Sonntag, 23. August 2015
Sydney – Juni 2015
Kurz vor knapp kamen wir wieder zurück zum Hostel, griffen unsere Rucksäcke, schnappten uns unseren temporären Reisegefährten, Patrick, aus Deutschland und warteten eher ungeduldig auf den versprochenen Shuttlebus. In der Zwischenzeit schaffte ich es alles umzupacken, zu sortieren, ein Stück Zitronenkuchen zu kaufen, es zu halbieren, meine Hälfte zu essen, das Messer zu spülen, noch etwas zu trinken und mich noch ein bisschen nervös zu machen. Egal, wie oft ich fliegen, wenn ich noch nicht am Flughafen bin, werde ich hibbelig. Es könnte noch so viel schief gehen.

Das Shuttle kam früher als geplant, lud alle Leute ein, fuhr noch zu einer anderen Unterkunft, um Gäste einzuladen, und es ging weiter zum Internationalen Flughafen von Christchurch. Dort kamen wir auch zeitig an, verabschiedeten uns von Patrick (nur, um ihn einige Minuten später an der Sicherheitskontrolle wiederzusehen) und checkten ein. Alles lief problemlos, so dass wir kurze Zeit später durch den (winzigen) Duty Free Shop schlenderten und uns über die horenden Preise wunderten.

Endlich war unser Flug bereit zum Boarding und wir nahmen unsere Plätze an Bord einer Boing 777-300 von Emirates Airlines ein. Start und Anfang des Fluges waren recht turbulent, doch das legte sich mit der Zeit. Ich vertrieb mir die Reise mit dem Film „Kingsman“, der allerdings nur mäßig unterhaltsam war. Dessen ungeachtet möchte ich an dieser Stelle keine ausführliche Kritik üben.

Bei diesem Flug fiel uns eine Stewardess auf, die sich durch schlechte Laune sowie patziges Benehmen in den Mittelpunkt drängte. Wir waren ein wenig überrascht, schließlich war dies ein Flug von Emirates. Glücklicherweise hatten wir nur wenig mit ihr zu tun.

Um den Service dieser noblen Fluggesellschaft zu testen, bestellte ich mir ein lactosefreies Menü. Es war gut; insbesondere der Nachtisch schmeckte mir.

Gerade als mein Film sein Ende gefunden hatte, setzten wir zur Landung an – zwanzig Minuten früher als geplant. Zuvor hatten wir einige Dokumente bekommen, die wir vor der Einreise ausfüllen mussten. Da auch darauf gefragt wurde, ob wir Dreck an den Schuhen hatten, blieb uns nichts anders übrig, als zu bejahen. Natürlich machte uns dies einige Sorgen, weil wir schon befürchteten, dass uns etwas abhanden kommen könnte – Schuhe beispielsweise. Doch die Einreise war ebenso einfach wie nach Neuseeland. Man besah sich unsere Schuhe, fragte, ob die im Koffer sauber waren, und winkte uns durch. Ich frage mich langsam, ob man als Deutscher einen Freibrief für diverse Länder besitzt, ohne es zu wissen. Sie wollten nicht einmal das Visum sehen. Dabei war es so eine Tortur, es zu bekommen. Das war nur ein Scherz.

Tatsächlich muss man selbst ein Touristenvisum für Australien beantragen. Praktischerweise geht das nur noch online und, wenn man Einwohner Deutschlands ist, geht es auch verdammt schnell. Eine Stunde nach Beantragung hatte ich schon die Zusage: Ich durfte innerhalb des nächsten Jahres bis zu drei Monate in Australien verbringen, um Fotos zu knipsen. Und es hatte mich nichts gekostet.

Ursprünglich hatten wir geplant auch in Sydney eine Gastfamilie zu finden und so unsere Kosten niedrig zu halten. Nachdem wir erfahren hatten, dass es mit einem Touristenvisum völlig legal ist, war es schon fast selbstverständlich. Da sowohl Einreise- als auch Abreisetermin feststanden, nahmen wir schon früh Kontakt zu potenziellen Gastgebern auf. Wir fanden auch eine interessierte Familie und wähnten uns sicher, bis wir einige Tage vor der geplanten Ankunft nach der Adresse fragten und zur Antwort bekamen, dass die Familie gerade jemand anderen hatten. Schnell suchten wir uns eine Herberge für die Dauer unseres Aufenthalts und kamen so in den Genuss von Eva's Backpackers – inklusive einem kostenlosen Shuttleservice vom Flughafen zur Unterkunft. Wir mussten nur ein bestimmtes Formular einem bestimmten Herren zeigen und schon brachte er uns zum richtigen Bussteig.

