatte der Japaner, den wir für unser Mahl ausgewählt hatten, das Schild auf „offen“ gedreht, stürmten wir hinein. Meine Wenigkeit bestellte sich Tempura und ward enttäuscht. Die Portion war winzig und ohne Reis. Den hätte man separat dazu bestellen müssen, was ich schlicht unverschämt fand. Außerdem war es geschmacklich kein vortreffliches Erlebnis. Für den Preis hätte ich mehr erwartet. Da ich noch nicht ganz satt war, holte ich mir einen mächtigen Nachtisch – in einem anderen Restaurant – bestehend aus einem schokoladigen Schokokuchen mit Schokolade. Dieser war einfach nur köstlich.
Bei der Gelegenheit, also während unseres Abendessens, sahen wir auch die Straßenbahn in Christchurch, die durch die Halle fuhr, in der das Restaurant war. Es gab zwar überall Warnschilder, aber keine Absperrungen oder Ampeln mit Fußgängerüberwegen, so dass man tatsächlich eigenverantwortlich die Straße überqueren musste. Nachdem wir mehrere Baustellenschilder gesehen hatten, die uns lautstark darüber in Kenntnis setzten, dass wir die größte Gefahr waren, war das schon eine Überraschung, ja, ein Widerspruch in der neuseeländischen Mentalität.
Oh, noch einige Worte zu unserer Herberge. Wie bereits erwähnt, war sie top. Die Böden in den Zimmern waren mal nicht mit Teppichboden, sondern mit Holzdielen ausgelegt; das Personal war richtig freundlich und hilfsbereit; die Betten gemütlich und jedes hatte sein eigenes Nachtlicht; die Räumlichkeiten sauber und stylisch. Auch wenn es keine Heizungen in den Zimmern gab, sorgte die Herberge mit reichlich Extradecken und Wärmflaschen vor. Außerdem hielt sich die Wärme irgendwie in den Zimmern. Vielleicht gab es ein verstecktes Heizsystem. Die Toiletten waren gewöhnungsbedürftig, da sie nicht nur klein waren, sondern auch auf einer Stufe standen, so dass man aus der Kabine polterte, wenn man selbige verließ. Besonders lustig war aber die Tatsache, dass das Hostel Jailhouse Accommodation hieß und in einem ehemaligen Gefängnis untergebracht war. Entsprechend waren die Wände auch ausnahmsweise mal aus solidem Stein gebaut. Allein für diese einmalige Location gab es von uns die volle Punktzahl.

Sogar im Hostel gab es einige Sehenswürdigkeiten: Die Zelle 20 war nicht renoviert worden, so dass man an den Wänden noch immer die Malereien und Zeichnungen der letzten Insassen bestaunen konnte. Eine andere Zelle, Nr. 1, zeigte einige Gebrauchsgegenstände des Gefängnisses, wie sie zu verschiedenen Zeiten der Nutzung üblich waren. Vom oberen Balkon hatte man eine phantastische Sicht auf die innere Struktur des ganzen Gebäudes. (Siehe Foto oben.) Im Eingangsbereich hing eine Tafel, die drei Dinge aufzählte, die man während des Aufenthalts „im Gefängnis“ unbedingt machen musste. Wir schafften alle drei, was auch nicht schwierig war: 1. Verkleiden und Fahndungsfoto machen; 2. Sehen, wo die Sträflinge wohnten – Originalzelle 20 besuchen; 3. In den Wachturm gehen, das ganze Gefängnis überlicken.

Besonders lustig fand ich, dass ein ehemaliges Gefängnis einen bio fair trade Kaffee verkaufte, der Jail Breaker hieß.
Frühstück gab es um die Ecke und für einen Tag lohnten sich große Einkäufe nicht, so dass wir es uns im Café gemütlich machten. Es gab Bagles mit sehr schmackhaftem Belag und hervorragenden Tee. So kann ein Tag doch beginnen.
Unser Flug ging erst spät am Nachmittag, so dass wir vormittags noch ein bisschen Zeit hatten, die Stadt unsicher zu machen. Wir gingen wieder auf Souvenirjagd, diesmal aber mit genaueren Instruktionen von den Herbergsmitarbeitern. Auf diese Art fanden wir RE:Start, eine Ansammlung von Geschäften in Schiffscontainern, die die vom Erdbeben zerstörte Arkade ersetzen sollte. Ob das eine vorübergehende Lösung war oder dieses Arrangement dauerhaft beibehalten werden sollte, weiß ich nicht. Jedenfalls gab es dort alle Arten von Geschäften, ob es nun um Kleidung, Souvenirs, Lebensmittel oder Papierwaren ging, alles war zu finden. Wir irrten durch die verschiedenen Geschäfte, bis Franziska endlich ihre Souvenirs gefunden hatte. Es war gar nicht so einfach. Dann beschlossen wir noch einen Happen zu essen, entschieden uns erst für einige Maultaschen, die mich allerdings nicht so überzeugten. Es war nicht nur zu wenig, sondern auch vom Geschmack her nicht das Größte. Also holten wir uns noch ein zweites, kleines Mahl. Ich hätte nie gedacht, dass ich die beste Pizza seit Monaten in Christchurch essen würde. Sie war so knusprig, und gut belegt, und lecker (ja gut, es fehlte Salz aber da war das einzige Manko), und überwältigend. Das teilten wir auch gerne den jungen Pizzabäckern mit, die sich über das Lob sichtlich freuten.
In einem der Geschäfte hatten wir einige Tipps zu Sehenswürdigkeiten in der Nähe bekommen, also zogen wir los. Da gab es die neue Kathedrale, die nach dem Erdbeben aus Pappkartons aufgebaut worden war. Sie hatte bunte Fenster und war mittlerweile so etwas wie eine Ikone Christchurchs.

Die alte, steinerne Kathedrale war beim Beben stark beschädigt worden, aber die Kommune diskutierte bis heute, ob man das Haus renovieren oder abreißen sollte. Für Besucher war diese Kirche nicht zugänglich und von außen sah man sehr wenig, weil alles mit Zäunen zugestellt war.
Da war unsere Zeit auch schon abgelaufen, weshalb wir uns auf den Weg zurück zur Herberge machten, um unseren Flug nach Sydney zu erwischen.
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