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Sonntag, 2. August 2015
Akaroa – Mai 2015
atimos, 04:38h
Wie wir auszogen eine französische Siedlung zu suchen und die schottischen Highlands fanden.

Nachdem wir nun so viel Zeit in den Bergen zugebracht hatten, beschlossen wir uns wieder dem Meer zuzuwenden. Dank der Inselhaftigkeit dieses Staates stand diesem Vorhaben nicht viel im Weg. Es mussten nur einige Kilometer in irgendeine Richtung zurückgelegt werden und schon waren wir da. Diese Kilometer führten uns relativ zielgerichtet nach Akaroa, einem Örtchen auf der Banks Halbinsel.
Wenn man sich strikt an die Highways hält, ist es nur sehr schwierig sich in diesem kleinen Land zu verfahren. Wir allerdings wollten es vermeiden uns durch Christchurch oder dessen Vororte zu zwängen, weshalb wir vorher schon von dieser gerade gebügelten Straße abbogen und unser Glück auf einigen Nebenstraßen versuchten. Die Informationen auf der kleinen Landkarte mit Straßennetz waren allerdings nur mangelhaft, was zwangsläufig dazu führte, dass wir uns verfuhren. Als wir endlich auf eine Ortschaft stießen, fragten wir auch sofort nach dem Weg, um festzustellen, dass es gar nicht so schlimm um uns bestellt war. Es gab eben nicht allzu viele Straßen.
Auf diese Weise kamen wir durch den Ort Lincoln, der uns in mehrfacher Hinsicht überraschte. Zum einen war die Stadt viel größer als der Fleck auf der Landkarte es vermuten ließ. Wir staunten nicht schlecht, als wir an der Universität vorbeifuhren. Kurzentschlossen kürten wir diesen Ort zu unserer Lunchrast, da sowohl ein gutes Mittagessen als auch eine Rast lange überfällig waren. In der Innenstadt fand sich ein putziger Japaner, bei dem wir gerne einkehrten. Das Lokal war recht simpel gehalten, einige Plastiktische standen nebst Plastikstühlen im Raum, die Theke war mit Leckereien gedeckt und die Mitarbeiter überzeugten durch Freundlichkeit – ganz nach japanischer Art verbeugte der Chef sich sogar. Aus einer Laune heraus, die nur Leute verstehen, die mit „The Devil is a Part-Timer“ vertraut sind, bestellte ich Katsu Don. Es war vorzüglich und so sättigend, dass es zum Abendessen nur Toast gab. Nach unserem kurzen, aber durchaus amüsanten Aufenthalt ging es weiter – back on the road again. Wir kannten jetzt den Weg und folgten den Anweisungen der Einwohner.
Als wir uns Akaroa näherten, stellten wir fest, dass es wieder in ein Gebirge ging. Mittlerweile hatte das Wetter umgeschlagen, so dass wir uns tiefhängenden Wolken und vereinzelten Regenschauern gegenübersahen. Dies ist nur deshalb erwähnenswert, weil das Gesamtbild – Berge, Felsen, Weiden, Schafe, Regen – uns den Eindruck vermittelte in Schottland angekommen zu sein. Es ging weiter über gewundene Straßen, die mit so viel Rollsplitt übersät waren (es hatte einige Tage zuvor geschneit, doch der Schnee war wieder geschmolzen), dass man eher seinetwegen als wegen möglicher Eisbildung ins Schleudern hätte geraten können. An dieser Stelle möchte ich mich beim neuseeländischen Verkehrsministerium bedanken, da seine Schilder mich darüber aufklärten, dass kurvenreiche Straßen bei Frost rutschig sein können. Wer hätte das gedacht?
Auf der anderen Seite des Berges erbot sich uns mal wieder ein einmalig bezaubernder Anblick: Die Bucht der Banks Halbinsel mit ihren kleinen Siedlungen hier und da, eingekesselt von Bergen, wurde von einem Regenbogen gekrönt. Am Horizont sah man ganz deutlich, wie das eine Ende im Meer abtauchte, während das andere auf der Landspitze ruhte. Vielleicht waren wir doch in Irland gelandet. Jetzt galt es nur diesen verdammten Kobold mit seinem Eimer voll Gold zu finden.