Es war der erste Australier, mit dem wir Kontakt hatten, und ich war königlich amüsiert. Er erinnerte mich an Hammy aus „Ab durch die Hecke“: aufgedreht, schnell, redselig. Mit riesigen Schritten stapfte er zielgerichtet voran, wobei er ohne Unterlass plapperte. Innerhalb weniger Minuten erfuhren wir alles über sein Alter, seinen Familienstand, seine bisherigen Reisen, Verwandten und noch mehr. Zudem bestätigte er jedes Klischee, das ich über sprachliche Eigenarten des australischen Dialektes kenne. Schon von Beginn an, ja im ersten Satz, ging er zu „mate“ über. So viel Spaß es uns auch machte ihn zu beobachten und mit ihm zu plauschen, sein Zeitverständnis war von einem anderen Stern. Statt der angekündigten fünfzehn Minuten warteten wir über eine halbe Stunde, bis der Shuttlebus ankam.

Als dieser Kleintransporter mit Gepäckanhänger dann endlich vorfuhr, verlagerte sich unsere Sorge vom Begrüßungskommitee zum Fahrer. Wir befürchteten ernsthaft, dass dieser Mann uns hinter dem Steuer mit einem Herzinfarkt zusammenbrechen könnte, und ich fragte mich für einen Lidschlag, ob er beim ersten Weltkrieg in Gallipoli gewesen war. Als wir dann endlich losfuhren, spielte unser Fahrer klassische Musik, was der ganzen Szene einen abstrakten Anstrich gab. Glücklicherweise war das Fahrzeug entschieden jünger als sein Fahrer.

Endlich in Eva's Backpackers angekommen checkten wir provisorisch ein, bezogen unsere Betten und gaben uns der Nachtruhe hin. Immerhin beträgt die Zeitverschiebung Neuseeland-Australien zwei Stunden, also war es schon ein sehr langer Tag gewesen. Außerdem hatte ich lange nicht mehr ein so sicheres Hostel gesehen. Es gab Türcodes und Sicherheitsschlüssel, womit Fremden der Zugang sichtlich erschwert wurde. Eine Bekanntschaft machten wir an diesem Abend noch. Es war eine Deutsche. Der zweite Gast, mit dem wir Kontakt hatten, war Sam, ein Engländer, der von Korea nach Sydney geflogen war. Er gab uns zahlreiche Tipps und Hinweise für unseren bevorstehenden Aufenthalt in dem ostasiatischen Land.

Wir hatten eine lange Liste mit Sehenswürdigkeiten, die uns teils durch öffentliche Werbemaßnahmen der Stadt, teils durch Mundpropaganda zu Ohren gekommen waren. Allerdings war unser Aufenthalt begrenzt, weshalb wir jeden Tag möglichst zum Bersten ausfüllten.

Wieder erhielten wir kostenlose Stadtkarten, Reiseführer, Broschüren und Rabattgutscheine. All das half uns bei der weiteren Planung sowie Durchführung unserer Reise. Schon der erste Spaziergang überzeugte. Sydney war schön. In der Stadt fand sich alles, was ein metropolitisches Herz begehrte, wobei es nicht an Auflockerungen durch Bäume, Grünflächen und Parklandschaften mangelte. Aber auch ein gewisser Charme kam sehr deutlich zum Vorschein. Breite Gehwege sorgten dafür, dass die kärglich tröpfelnden Menschenströme des Winters gemütlich Platz fanden. Im Sommer ist es wahrscheinlich entschieden voller. Die Beschilderung half jedem sich zurecht zu finden. Es war alles sehr sauber und gepflegt. Alte Gebäude im Kolonialstil, gesäumt von Palmen, standen neben modernen Bauten aus Glas, gingen teils sogar gekonnt ineinander über. Natürlich fanden sich dazwischen einige klägliche Beleidigungen der 1970er Jahre; das Problem hat wahrscheinlich jede Stadt, die mit Zement umzugehen weiß. Die Skyline, mit unzähligen Wolkenkratzern, die von Banken und bekannten Firmen beheimatet wurden, verdiente ihren Namen zurecht. Auch wenn die Gebäude alle in die Höhe ragten, hatten sie wesentliche Unterscheidungsmerkmale, so dass dem Auge viel Abwechslung geboten wurde.

