... newer stories
Montag, 27. Juli 2015
Lake Tekapo – Mai 2015
atimos, 04:20h
Fern abseits der Hauptverkehrsstrecken und „großen“ Städte zeigt Neuseeland sein wahres Gesicht. Wild, gewaltig, ungezügelt und majestätisch.

Wir begriffen schnell, dass der schwierigste Teil vom Arthur’s Pass hinter uns lag. Hat man erst einmal die Ortschaft mit demselben Namen erreicht, hat man erst einmal das Wunderwerk neuseeländischer Ingenieurskunst hinter sich gelassen, geht es mit dem State Highway 73 stetig bergab – im wörtlichen Sinn. Aber die Aussicht von dieser Seite war schlichtweg atemberaubend.
Dank unseres fahrbaren Untersatzes nahmen wir mehrfach die Gelegenheit wahr, am Straßenrand anzuhalten, um diesen Teil Neuseelands fotografisch festzuhalten. Berge, Wälder, Täler, Flüsse, Seen, Sonne. Alles fügte sich in ein sich ständig wandelndes, aber immer aufs Neue herrliches Bild. Durch diese unglaubliche Landschaft zog sich der Highway, an dessen Seiten nur wenige Häuser, geschweige denn ganze Siedlungen standen.


Endlich erreichten wir die Stadt, die uns seit geraumer Zeit auf der Landkarte entgegen prangerte, ja, uns mit ihrer Anwesenheit fast schon zu verspotten schien! Springfield. Wer hier an die Simpsons denken muss, liegt gar nicht so falsch. Immerhin ist dieses Springfield eines von zweien weltweit, das einen riesigen Donut bekam und diesen im Zentrum der Öffentlichkeit zugänglich machte. Nicht genug der Parallelen: Das Café neben der riesigen Skulptur verkaufte „Delicious Homer Donuts“.


Selbstverständlich ließen wir es uns nicht nehmen, diese Leckerbissen zu probieren – sie waren wirklich deliziös und nicht zu süß. Ein bisschen Small Talk mit der Verkäuferin gehörte zum guten Ton, so dass wir auch erfuhren, dass dieser riesige Donut der zweite war, weil irgendein Spinner den ersten abgebrannt hatte und er durch einen aus Zement ersetzt worden war. Um diesem Tag die Krone aufzusetzen, befand sich unser Hostel, obwohl in Lake Tekapo gelegen, in der Simpson Lane. Wir waren äußerst amüsiert.
Es ging weite über die Inland Scenic Route 72, die uns recht nah am Gebirge gen Süden führte. Der Unterschied zwischen der West- und Ostküste könnte kaum größer sein. Während wir die letzten Monate in einem dichten, tropischen Regenwald an Steilhängen und zerklüfteten Berglandschaften durchwachsen von gewundenen Straßen verbrachten, lagen vor uns nun ordentlich getrimmte Hecken – einige Meter hoch –, kilometerweites Flachland und glatt gebügelte Highways, auf denen man wirklich 100 km/h fahren konnte. Ich fand es ernüchternd. Das war nicht Neuseeland, das war ein englischer Vorgarten!
Wir fuhren runter bis Timaru, weil Franziska gelesen hatte, dass die Innenstadt dort sehr schön sein soll. Bei der Gelegenheit kehrten wir in den nächsten Pak'n'Safe ein, um uns mit Lebensmitteln für die nächsten Tage einzudecken. So ein großes Geschäft hatten wir seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen. Da waren so viel Menschen auf einmal. Und Autos. Und Ampeln!
Wie dem auch sei. Als wir an einem Parkplatz nahe dem Strand ankamen, war bereits ein ziemlich stürmischer Wind aufgezogen, so dass wir nur einen kurzen Abstecher zum Meer machten, um dann gegen den Wind ankämpfend zurück zu stolpern.
Die Ankunft in Lake Tekapo versetzte mich in einen Zustand geballter Sprachlosigkeit. Unsere Herberge lag einen Steinwurf vom See entfernt und hatte in der Lounge riesige Fenster, durch die man den ganzen Tag über die Aussicht genießen konnte. Der türkisblaue See, der von schneebedeckten Bergen gerahmt wurde, bot sich in einer Pracht dar, die Ihresgleichen sucht. Einfach nur phänomenal.