Anhand der Namensgebung merkte man schnell, dass die Franzosen dieses Eiland unsicher gemacht hatten. Nicht nur Straßen- und Städtenamen hatten einen französischen Touch, auch die Geschäfte und Unterkünfte klangen fremd in dieser weit entfernten Umgebung. Auch unsere Herberge trug den pittoresk anmutenden Namen „Chez la Mer“ und war von außen rosa. Das waren auch die einzigen Hinweise, die uns dabei halfen sie zu finden. Unserem Hostel möchte ich einen etwas längeren Absatz widmen, nehme aber vorweg, dass ich kein gutes Haar an dieser überteuerten Absteige lassen werde.

Es begann damit, dass das Haus wahrscheinlich älter als das neuseeländische Parlament war und ebenso wahrscheinlich nicht ein einziges Mal vernünftig renoviert wurde. Die verschiedenen Farbschichten waren wohl der einzige Grund, warum diese Sperrholzbrettansammlung noch nicht in sich zusammengefallen war. Die letzten Modernisierungsmaßnahmen fanden womöglich in den 1960ern statt. Um das Törchen zum Vorgarten zu öffnen, setzt man sich der eminenten Gefahr aus, einen Finger im Schloss einzuklemmen.
Da wir – wie immer – ein Mehrbettzimmer gebucht hatten, bekamen wir überhaupt keinen Schlüssel. Man konnte ihn nicht einmal auf Anfrage dazu buchen. Nur Einzelzimmern war solch ein Luxus vorbehalten. Dies implizierte auch, dass die Haustür nicht abgeschlossen war, weshalb jedermann beliebig hinein- und wieder hinausgehen konnte, ohne dass eine Autoritätsperson es überwachen würde. Es gab auch keine Möglichkeit den Eingangsbereich vom Wohnzimmer aus einzusehen, obwohl das Personal dort die meiste Zeit zubrachte. Kein Schlüssel hieß auch, dass unser Raum nie abgeschlossen werden konnte. Man stellte uns allerdings Schließfächer zu Verfügung – die ich problemlos unterm Arm hätte wegtragen können. Ich verstehe nicht, warum sie auch nur versuchen den Anschein zu erwecken, als würden sie sich auch nur im geringsten Maß darum kümmern, was mit meinen Habseligkeiten passiert. Später las ich in einigen Kritiken zu dieser Herberge, dass schon mehrfach Wertgegenstände aus den Zimmern gestohlen worden waren.
Darüber hinaus war unser Raum ein Durchgangszimmer, da ein Schlafsaal für Angestellte direkt daran grenzte. Diese Leute scherten sich auch einen Schmarrn darum, ob die Tür zu unserem Zimmer offen stand oder nicht – für ihre eigenen Räumlichkeiten hatten sie ja einen Schlüssel. An dieser Stelle sei noch erwähnt, dass die Eingangstür zu unserem Zimmer auf den Hof ging, wir der Kälte also schutzlos ausgeliefert waren. Davon abgesehen, konnte jeder, der an dem Raum vorbeiging, sehen, dass unsere Sachen drin lagen.
Das hatte also zur Folge, dass es eiskalt in unserem Quartier war. Nicht, dass die dünnen Wände, von denen nur eine ans Haus grenzte, irgendeine Art von Isolierung hatten, weder gegen Wärmeverlust noch gegen Schall. Selbst das hätte wenig gebracht, da zwischen Tür und Rahmen stellenweise so große Spalten waren, dass meine Hand durch gepasst hätte.