Aussicht von der Dachterrasse unseres Hostels

Es versteht sich von selbst, dass wir die Oper aufsuchten, um dieses einzigartig Gebäude mit seiner faszinierenden Architektur zu bewundern. Allerdings folgten wir dabei einem vorgegebenen Pfad, der uns an diversen Sehenswürdigkeiten im Zentrum der Stadt vorbeiführte. Krönender Abschluss war die Oper. Dieses Bauwerk übte auf mich eine ungemeine Faszination aus. Entgegen meiner Erwartungen war es aber nicht schneeweiß, sondern mit verschiedenen kleinen Fliesen in Weiß und Beige (vorwiegend letzteres) bedeckt. Ich fand es nicht nur sehr schön, sondern obendrein beeindruckend. Außerdem war es viel größer als erwartet. Eine wohlgepflegte Promenade führte um die Oper herum, wodurch man sie aus allen möglichen Winkeln betrachten konnte. Auch von der Harbour Bridge war eine ungetrübte Aussicht auf diese riesige Muschelansammlung möglich. Zu unserem Bedauern erfuhren wir, dass wir leider einen Tag zu spät für das Lichtspiel „Vivid Sydney“ angereist waren, bei dem die Oper abends von außen mit verschiedenfarbigen Scheinwerfern bestrahlt wurde und in ganz neuem Glanz erstrahlte. Das nennt man dann Pech. Sie ist auch so sehr schön.







Bei der Gelegenheit ließen wir es uns natürlich nicht nehmen einfach mal einen Blick ins Innere des Gebäudes zu werfen. Die Eingangshalle war ebenfalls stilistisch einwandfrei, wodurch wir befanden, dass uns ein rundum gelungenes Konzept präsentiert wurde. Äußerst zufriedenstellend. Für ein Konzert reichte meine Reisekasse dieses Mal allerdings nicht, so dass ich nichts über die Akustik oder den Aufbau des Konzertsaals sagen kann.

Das zweite Wahrzeichen Sydneys, die Harbour Bridge, war nicht so weit von der Oper entfernt, als dass man einen Spaziergang dorthin scheuen sollte. Tatsächlich konnte man sehr gute Fotos mit beiden Motiven gleichzeitig schießen. Also brachen wir zur Brücke auf und sahen auf diese Weise noch einige interessante Teile von der Stadt. Um von der Oper zur Harbour Bridge zu gelangen, konnte man durch den alten Stadtteil Sydney, genannt The Rocks, gehen. Genau dies machten wir auch, aber dazu später mehr.



Als wir endlich eine Möglichkeit fanden, als Fußgänger auf die Brücke zu gelangen, kraxelten wir die unzähligen Stufen hoch, nur um festzustellen, dass noch mehr Treppen auf uns warteten. Endlich waren wir auf dem Fußgängerpfad, der einem riesigen Käfig glich. Wir gingen fast bis zum anderen Ende der Brücke, schossen immer wieder einige Fotos und gingen dann zurück. Ich fand die Aussicht hervorragend und die Tatsache so hoch über dem Boden zu sein spannend.