Ja, das Wasser ist wirklich so blau; ich besitze keine Bildbearbeitungsprogramme und kann damit eh nicht umgehen.
Das Hostel hatte zwei Kamine, in denen gemütliche Feuer brannten, einen schottischen Manager namens Billy, überall kostenlosen Internetzugang und ein schwarzes Brett, auf das ich später noch zu sprechen komme. Einziges Manko war der Mangel an kostenlosem Tee und Kaffee. Es war unsere erste Herberge in Neuseeland, die diesen Service nicht anbot.
Am nächsten Tag wollten wir uns dieses Naturschauspiel vor unserer Tür ein bisschen intensiver zu Gemüte führen und suchten uns dafür einen der zahlreichen Wanderwege.
Als wir auszogen Mordor zu finden und in Sopot ankamen.
Es gab die Wege 2 und 3, die den gleichen Anfang nahmen und sich erst später voneinander trennten, weshalb wir uns spontan entscheiden konnten, ob wir uns den längeren von 3 Stunden zutrauten oder uns doch mit nur 2 Stunden Wanderzeit begnügten. Der Aufstieg war ein bisschen steil, doch nicht unangenehm. Das luftige Nadelwäldchen erinnerte mich stark an den polnischen Ferienort Sopot, dessen Boden auch immer mit vertrockneten Nadeln übersät ist.

Es war unglaublich, dass wir in Neuseeland waren, denn vieles hier erinnerte an Europa. Je näher wir dem Gipfel kamen, umso spärlicher wurde die Vegetation, obwohl es nicht so hoch war. Es wurde auch immer windiger. Auf dem Gipfel dieses Bergchens, Mt. John genannt, steht ein Observatorium, das dank des „Lichtreservates“ um Lake Tekapo hervorragende Bilder des südlichen Sternenhimmels liefert. Bei Tag ist die Aussicht von diesem Gipfel ebenfalls herrlich. Der See ist von allen Seiten von Bergen umgeben, manche sind näher, andere weiter weg. Alle sind sie schön anzusehen. Ich kann immer noch nicht glauben, wie intensiv die Farbe dieses Sees ist.

Während wir den zerklüfteten Gipfel hinter uns ließen und auf Weideland traten, entschieden wir uns für den langen Weg zurück, da wir eh noch nicht so lange unterwegs waren. Im Hintergrund verbrannten einige Orks irgendetwas, aber da die Rauchsäule fernab unserer Strecke lag, kümmerten wir uns nicht weiter um sie. Stattdessen genoss ich die Stille dieser malerischen Umgebung sowie die Freiheit des Wanderns. Es ging über Wiesen, zwischen Sträuchern hindurch, über Versorgungswege, hoch am See entlang.
Nach zweieinhalb Stunden kamen wir wieder am Parkplatz an und machten uns auf den Heimweg. Der beständige Wind hatte zumindest meine erste Hautschicht abgefroren.
Tags darauf zogen wir aus uns Mt. Cook, den höchsten Berg an diesem Ende der Welt, anzusehen. Die Strecke war nicht gesperrt, also konnte es nach einem guten Frühstück losgehen. Ich kann nicht einmal erahnen, wie oft wir Halt machten, um die allgegenwärtigen Postkartenmotive von unseren nichtswürdigen Kameras einzufangen – oder es zumindest zu versuchen. Die gesamte Farbpalette der Blautöne fing sich in den weit entlegenen Bergketten. Hinzu kam Lake Pukaki, dessen türkisblau mit dem von Lake Tekapo konkurrierte.

Die kahlen Ebenen vor Mt. Cook, die von trockenen Grasbüscheln bedeckt waren, ließen den Berg deplatziert wirken. Steppe, Flussbett, Steppe, Fluss, Steppe, pop!, Berg. Es war recht antiklimaktisch.