Dies erklärt vermutlich auch die Mausefalle in der Küche. Bei einer solchen Bauart lud man die Nager im Winter doch nahezu ins Haus ein. Es sprach aber auch Bände über den Reinlichkeitszustand dieses Hostels. Wir hörten, wie einige Helfer sich darüber unterhielten, wie eine Maus der Falle entwischt war. Dieses kleine, schlaube Biest hatte es geschafft den Köder in Form von Erdnussbutter aus der Falle zu stehlen, ohne diese auszulösen. Man hätte ihr sogar zu Fuß besser folgen können, da sie ihre patzigen Pfotenabdrücke überall verteilte. Besonders deutlich waren die Spuren auf den Brötchenrohlingen, die offen in der Küche darauf warteten in den Backofen geschoben zu werden. Unsere Lebensmittel würden auf jeden Fall im Auto bleiben.

Zurück zu unseren Übernachtungsbedingungen. Wir hatten ein Badezimmer, das an unseren Raum grenzte. Das Fenster darin war nicht einmal dafür konzipiert jemals geschlossen zu werden. Es war ein Loch in der Wand, in das man schräg einige Glasplatten hineingelegt hatte. An Frischluft mangelte es uns mit Sicherheit nicht. Dessen ungeachtet schälte sich die Farbe über der Dusche bereits ab und darunter krochen pelzige Kolonien schwarzen Schimmels hervor.
Um all diesen rauen Witterungsbedingungen und den sinkenden Temperaturen Einhalt zu gebieten, stand uns ein kleiner, elektrischer Heizkörper zur Verfügung. Selbstverständlich durfte man dieses Gerät nicht unbeaufsichtigt lassen, weil es dank des veralteten Stromnetzes jederzeit in Flammen aufgehen und das ganze Hostel in Schutt und Asche verwandeln könnte – immer noch eine bauliche Verbesserung, wenn man mich fragt. Damit war die Beheizung des Schlafgemachs doch recht schwierig. Zumal wir recht spät ankamen, dort drinnen schon lange nicht mehr geheizt worden war, wir uns noch etwas ansehen, dann noch kochen wollten, in der Küche und Wohnzimmer blieben, weil dort ein Feuer im Kamin brannte und es entschieden wärmer war und außerdem man nur dort Internetempfang hatte. Dass die Herberge kostenlos weitere Decken und Wärmflaschen zur Verfügung stellte, war wirklich das Mindeste. Trotzdem verlangte ich nach einem weiteren Heizkörper, der mir ohne Murren gebracht wurde.
Darüber hinaus bin ich mir noch nicht einmal sicher, ob sie die Betten nach den letzten Gästen neu bezogen haben. Entweder sie hatten eine nicht voll funktionsfähige Waschmaschine oder sie machten sich nicht die Mühe, wenn die Bezüge noch nicht gebraucht genug aussahen. Jedenfalls beschwerte sich Franziska, dass ihr Bett nicht einwandfrei war.
Ich weiß nicht, was für Ansprüche andere Backpacker haben, aber ich erwarte für mein Geld schon etwas Besseres, insbesondere weil 28 $ pro Nacht zur gehobenen Preiskategorie für Mehrbettzimmer zählen. Die freundliche Helferin, die uns an diesem Tag im Hostel begrüßte, machte uns darauf aufmerksam, dass wir das Zimmer zu einem Schnäppchenpreis ergattert hatten. Ja, es war ein Mehrbettzimmer, wie wir es buchen wollten, aber es waren nur vier Betten mit Ensiute, weil keine anderen Dorms derzeit frei waren. Normalerweise kostet solch ein Quartier 35 $ pro Nacht. Mir fehlten die Worte. Das war mehr als unverschämt. Die anderen Reisenden hingegen fanden diese Bedingungen normal – für neuseeländische Verhältnisse.
Hier muss ich betonen: Das ist es nicht. Es war mit Abstand das schlechteste Hostel, in dem ich in Neuseeland untergekommen bin, und es zählte zu den teuersten. Sogar in Tschechien gibt es bessere Lebensbedingungen! Ich kann nur davon abraten im „Chez la Mer“ ein Zimmer zu buchen. Besser man investiert ein bisschen mehr Geld, wenn man einen Ausflug nach Akaroa machen will, denn ich gehe dreist davon aus, dass die Hotels und Motels bessere Bedingungen anbieten.