Zurück ging es wieder durch The Rocks, einen Stadtteil, der sich durch niedrige Bauten stark von der Skyline des Hafenviertels abhob. Die Häuser waren urig, stellenweise noch Originale aus Siedlerzeiten, es gab viele Cafés, Bars, Gaststätten und dergleichen. Wir beschlossen ohne Stadtkarte nur mit einer groben Richtung ausgestattet durch die Straßen zu irren, um die Umgebung auf uns wirken zu lassen, und fanden bei der Gelegenheit ein Haus, das gehegt und gepflegt wurde, um die Lebensbedingungen von vor 150 Jahren darzustellen. Es war ein einfacher Tante Emma-Laden, den man kostenlos betreten durfte. Auf den Regalen standen Kolonialwaren, Lebensmittel (natürlich nicht echt) und Dosen; Kasse und Waage waren noch aus alten Tagen. Es war wirklich schön gemacht. Nicht weit davon war ein – kostenpflichtiges – Museum, das wir allerdings aussparten.
Bei einer weiteren Runde durch The Rocks fanden wir – wieder einmal zufällig – ein kostenloses Museum unter dem Titel Discovery Museum, das die Geschichte des Viertels erzählte. Wir lernten einiges über die Besiedlung, Entwicklung und Umgestaltung der Nachbarschaft, aber auch über den Kampf der Einheimischen, die dafür sorgten, dass The Rocks so erhalten blieb, wie die Touristen es heute vorfinden. Erstaunlich war, dass wir hier auch etwas über die Geschichte der Maori fanden. Vom technischen Standpunkt aus betrachtet waren die Vitrinen ein Highlight: Ein Bildschirm hinter dem Glas lieferte Informationen zu Ausstellungsstücken. Sensoren oben und unten an der Vitrine maßen die Bewegungen der Besucher, so dass man den Bildschirm immer noch wie einen Touchscreen bedienen konnte, obwohl man ihn nicht berührte, sondern nur das leere Vitrinenglas.

Wir spazierten durch den Hyde Park und durch den Royal Botanic Garden. Das allein dauerte schon einige Stunden, da diese Parklandschaften einen enormen Teil der Innenstadt einnahmen. Beide waren sehr gut angelegt, ordentlich und auf jeden Fall sehenswert.

Man erkannte deutliche Unterscheide zwischen Park und Garten, die über die Größe hinausgingen. Im Park fanden sich oft geometrische Formen, was sowohl im Aufbau der Wege als auch in der Bepflanzung sichtbar wurde. Hier gab es Blumenbeete, dort eine Allee, Laternen am Wegesrand, dazwischen Rasen. Zwischendurch gab es noch einige Steinbauten – Pavillons, Brunnen, Statuen. (Ja, die Australier erkannten den Nutzen von Stein als Bauelement und verbauen ihn nun in ihren Gebäuden.)
Der Garten hingegen zeigte wenig Symmetrie, hatte dafür aber eine reiche Beschilderung, was die Pflanzenwelt betraf. Auch hier wurde das didaktische Ambiente durch zufällig eingeworfene Steinelemente – dieses Mal Skulpturen verschiedener Künstler – unterbrochen. Besonders schön fand ich, dass dieses reiche Angebot an Grünflächen tatsächlich von den Einwohnern genutzt wurde. Unterwegs begegneten wir sehr vielen Leuten, die sich sportlich betätigten, wobei joggen definitiv an erster Stelle stand.
Der botanische Garten lag ebenfalls auf einer Landspitze, die eine Spitze einer Bucht bildet. Vor langer Zeit, Anfang des 19. Jahrhundert, fand Mrs. Macquarie diesen Aussichtspunkt bereits hinreißend, so dass sie gerne ihre Freizeit dort verbrachte, um auf den Ozean und die in den Hafen einlaufenden Schiffe zu blicken. Heute kann man sowohl die Harbour Bridge als auch die Oper von dort aus sehen. Es war wirklich ein herrlicher Platz für ein Picknick.

Oper von Sydney und Harbour Bridge von Mrs. Macquarie Punkt aus gesehen

Der Rundgang, auf dem wir uns immer noch befanden, führte uns an der St. Mary's Cathedral vorbei, die dank ihrer Sandsteinfassade in warmen gold-braunen Tönen erstrahlte, auch wenn der Himmel mal bewölkt war. Innen sah man einen klassischen Stil, der sich an alte Architektur anlehnte.

St. Marys Kathedrale

Der Route folgend, kamen wir auch zum Government House, das zwar umzäunt war, generell aber für Besichtigungen offenstand. Das Gelände konnte man auch ohne Führung betreten. Es wirkte doch sehr britisch und erinnerte in seiner Architektur an den Repräsentationszwang vergangener Jahrhunderte.
Governors House
Wir begingen den Fauxpas zu weit aufs Gelände vorzudringen, weil der Wind ein „Betreten verboten“-Schild umgeweht hatte. Sogleich sprang uns eine verlegene Angestellte entgegen und bat uns diesen Teil des Geländes zu verlassen. Wir zogen uns schnell zurück, bevor man schwere Geschütze auffuhr.