Die Siedlung, Aoraki, ist winzig, hat aber ein Luxushotel, das durch eine lange Geschichte mit der Region verwachsen ist – länger als das Parlament in Wellington steht. Im Informations- und Wissenschaftszentrum (es ist keine i-Site) gab es ein kleines Regionalmuseum, das aufschlussreicher als Te Papa war.

Nachdem wir uns diese unerwarteten Informationen zur Geschichte des Bergsteigens in der Gegend durchgelesen hatten, machten wir in einem Café Halt für Lunch. Es gab Scones und Wedges Danach unternahmen wir eine Wanderung vom Hooker Valley zum Kea Point, die insgesamt eine Stunde dauern sollte, allerdings nicht unsere zügige Gangart berücksichtigte. Zwar sahen wir keine Keas, hatten dafür aber eine spektakuläre Sicht auf Mt. Cook. Je näher wir den Bergen kamen, umso mehr entsprachen sie meinen Erwartungen. Grüne Büsche schmiegten sich an felsigen Flanken, dazwischen lagen Tonnen von Geröll, Zeugen vergangener Erdrutsche, doch je höher man blickte, umso rauer wurden die Kanten, bis die Flora von Schnee und Eis abgelöst wurde. Geht doch.

Bevor die Europäer Fuß in dieses Land gesetzt hatten, sah die gesamte Ebene so aus. Aber für die Schafzucht hatten die Bauern alle Büsche brandgerodet, so dass nur noch diese trübe Steppenlandschaft übrig blieb. Da mittlerweile Kaninchen den Schafen das Gras unter der Schnauze wegfraßen, konnten hier momentan auch keine Wolllieferanten gehalten werden, zumindest nicht bis das Problem mit den Langohren behoben war.
Am Ende der Strecke angekommen bot sich uns eine wirklich prächtige Sicht auf Mt Cook, der mit seiner ewigen Eiskuppel einsam in der Ferne emporragt. Es gab sogar eine hölzerne Plattform, von der aus man den perfekten Blick auf den Gipfel werfen konnte.

Alles in allem war es ein sehr schöner Ausflug mit hervorragendem Wanderwetter. Dann war es Zeit für den Aufbruch zurück nach Lake Tekapo.
Am eingangs erwähnten schwarzen Brett hing eine Karte des nächtlichen Sternenhimmels, ausgestellt und ausgeteilt vom Observatorium auf Mt. John. Darauf waren einige wichtige Sternenbilder, helle Sterne und die Milchstraße eingezeichnet, zusammen mit einer Anweisung, wie man die Karte halten muss, um alles zu finden. Ja, endlich, hier war Crux, das Kreuz des Südens, ganz deutlich vor mir – nicht nur auf dem Papier, das Billy mir freundlicherweise kopiert hatten, sondern auch über mir am nächtlichen Sternenhimmel. Ein schöner Abschluss dieses Tages. Endlich fand ich das Kreuz des Südens.
In Lake Tekapo gab es zudem eine kleine Kirche, die, wie könnte es anders sein, idyllisch am Flussufer stand. Die Kirche zum guten Hirten war ein aus Stein gebauter Touristenmagnet – ich bin mir nicht so ganz sicher, woran es lag. Wie dem auch sei, nicht weit von der Kirche entfernt baute man gerade eine neue Fußgängerbrücke. Welcher Grund für den Neubau sprach, blieb trotz intensiven Studiums der Informationstafel verborgen, aber die Grundpfeiler standen schon. Nun war die zuständige Organisation auf Spenden auf der Bevölkerung angewiesen, da die Kosten des Projekts – oh wundern, oh staunen – doch wesentlich höher ausfallen würden, als anfangs angenommen. Dass es bereits eine funktionierende Brücke für Autos und Fußgänger gleichermaßen gab, fand in dem Text nicht die geringste Erwähnung. Wahrscheinlich war das derzeit vorhandene, pragmatisch angelegte Bauwerk nicht würdig genug vor einem derart bezaubernden Hintergrund zu stehen. Anders kann ich mir den Bau einer neuen Brücke nicht erklären. Diese kurze Begebenheit erwähne ich nur, weil ich sie lustig fand.