Zur Buchung sollte ich auch noch einige Worte verlieren. „Chez la Mer“ ist nicht bei hostelworld.com eingetragen, so dass wir direkt über die Seite der Herberge buchten. Es war allerdings nicht möglich eine Buchung mit wenigen Klicks durchzuführen, nein, man musste seine Daten in ein Formular eingeben und eine Anfrage per Mail schicken. Anstatt einer Antwort, ob ein Zimmer frei war oder nicht, bekamen wir eine Buchungsbestätigung und das Geld wurde von der Kreditkarte abgebucht. Ob wir nun mit Karte oder bar bezahlen wollten, zusammen oder getrennt, fragte man uns gar nicht erst. Ich finde dies unverschämt. Darüber hinaus hatten wir nur eine Anfrage geschickt, keine Buchung. Es hätte genauso gut sein können, dass wir uns in der Zeit schon für ein anderes Zimmer entschieden.
Alles in allem nahm ich den Aufenthalt in „Chez la Mer“ mit Galgenhumor und lächelte bei jeder neu erkannten Katastrophe.
Es überraschte mich zu sehen, dass so viele Deutsche dort längerfristig eingekehrt waren. Tatsächlich waren die meisten Gäste und Helfer deutscher Herkunft. Aber dass ihre Ansprüche so niedrig waren und sie sich diese Lebensbedingungen zumuten ließen, verwirrte mich. Eine Nacht in dieser Absteige war, in meinen Augen, die Grenze des Erträglichen.
Kommen wir nun zu dem Städtchen Akaroa.
Eingekeilt zwischen Meer und Bergen genießt man in Akaroa immerzu beeindruckende Ansichten, wohin man die Augen auch richtet. Verschiedene Boote schwankten ruhig auf den Wellen, eine gepflegte Uferpromenade erlaubte den Besuchern gemütliches Flanieren und die englische Sprache verunstaltete die französische – oder umgekehrt –, wie man an dem Schild „The Brasserie“ unschwer ablesen konnte.

Obwohl das Städtchen schon seinen Winterschlaf angetreten hatte und viele Läden zwecks Urlaub geschlossen waren, genossen wir das doch arg französisch geprägte Ambiente der Haupttouristenroute. Wie es für Neuseeland typisch war, hatte man die Häuser aus Holz gezimmert, und dennoch besaßen die Fassaden einen nicht so typischen Einschlag, der an die Côte d'Azur erinnerte.

Bevor wir unsere obligatorische, kostenlose Straßenkarte holen konnten, mussten wir noch ein bisschen Zeit totschlagen, da die i-Site erst in diesem verschlafenen Örtchen später öffnete. Aber kaum dass wir richtig ausgestattet waren, machten wir einen Plan und zogen los, die Gegend unsicher zu machen.
Zielsicher flanierten wir die Strandpromenade entlang, die durch einen Sturm einige Tage zuvor mit Kieseln und Muscheln übersät war. Kaum ein Mensch war um diese Tages- oder Jahreszeit unterwegs, was uns nur wenig störte.
Zuerst wollten wir den alten Leuchtturm sehen. Da wir dort schneller als erwartet ankamen, gingen wir die Straße weiter zu einem Gedenkstein. Dort lernten wir ein bisschen über die englisch-französischen-maori Beziehungen in Akaroa. Danach wollten wir uns den nahe gelegenen Park ansehen; gesagt, getan, und wir waren viel zu schnell durch. Tatsächlich ist Akaroa eine von Franzosen gegründete Siedlung auf englischsprachigem Boden mit einem maori Namen. Es war alles vertreten und bunt ineinander gerührt.
Trotz all dieser Aktivitäten war der Morgen noch jung, unsere Phantasie bezüglich der Sehenswürdigkeiten Akaroas aber erschöpft. Anstatt noch weiter Zeit zu schinden, brachen wir also früher als geplant auf und nahmen die etwas weniger befahrene Route über die Summit Road. Das war es allemal wert.