Die Art Gallery of New South Wales betrachteten wir nur von außen, da unser eng bemessener Zeitplan eine Auskundschaftung der kostenlosen Ausstellung nicht zuließ. Da das Gebäude schon riesig war, machten wir uns nichts vor, was die benötigte Zeit anging. Für gewöhnlich tendieren große Gebäude zu vielen Ausstellungsstücken.

Das Australian Museum hingegen stand schon von Anfang an als Ausflugsziel fest, so dass wir es an einem der ersten Tage abhandelten, um es auf gar keinen Fall zu verpassen. Wie so viele kulturelle Einrichtungen Sydneys fand auch das Australian Museum seinen Sitz in einem enormen Sandsteinbau. Pompös erhoben sich die ockerfarbenen Mauern in den Himmel. Von Innen war es nicht weniger gewaltig.

Fassade des Australian Museum Sydney

Nachdem wir also den Eintritt gezahlt hatten (auch hier gab es genügend Rabattmöglichkeiten), schnappten wir uns eine Karte des Gebäudes und marschierten die Ausstellungsräume der Reihe nach ab. Schön und verlockend war die Aussage einer Mitarbeiterin, die uns erklärte, dass wir alles anfassen durften, wenn wir es problemlos erreichten – es sei denn ein Schild verbot es explizit. Dadurch wussten wir sogleich, wo wir standen und was zu tun war. Man konnte das Museum also mit allen Sinnen erleben.
Leider war ein besonders wichtiger Teil, die Ausstellung zu den Aborigines, derzeit geschlossen, so dass wir nur einen Bruchteil dieser Geschichte erfahren konnten. Nichtsdestoweniger war es ein Anfang. Es gab einige interessante Informationen zu den veränderten Lebensbedingungen der indigenen Bevölkerung Australiens, nachdem sie auf die Europäer gestoßen waren.
Dieses Museum beschränkte sich allerdings nicht nur auf Geschichte. Ein Großteil der Ausstellungen war den naturwissenschaftlichen Gebieten gewidmet. In diesem Teil rückte der Aspekt mit dem Anfassen der Ausstellungsstücke in den Vordergrund: Man durfte die verschiedenen ausgestopften Tiere streicheln, um zu wissen, wie sie sich anfühlten. Sie liefen auch nicht weg, noch wehrten sie sich, wobei man beim Schnabeligel trotzdem aufpassen musste. Das Opossum hingegen war so flauschig, dass ich es gerne mitgenommen hätte. Wir durften die Knochen verschiedener Tiere in die Hand nehmen, um das Gewicht zu vergleichen. Vögel haben nun einmal eine andere Knochenstruktur als Elefanten.
Dann gab es noch eine Ausstellung zu prähistorischen Tieren Australiens. Dinosaurier sind schon allseits bekannt, aber wer hat schon einmal von der Demon Duck of Doom gehört?
Demon Duck of Doom
Früher gab es wohl auch noch riesige, teils fleischfressende Wombats und über zwei Meter große Kängurus. Nur weil diese Giganten ausgestorben sind, heißt es nicht, dass mit der Fauna Australiens zu spaßen ist.
Am Eingang zu einem der Ausstellungssäle war eine Statistik aufgeführt, die zeigen sollte, wie wenige Menschen jährlich durch australische Tiere umkommen – im Vergleich zu anderen Erdteilen. Ich vergaß noch an demselben Tag, was die Zahlen genau aussagten, denn ich wurde durch andere Fakten abgelenkt. Beispielsweise durch den Blaugeringelten Kraken, der zwar schön anzusehen ist, wenn er blau aufleuchtet, in dem Moment aber auch besonders gefährlich ist, weil er sich gerade bedroht fühlt und sein Gift vorbereitet. Dieses Gift ist halb so wild, schrieb man auf der Infotafel. Ich fand es allerdings beunruhigend, dass dieses starke Nervengift innerhalb kurzer Zeit zu Atemstillstand führt, es kein Gegengift gibt und die Behandlung darin besteht, den Patienten so lange künstlich zu beatmen, bis die Symptome abgeklungen sind, was gut und gerne 24 Stunden dauern kann. Erst nach einer Woche ist das Gift vollständig abgebaut. Aber man kann es überleben, wenn jemand da ist, der rechtzeitig den Krankenwagen ruft und einen bis zum Eintreffen Erste Hilfe leistet.
Es war ein seltsamer Abschluss des ansonsten doch eher ruhigen Spaziergangs durch das Museum.