Wir begriffen schnell, dass der schwierigste Teil vom Arthur’s Pass hinter uns lag. Hat man erst einmal die Ortschaft mit demselben Namen erreicht, hat man erst einmal das Wunderwerk neuseeländischer Ingenieurskunst hinter sich gelassen, geht es mit dem State Highway 73 stetig bergab – im wörtlichen Sinn. Aber die Aussicht von dieser Seite war schlichtweg atemberaubend.
Dank unseres fahrbaren Untersatzes nahmen wir mehrfach die Gelegenheit wahr, am Straßenrand anzuhalten, um diesen Teil Neuseelands fotografisch festzuhalten. Berge, Wälder, Täler, Flüsse, Seen, Sonne. Alles fügte sich in ein sich ständig wandelndes, aber immer aufs Neue herrliches Bild. Durch diese unglaubliche Landschaft zog sich der Highway, an dessen Seiten nur wenige Häuser, geschweige denn ganze Siedlungen standen.


Endlich erreichten wir die Stadt, die uns seit geraumer Zeit auf der Landkarte entgegen prangerte, ja, uns mit ihrer Anwesenheit fast schon zu verspotten schien! Springfield. Wer hier an die Simpsons denken muss, liegt gar nicht so falsch. Immerhin ist dieses Springfield eines von zweien weltweit, das einen riesigen Donut bekam und diesen im Zentrum der Öffentlichkeit zugänglich machte. Nicht genug der Parallelen: Das Café neben der riesigen Skulptur verkaufte „Delicious Homer Donuts“.


Selbstverständlich ließen wir es uns nicht nehmen, diese Leckerbissen zu probieren – sie waren wirklich deliziös und nicht zu süß. Ein bisschen Small Talk mit der Verkäuferin gehörte zum guten Ton, so dass wir auch erfuhren, dass dieser riesige Donut der zweite war, weil irgendein Spinner den ersten abgebrannt hatte und er durch einen aus Zement ersetzt worden war. Um diesem Tag die Krone aufzusetzen, befand sich unser Hostel, obwohl in Lake Tekapo gelegen, in der Simpson Lane. Wir waren äußerst amüsiert.
Es ging weite über die Inland Scenic Route 72, die uns recht nah am Gebirge gen Süden führte. Der Unterschied zwischen der West- und Ostküste könnte kaum größer sein. Während wir die letzten Monate in einem dichten, tropischen Regenwald an Steilhängen und zerklüfteten Berglandschaften durchwachsen von gewundenen Straßen verbrachten, lagen vor uns nun ordentlich getrimmte Hecken – einige Meter hoch –, kilometerweites Flachland und glatt gebügelte Highways, auf denen man wirklich 100 km/h fahren konnte. Ich fand es ernüchternd. Das war nicht Neuseeland, das war ein englischer Vorgarten!
Wir fuhren runter bis Timaru, weil Franziska gelesen hatte, dass die Innenstadt dort sehr schön sein soll. Bei der Gelegenheit kehrten wir in den nächsten Pak'n'Safe ein, um uns mit Lebensmitteln für die nächsten Tage einzudecken. So ein großes Geschäft hatten wir seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen. Da waren so viel Menschen auf einmal. Und Autos. Und Ampeln!
Wie dem auch sei. Als wir an einem Parkplatz nahe dem Strand ankamen, war bereits ein ziemlich stürmischer Wind aufgezogen, so dass wir nur einen kurzen Abstecher zum Meer machten, um dann gegen den Wind ankämpfend zurück zu stolpern.
Die Ankunft in Lake Tekapo versetzte mich in einen Zustand geballter Sprachlosigkeit. Unsere Herberge lag einen Steinwurf vom See entfernt und hatte in der Lounge riesige Fenster, durch die man den ganzen Tag über die Aussicht genießen konnte. Der türkisblaue See, der von schneebedeckten Bergen gerahmt wurde, bot sich in einer Pracht dar, die Ihresgleichen sucht. Einfach nur phänomenal.