Nachdem wir nun so viel Zeit in den Bergen zugebracht hatten, beschlossen wir uns wieder dem Meer zuzuwenden. Dank der Inselhaftigkeit dieses Staates stand diesem Vorhaben nicht viel im Weg. Es mussten nur einige Kilometer in irgendeine Richtung zurückgelegt werden und schon waren wir da. Diese Kilometer führten uns relativ zielgerichtet nach Akaroa, einem Örtchen auf der Banks Halbinsel.
Wenn man sich strikt an die Highways hält, ist es nur sehr schwierig sich in diesem kleinen Land zu verfahren. Wir allerdings wollten es vermeiden uns durch Christchurch oder dessen Vororte zu zwängen, weshalb wir vorher schon von dieser gerade gebügelten Straße abbogen und unser Glück auf einigen Nebenstraßen versuchten. Die Informationen auf der kleinen Landkarte mit Straßennetz waren allerdings nur mangelhaft, was zwangsläufig dazu führte, dass wir uns verfuhren. Als wir endlich auf eine Ortschaft stießen, fragten wir auch sofort nach dem Weg, um festzustellen, dass es gar nicht so schlimm um uns bestellt war. Es gab eben nicht allzu viele Straßen.
Auf diese Weise kamen wir durch den Ort Lincoln, der uns in mehrfacher Hinsicht überraschte. Zum einen war die Stadt viel größer als der Fleck auf der Landkarte es vermuten ließ. Wir staunten nicht schlecht, als wir an der Universität vorbeifuhren. Kurzentschlossen kürten wir diesen Ort zu unserer Lunchrast, da sowohl ein gutes Mittagessen als auch eine Rast lange überfällig waren. In der Innenstadt fand sich ein putziger Japaner, bei dem wir gerne einkehrten. Das Lokal war recht simpel gehalten, einige Plastiktische standen nebst Plastikstühlen im Raum, die Theke war mit Leckereien gedeckt und die Mitarbeiter überzeugten durch Freundlichkeit – ganz nach japanischer Art verbeugte der Chef sich sogar. Aus einer Laune heraus, die nur Leute verstehen, die mit „The Devil is a Part-Timer“ vertraut sind, bestellte ich Katsu Don. Es war vorzüglich und so sättigend, dass es zum Abendessen nur Toast gab. Nach unserem kurzen, aber durchaus amüsanten Aufenthalt ging es weiter – back on the road again. Wir kannten jetzt den Weg und folgten den Anweisungen der Einwohner.
Als wir uns Akaroa näherten, stellten wir fest, dass es wieder in ein Gebirge ging. Mittlerweile hatte das Wetter umgeschlagen, so dass wir uns tiefhängenden Wolken und vereinzelten Regenschauern gegenübersahen. Dies ist nur deshalb erwähnenswert, weil das Gesamtbild – Berge, Felsen, Weiden, Schafe, Regen – uns den Eindruck vermittelte in Schottland angekommen zu sein. Es ging weiter über gewundene Straßen, die mit so viel Rollsplitt übersät waren (es hatte einige Tage zuvor geschneit, doch der Schnee war wieder geschmolzen), dass man eher seinetwegen als wegen möglicher Eisbildung ins Schleudern hätte geraten können. An dieser Stelle möchte ich mich beim neuseeländischen Verkehrsministerium bedanken, da seine Schilder mich darüber aufklärten, dass kurvenreiche Straßen bei Frost rutschig sein können. Wer hätte das gedacht?
Auf der anderen Seite des Berges erbot sich uns mal wieder ein einmalig bezaubernder Anblick: Die Bucht der Banks Halbinsel mit ihren kleinen Siedlungen hier und da, eingekesselt von Bergen, wurde von einem Regenbogen gekrönt. Am Horizont sah man ganz deutlich, wie das eine Ende im Meer abtauchte, während das andere auf der Landspitze ruhte. Vielleicht waren wir doch in Irland gelandet. Jetzt galt es nur diesen verdammten Kobold mit seinem Eimer voll Gold zu finden.