An einem sonnigen Tag (derer gab es viele während unseres Aufenthaltes in Sydney) beschlossen wir den Ratschlag vieler Einheimischer zu befolgen, indem wir einen Ausflug nach Manly machten. Der einzig vertretbare Weg, auf dem man diese Halbinsel betreten darf, ist per Fähre, auch wenn man mit dem Auto oder Bus problemlos dahin kommt. So zumindest verkauften es uns die Einheimischen und, ehrlich gesagt, war es ein sehr schöner Ausflug dorthin. Also empfehle ich ihn hiermit weiter. Die Überfahrt dauert nur zwanzig bis dreißig Minuten, ist nicht teuer und gewährt einem einmalige Aussichten auf Oper und Harbour Bridge zugleich.
Natürlich sollte man bei der Gelegenheit sowohl Hin- als auch Rückfahrt mit der Fähre buchen.
Überraschenderweise begrüßte uns ein Aldi-Süd am Ausgang des Kais. Amüsiert stürmten wir dieses Geschäft und stellten enttäuscht fest, dass nicht überall Aldi drin ist, wo Aldi drauf steht. Der Großteil der Produkte war nicht einmal ansatzweise aus Deutschland oder mit deutschen Waren vergleichbar. Man hatte sich voll und ganz auf den australischen Markt eingestellt. Nur der Aufbau des Ladens erinnerte an das Aldi-Konzept, aber da hörte es auch schon auf. Geknickt verließen wir diesen Pseudo-Aldi, um uns Manly zuzuwenden.
Mittlerweile Profis in diesem Spiel stürmten wir als erstes die Touristeninformation, um uns Karte und Tipps für den Tag zu holen.
Erst dann waren wir für den Aufbruch bereit. Es stellte sich heraus, dass wir Manly an einem Punkt betreten hatten, der es uns sehr einfach machte von Küste zu Küste zu spazieren. Zwischen Kai und Sandstrand befand sich eine breite Fußgängerzone mit verschiedenen Geschäften. Alles war schön gepflegt. Die Vorführungen einiger Straßenkünstler waren hingegen sehr anstrengend, selbst wenn man nur flüchtig an ihnen vorbeiging, da akustische Verstärkung in Form von Lautsprechern durchaus gebräuchlich war. Wenn zwei angehende Sänger innerhalb von fünf Metern aufeinandertreffen, ist die Kakophonie einfach grausam.
Wie dem auch sei. Wir spazierten zum Strand, tauchten die Füße ins Meer, spazierten die Strandpromenade entlang, genossen den Sonnenschein, machten Fotos, hatten Spaß und stellten fest, dass es Zeit für ein Mittagessen war. Die Information hatte uns ein Restaurant empfohlen, in dem man sehr gute Fish'n'Chips bekam, also kehrten wir dort – nach einigem Suchen – ein. Das Essen war wirklich hervorragend.

Mittagessen auf Manly

Eine Dame in der Information hatte uns gesagt, dass es einen hervorragenden Aussichtspunkt gibt, von dem aus man auf Sydney schauen kann. Der Hin- und Rückweg dorthin sollte ungefähr 90 Minuten in Anspruch nehmen. Wir haderten ein bisschen mit uns, weil das Essen wirklich mächtig war und nicht viel Bewegung zuließ, entschieden uns dann allerdings dafür. Schnell stellten wir fest, dass die Einschätzung der Mitarbeiterin drastisch nach oben korrigiert werden musste, denn wir brauchten schon die angegebenen 90 Minuten für den Aufstieg. Letzten Endes zogen wir es durch, aber in Anbetracht des späten Aufbruchs und des Missverständnisses, war es nur halb so spaßig, wie es sonst hätte sein können. Darüber hinaus waren die Karten nicht akkurat genug, so dass wir den Großteil der Strecke neben der Straße herliefen, anstatt einen schönen, von Pflanzen gesäumten Wanderweg zu gehen. Die Aussicht hingegen war phantastisch. Wenn man richtig informiert ist und genügend Zeit mitbringt, kann es ein wunderbarer Ausflug werden.