Ja, das Wasser ist wirklich so blau; ich besitze keine Bildbearbeitungsprogramme und kann damit eh nicht umgehen.
Das Hostel hatte zwei Kamine, in denen gemütliche Feuer brannten, einen schottischen Manager namens Billy, überall kostenlosen Internetzugang und ein schwarzes Brett, auf das ich später noch zu sprechen komme. Einziges Manko war der Mangel an kostenlosem Tee und Kaffee. Es war unsere erste Herberge in Neuseeland, die diesen Service nicht anbot.
Am nächsten Tag wollten wir uns dieses Naturschauspiel vor unserer Tür ein bisschen intensiver zu Gemüte führen und suchten uns dafür einen der zahlreichen Wanderwege.
Als wir auszogen Mordor zu finden und in Sopot ankamen.
Es gab die Wege 2 und 3, die den gleichen Anfang nahmen und sich erst später voneinander trennten, weshalb wir uns spontan entscheiden konnten, ob wir uns den längeren von 3 Stunden zutrauten oder uns doch mit nur 2 Stunden Wanderzeit begnügten. Der Aufstieg war ein bisschen steil, doch nicht unangenehm. Das luftige Nadelwäldchen erinnerte mich stark an den polnischen Ferienort Sopot, dessen Boden auch immer mit vertrockneten Nadeln übersät ist.

Es war unglaublich, dass wir in Neuseeland waren, denn vieles hier erinnerte an Europa. Je näher wir dem Gipfel kamen, umso spärlicher wurde die Vegetation, obwohl es nicht so hoch war. Es wurde auch immer windiger. Auf dem Gipfel dieses Bergchens, Mt. John genannt, steht ein Observatorium, das dank des „Lichtreservates“ um Lake Tekapo hervorragende Bilder des südlichen Sternenhimmels liefert. Bei Tag ist die Aussicht von diesem Gipfel ebenfalls herrlich. Der See ist von allen Seiten von Bergen umgeben, manche sind näher, andere weiter weg. Alle sind sie schön anzusehen. Ich kann immer noch nicht glauben, wie intensiv die Farbe dieses Sees ist.

Während wir den zerklüfteten Gipfel hinter uns ließen und auf Weideland traten, entschieden wir uns für den langen Weg zurück, da wir eh noch nicht so lange unterwegs waren. Im Hintergrund verbrannten einige Orks irgendetwas, aber da die Rauchsäule fernab unserer Strecke lag, kümmerten wir uns nicht weiter um sie. Stattdessen genoss ich die Stille dieser malerischen Umgebung sowie die Freiheit des Wanderns. Es ging über Wiesen, zwischen Sträuchern hindurch, über Versorgungswege, hoch am See entlang.
Nach zweieinhalb Stunden kamen wir wieder am Parkplatz an und machten uns auf den Heimweg. Der beständige Wind hatte zumindest meine erste Hautschicht abgefroren.
Tags darauf zogen wir aus uns Mt. Cook, den höchsten Berg an diesem Ende der Welt, anzusehen. Die Strecke war nicht gesperrt, also konnte es nach einem guten Frühstück losgehen. Ich kann nicht einmal erahnen, wie oft wir Halt machten, um die allgegenwärtigen Postkartenmotive von unseren nichtswürdigen Kameras einzufangen – oder es zumindest zu versuchen. Die gesamte Farbpalette der Blautöne fing sich in den weit entlegenen Bergketten. Hinzu kam Lake Pukaki, dessen türkisblau mit dem von Lake Tekapo konkurrierte.

Die kahlen Ebenen vor Mt. Cook, die von trockenen Grasbüscheln bedeckt waren, ließen den Berg deplatziert wirken. Steppe, Flussbett, Steppe, Fluss, Steppe, pop!, Berg. Es war recht antiklimaktisch.

Die Siedlung, Aoraki, ist winzig, hat aber ein Luxushotel, das durch eine lange Geschichte mit der Region verwachsen ist – länger als das Parlament in Wellington steht. Im Informations- und Wissenschaftszentrum (es ist keine i-Site) gab es ein kleines Regionalmuseum, das aufschlussreicher als Te Papa war.