Anhand der Namensgebung merkte man schnell, dass die Franzosen dieses Eiland unsicher gemacht hatten. Nicht nur Straßen- und Städtenamen hatten einen französischen Touch, auch die Geschäfte und Unterkünfte klangen fremd in dieser weit entfernten Umgebung. Auch unsere Herberge trug den pittoresk anmutenden Namen „Chez la Mer“ und war von außen rosa. Das waren auch die einzigen Hinweise, die uns dabei halfen sie zu finden. Unserem Hostel möchte ich einen etwas längeren Absatz widmen, nehme aber vorweg, dass ich kein gutes Haar an dieser überteuerten Absteige lassen werde.

Es begann damit, dass das Haus wahrscheinlich älter als das neuseeländische Parlament war und ebenso wahrscheinlich nicht ein einziges Mal vernünftig renoviert wurde. Die verschiedenen Farbschichten waren wohl der einzige Grund, warum diese Sperrholzbrettansammlung noch nicht in sich zusammengefallen war. Die letzten Modernisierungsmaßnahmen fanden womöglich in den 1960ern statt. Um das Törchen zum Vorgarten zu öffnen, setzt man sich der eminenten Gefahr aus, einen Finger im Schloss einzuklemmen.
Da wir – wie immer – ein Mehrbettzimmer gebucht hatten, bekamen wir überhaupt keinen Schlüssel. Man konnte ihn nicht einmal auf Anfrage dazu buchen. Nur Einzelzimmern war solch ein Luxus vorbehalten. Dies implizierte auch, dass die Haustür nicht abgeschlossen war, weshalb jedermann beliebig hinein- und wieder hinausgehen konnte, ohne dass eine Autoritätsperson es überwachen würde. Es gab auch keine Möglichkeit den Eingangsbereich vom Wohnzimmer aus einzusehen, obwohl das Personal dort die meiste Zeit zubrachte. Kein Schlüssel hieß auch, dass unser Raum nie abgeschlossen werden konnte. Man stellte uns allerdings Schließfächer zu Verfügung – die ich problemlos unterm Arm hätte wegtragen können. Ich verstehe nicht, warum sie auch nur versuchen den Anschein zu erwecken, als würden sie sich auch nur im geringsten Maß darum kümmern, was mit meinen Habseligkeiten passiert. Später las ich in einigen Kritiken zu dieser Herberge, dass schon mehrfach Wertgegenstände aus den Zimmern gestohlen worden waren.
Darüber hinaus war unser Raum ein Durchgangszimmer, da ein Schlafsaal für Angestellte direkt daran grenzte. Diese Leute scherten sich auch einen Schmarrn darum, ob die Tür zu unserem Zimmer offen stand oder nicht – für ihre eigenen Räumlichkeiten hatten sie ja einen Schlüssel. An dieser Stelle sei noch erwähnt, dass die Eingangstür zu unserem Zimmer auf den Hof ging, wir der Kälte also schutzlos ausgeliefert waren. Davon abgesehen, konnte jeder, der an dem Raum vorbeiging, sehen, dass unsere Sachen drin lagen.
Das hatte also zur Folge, dass es eiskalt in unserem Quartier war. Nicht, dass die dünnen Wände, von denen nur eine ans Haus grenzte, irgendeine Art von Isolierung hatten, weder gegen Wärmeverlust noch gegen Schall. Selbst das hätte wenig gebracht, da zwischen Tür und Rahmen stellenweise so große Spalten waren, dass meine Hand durch gepasst hätte.