Die Sicht von Manly auf Sydney

Bevor wir den Rückweg antraten, erkundigten wir uns bei der Information auf dem Gipfel, wie wir am besten wieder in die Stadt kommen. Auf diese Weise kamen wir in den Genuss den eigens für Touristen angelegten Pfad zu sehen, der aus Metallgittern gemacht war. Es war nicht mit Neuseeland zu vergleichen, aber sie gaben sich Mühe.
Endlich wieder in Manly angekommen, suchten wir die Fähre auf, nicht allerdings ohne mir vorher einen wohlverdienten Nachtisch zu organisieren. Es gab Frozen Joghurt. Als wir in den Hafen Sydneys einfuhren, ging gerade die Sonne unter, so dass wir einen atemberaubenden Blick auf Oper und Harbour Bridge genießen durften. Das war es allemal wert.

Skyline, Oper und Harbour Bridge bei Einfahrt in den Hafen

Der Reiseführer Sydneys empfiehlt einen Besuch von China Town. Da es solche markanten Ortsteile in meiner Heimatstadt nicht gibt, freute ich mich auf dieses Unterfangen. So zogen wir eines Freitagsnachmittags los, um uns dieses Phänomen anzusehen. Schon auf dem Weg dorthin wurde deutlich, dass wir uns einem anderen Bezirk näherten, denn immer mehr asiatische Schüler strömten aus den Bussen in die Straßen. Auf unserer Karte war China Town nicht eingezeichnet, aber wir hatten eine grobe Beschreibung, wo es sein sollte, also hielten wir uns dran. Wir kamen in eine Straße, die sich deutlich von den anderen Sydneys unterschied: viele asiatische Restaurants, chinesische Schriftzeichen, andere Werbung. Ja, das sah schon nach China Town aus. Allerdings war es anders, als wir es uns vorgestellt hatten. Es war einfach nur eine stark asiatisch geprägte Straße. Zu diesem Zeitpunkt wussten wir auch noch nicht, dass dies nicht das „Zentrum“ China Towns war, sondern mehr als „Außenbezirk“ galt. Die Straße parallel dazu war schon mehr das, was man aus Filmen kennt: Große, von Löwenstatuen gesäumte Tore markierten den Eingang. Das zudem Freitagnachmittag war, herrschte reges Treiben, das durch den wöchentlichen Straßenmarkt ausgelöst wurde. Stände boten ihre verschiedenen Waren, Lebensmitteln oder Gebrauchsgegenständen, feil. Menschen drängten sich zwischen den Buden umher. Dahinter fanden sich reguläre Geschäfte und Restaurants, die auf hauptsächlich chinesische Kundschaft ausgelegt waren, wie beispielsweise ein Teeladen oder Massagesalon. Es war ein kunterbuntes Durcheinander, das einen mal hierhin, mal dorthin schob, und eine ganz andere Seite dieser Stadt zeigte.