Nachdem wir uns diese unerwarteten Informationen zur Geschichte des Bergsteigens in der Gegend durchgelesen hatten, machten wir in einem Café Halt für Lunch. Es gab Scones und Wedges Danach unternahmen wir eine Wanderung vom Hooker Valley zum Kea Point, die insgesamt eine Stunde dauern sollte, allerdings nicht unsere zügige Gangart berücksichtigte. Zwar sahen wir keine Keas, hatten dafür aber eine spektakuläre Sicht auf Mt. Cook. Je näher wir den Bergen kamen, umso mehr entsprachen sie meinen Erwartungen. Grüne Büsche schmiegten sich an felsigen Flanken, dazwischen lagen Tonnen von Geröll, Zeugen vergangener Erdrutsche, doch je höher man blickte, umso rauer wurden die Kanten, bis die Flora von Schnee und Eis abgelöst wurde. Geht doch.

Bevor die Europäer Fuß in dieses Land gesetzt hatten, sah die gesamte Ebene so aus. Aber für die Schafzucht hatten die Bauern alle Büsche brandgerodet, so dass nur noch diese trübe Steppenlandschaft übrig blieb. Da mittlerweile Kaninchen den Schafen das Gras unter der Schnauze wegfraßen, konnten hier momentan auch keine Wolllieferanten gehalten werden, zumindest nicht bis das Problem mit den Langohren behoben war.
Am Ende der Strecke angekommen bot sich uns eine wirklich prächtige Sicht auf Mt Cook, der mit seiner ewigen Eiskuppel einsam in der Ferne emporragt. Es gab sogar eine hölzerne Plattform, von der aus man den perfekten Blick auf den Gipfel werfen konnte.

Alles in allem war es ein sehr schöner Ausflug mit hervorragendem Wanderwetter. Dann war es Zeit für den Aufbruch zurück nach Lake Tekapo.
Am eingangs erwähnten schwarzen Brett hing eine Karte des nächtlichen Sternenhimmels, ausgestellt und ausgeteilt vom Observatorium auf Mt. John. Darauf waren einige wichtige Sternenbilder, helle Sterne und die Milchstraße eingezeichnet, zusammen mit einer Anweisung, wie man die Karte halten muss, um alles zu finden. Ja, endlich, hier war Crux, das Kreuz des Südens, ganz deutlich vor mir – nicht nur auf dem Papier, das Billy mir freundlicherweise kopiert hatten, sondern auch über mir am nächtlichen Sternenhimmel. Ein schöner Abschluss dieses Tages. Endlich fand ich das Kreuz des Südens.
In Lake Tekapo gab es zudem eine kleine Kirche, die, wie könnte es anders sein, idyllisch am Flussufer stand. Die Kirche zum guten Hirten war ein aus Stein gebauter Touristenmagnet – ich bin mir nicht so ganz sicher, woran es lag. Wie dem auch sei, nicht weit von der Kirche entfernt baute man gerade eine neue Fußgängerbrücke. Welcher Grund für den Neubau sprach, blieb trotz intensiven Studiums der Informationstafel verborgen, aber die Grundpfeiler standen schon. Nun war die zuständige Organisation auf Spenden auf der Bevölkerung angewiesen, da die Kosten des Projekts – oh wundern, oh staunen – doch wesentlich höher ausfallen würden, als anfangs angenommen. Dass es bereits eine funktionierende Brücke für Autos und Fußgänger gleichermaßen gab, fand in dem Text nicht die geringste Erwähnung. Wahrscheinlich war das derzeit vorhandene, pragmatisch angelegte Bauwerk nicht würdig genug vor einem derart bezaubernden Hintergrund zu stehen. Anders kann ich mir den Bau einer neuen Brücke nicht erklären. Diese kurze Begebenheit erwähne ich nur, weil ich sie lustig fand.
... link (0 Kommentare) ... comment
... older stories