Dies erklärt vermutlich auch die Mausefalle in der Küche. Bei einer solchen Bauart lud man die Nager im Winter doch nahezu ins Haus ein. Es sprach aber auch Bände über den Reinlichkeitszustand dieses Hostels. Wir hörten, wie einige Helfer sich darüber unterhielten, wie eine Maus der Falle entwischt war. Dieses kleine, schlaube Biest hatte es geschafft den Köder in Form von Erdnussbutter aus der Falle zu stehlen, ohne diese auszulösen. Man hätte ihr sogar zu Fuß besser folgen können, da sie ihre patzigen Pfotenabdrücke überall verteilte. Besonders deutlich waren die Spuren auf den Brötchenrohlingen, die offen in der Küche darauf warteten in den Backofen geschoben zu werden. Unsere Lebensmittel würden auf jeden Fall im Auto bleiben.

Zurück zu unseren Übernachtungsbedingungen. Wir hatten ein Badezimmer, das an unseren Raum grenzte. Das Fenster darin war nicht einmal dafür konzipiert jemals geschlossen zu werden. Es war ein Loch in der Wand, in das man schräg einige Glasplatten hineingelegt hatte. An Frischluft mangelte es uns mit Sicherheit nicht. Dessen ungeachtet schälte sich die Farbe über der Dusche bereits ab und darunter krochen pelzige Kolonien schwarzen Schimmels hervor.
Um all diesen rauen Witterungsbedingungen und den sinkenden Temperaturen Einhalt zu gebieten, stand uns ein kleiner, elektrischer Heizkörper zur Verfügung. Selbstverständlich durfte man dieses Gerät nicht unbeaufsichtigt lassen, weil es dank des veralteten Stromnetzes jederzeit in Flammen aufgehen und das ganze Hostel in Schutt und Asche verwandeln könnte – immer noch eine bauliche Verbesserung, wenn man mich fragt. Damit war die Beheizung des Schlafgemachs doch recht schwierig. Zumal wir recht spät ankamen, dort drinnen schon lange nicht mehr geheizt worden war, wir uns noch etwas ansehen, dann noch kochen wollten, in der Küche und Wohnzimmer blieben, weil dort ein Feuer im Kamin brannte und es entschieden wärmer war und außerdem man nur dort Internetempfang hatte. Dass die Herberge kostenlos weitere Decken und Wärmflaschen zur Verfügung stellte, war wirklich das Mindeste. Trotzdem verlangte ich nach einem weiteren Heizkörper, der mir ohne Murren gebracht wurde.
Darüber hinaus bin ich mir noch nicht einmal sicher, ob sie die Betten nach den letzten Gästen neu bezogen haben. Entweder sie hatten eine nicht voll funktionsfähige Waschmaschine oder sie machten sich nicht die Mühe, wenn die Bezüge noch nicht gebraucht genug aussahen. Jedenfalls beschwerte sich Franziska, dass ihr Bett nicht einwandfrei war.
Ich weiß nicht, was für Ansprüche andere Backpacker haben, aber ich erwarte für mein Geld schon etwas Besseres, insbesondere weil 28 $ pro Nacht zur gehobenen Preiskategorie für Mehrbettzimmer zählen. Die freundliche Helferin, die uns an diesem Tag im Hostel begrüßte, machte uns darauf aufmerksam, dass wir das Zimmer zu einem Schnäppchenpreis ergattert hatten. Ja, es war ein Mehrbettzimmer, wie wir es buchen wollten, aber es waren nur vier Betten mit Ensiute, weil keine anderen Dorms derzeit frei waren. Normalerweise kostet solch ein Quartier 35 $ pro Nacht. Mir fehlten die Worte. Das war mehr als unverschämt. Die anderen Reisenden hingegen fanden diese Bedingungen normal – für neuseeländische Verhältnisse.
Hier muss ich betonen: Das ist es nicht. Es war mit Abstand das schlechteste Hostel, in dem ich in Neuseeland untergekommen bin, und es zählte zu den teuersten. Sogar in Tschechien gibt es bessere Lebensbedingungen! Ich kann nur davon abraten im „Chez la Mer“ ein Zimmer zu buchen. Besser man investiert ein bisschen mehr Geld, wenn man einen Ausflug nach Akaroa machen will, denn ich gehe dreist davon aus, dass die Hotels und Motels bessere Bedingungen anbieten.
Zur Buchung sollte ich auch noch einige Worte verlieren. „Chez la Mer“ ist nicht bei hostelworld.com eingetragen, so dass wir direkt über die Seite der Herberge buchten. Es war allerdings nicht möglich eine Buchung mit wenigen Klicks durchzuführen, nein, man musste seine Daten in ein Formular eingeben und eine Anfrage per Mail schicken. Anstatt einer Antwort, ob ein Zimmer frei war oder nicht, bekamen wir eine Buchungsbestätigung und das Geld wurde von der Kreditkarte abgebucht. Ob wir nun mit Karte oder bar bezahlen wollten, zusammen oder getrennt, fragte man uns gar nicht erst. Ich finde dies unverschämt. Darüber hinaus hatten wir nur eine Anfrage geschickt, keine Buchung. Es hätte genauso gut sein können, dass wir uns in der Zeit schon für ein anderes Zimmer entschieden.
Alles in allem nahm ich den Aufenthalt in „Chez la Mer“ mit Galgenhumor und lächelte bei jeder neu erkannten Katastrophe.
Es überraschte mich zu sehen, dass so viele Deutsche dort längerfristig eingekehrt waren. Tatsächlich waren die meisten Gäste und Helfer deutscher Herkunft. Aber dass ihre Ansprüche so niedrig waren und sie sich diese Lebensbedingungen zumuten ließen, verwirrte mich. Eine Nacht in dieser Absteige war, in meinen Augen, die Grenze des Erträglichen.
Kommen wir nun zu dem Städtchen Akaroa.
Eingekeilt zwischen Meer und Bergen genießt man in Akaroa immerzu beeindruckende Ansichten, wohin man die Augen auch richtet. Verschiedene Boote schwankten ruhig auf den Wellen, eine gepflegte Uferpromenade erlaubte den Besuchern gemütliches Flanieren und die englische Sprache verunstaltete die französische – oder umgekehrt –, wie man an dem Schild „The Brasserie“ unschwer ablesen konnte.

Obwohl das Städtchen schon seinen Winterschlaf angetreten hatte und viele Läden zwecks Urlaub geschlossen waren, genossen wir das doch arg französisch geprägte Ambiente der Haupttouristenroute. Wie es für Neuseeland typisch war, hatte man die Häuser aus Holz gezimmert, und dennoch besaßen die Fassaden einen nicht so typischen Einschlag, der an die Côte d'Azur erinnerte.

Bevor wir unsere obligatorische, kostenlose Straßenkarte holen konnten, mussten wir noch ein bisschen Zeit totschlagen, da die i-Site erst in diesem verschlafenen Örtchen später öffnete. Aber kaum dass wir richtig ausgestattet waren, machten wir einen Plan und zogen los, die Gegend unsicher zu machen.
Zielsicher flanierten wir die Strandpromenade entlang, die durch einen Sturm einige Tage zuvor mit Kieseln und Muscheln übersät war. Kaum ein Mensch war um diese Tages- oder Jahreszeit unterwegs, was uns nur wenig störte.
Zuerst wollten wir den alten Leuchtturm sehen. Da wir dort schneller als erwartet ankamen, gingen wir die Straße weiter zu einem Gedenkstein. Dort lernten wir ein bisschen über die englisch-französischen-maori Beziehungen in Akaroa. Danach wollten wir uns den nahe gelegenen Park ansehen; gesagt, getan, und wir waren viel zu schnell durch. Tatsächlich ist Akaroa eine von Franzosen gegründete Siedlung auf englischsprachigem Boden mit einem maori Namen. Es war alles vertreten und bunt ineinander gerührt.
Trotz all dieser Aktivitäten war der Morgen noch jung, unsere Phantasie bezüglich der Sehenswürdigkeiten Akaroas aber erschöpft. Anstatt noch weiter Zeit zu schinden, brachen wir also früher als geplant auf und nahmen die etwas weniger befahrene Route über die Summit Road. Das war es allemal wert.

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