An einem Ende von China Town findet man Market City, einen Einkaufskomplex von solchen Ausmaßen, dass mir beim Gedanken daran schwindelig wird. Es besteht aus drei Etagen (vier, wenn man Paddy's Market mitzählt), bietet tausendundeine Möglichkeit zum Geldausgeben, beherbergt Bekleidungsgeschäfte, Restaurants verschiedener Nationalitäten und Geschmacksrichtungen sowie Entertainmentbereiche mit verschiedenen Spielen, Automaten und was weiß ich noch. Man könnte täglich über einen Zeitraum von einem Monat drei Mahlzeiten pro Tag in Market City einnehmen und hätte immer noch nicht jeden Laden ausprobiert, auch wenn man jede Mahlzeit in einem anderen Restaurant, Café oder Lokal bestellen würde. Es ist unglaublich, was für eine Auswahl es dort gab. Wir probierten japanische Pizza am Spieß. Sie war ganz gut, aber die Fischflocken, in denen sie gerollt war, passten nicht so ganz in meine kulinarische Welt. Nächstes Mal ohne.
Die Mall ist sehr schön aufgebaut, hell, freundlich, mit genügend Sitzplätzen, um geschundenen Füßen eine kurze Rast zu gönnen, ohne gleich etwas zu Essen bestellen zu müssen. Umgekehrt gibt es auch einen Bereich für Kinder, um die Kleinen zu unterhalten, falls diese noch zu viel Energie haben, die Eltern aber schon fertig mit sich und der Welt sind. Bis heute zweifle ich dran, dass ich jede Ecke dieses Gebäudes sah, denn es ist sehr weitläufig und verwinkelt. Während wir die Rolltreppen rauf und runter fuhren, fiel uns wieder Hillarys Aussage ein: „Und dann stellten wir fest, dass Christchurch doch nicht so groß ist.“ In diesem Moment hatte ich den Eindruck, dass sogar diese Arkade größer als Christchurch war. Auf jeden Fall sollte man es mal mit eigenen Augen sehen.
Zum Abschluss wagten wir uns in Paddy's Market hinunter. Das war... anders... ein Erlebnis von ungewohnten Eindrücken. Paddy's Market ist ein riesiger überdachter Basar mit angrenzendem Frischgemüsemarkt. Anders kann ich es nicht in Worte fassen.
Wir befanden uns in einer riesigen Lagerhalle, in der kleine Marktstände in ihren vorgezeichneten Parzellen dicht an dicht standen. Jeder Stand war zum Bersten mit Waren gefüllt. Einige nützlich, andere dekorativ. Manchmal hatten die Leute hinter der Theke gerade genug Platz, sich einmal im Kreis zu drehen; ansonsten liefen sie Gefahr von ihren Beständen erschlagen zu werden. Wenn mal eine Parzelle groß genug war, um einen Durchgang für Kunden zu bieten, passten diese nur hindurch, wenn sie den Bauch sowie Kopf einzogen und Arme dicht am Körper hielten. Die Stände sowie Reihen zwischen den Ständen waren sorgsam durchnummeriert, so dass man ein komplexes Straßennetz mit distinktiven Bezeichnungen hatte, um sich zurecht zu finden. Ansonsten hätten wir wohl nie einen bestimmten Laden wiedergefunden.
Die Abteilung mit den frischen Lebensmitteln, also mit Obst und Gemüse, war noch ganz anders. Es war ein überdachter Markt. Man hatte Tische, die sich unter dem reichen Angebot fast schon bogen. Überall standen gefüllte Kisten herum, Preisschilder aus Pappe prangerten unordentlich an den Lebensmitteln, Leute wuselten überall umher, ein Gabelstapler fuhr vorbei. Es war überwältigend.

Einer noch nicht so alten Tradition folgend beschlossen wir ein Lunch bei Hungry Jack's einzunehmen. Die Tradition beläuft sich darauf, dass wir in jedem Land die einheimische Burgerkette ausprobieren, wenn wir eine finden. Ob Hungry Jack's nun original australisch ist oder nicht, spielt nur eine untergeordnete Rolle, wichtig ist, dass der Burgerking-Verschnitt in Deutschland nicht existiert und wir die Qualität des Essens vergleichen wollten. Also bestellten wir Burger, aßen sie auf einer Bank vor der Oper und waren ernüchtert. Es war zwar kein allzu schlechtes Essen, aber es war auch nicht herausragend gut.
Die Sache mit der Bank war allerdings keine allzu gute Idee. Kaum hatte ich den ersten Bissen getan, fiel mich eine gemeingefährliche Möwe von hinten an. Sie flog eine Handbreit neben meinem Gesicht her, biss in meinen Burger und zerrte eine Tomatenscheibe auf den Boden. Ich war empört! Glücklicherweise hatte sie nicht zu viel ergattert.

Um ein bisschen von der Wildnis Australiens betrachten zu können, ohne die Großstadt zu verlassen, besuchten wir das Sea Life Aquarium in Darling Harbour. Damit hatten wir zwei Attraktionen zugleich abgedeckt.
Das Sea Life Aquarium ist ein in sich abgeschlossener Bau mit einer Vielzahl von Wasserbewohnern, dessen Hauptausstellungsstücke zwei Seekühe waren. Um zu diesen zu gelangen, musste man allerdings fast das ganze Gebäude durchqueren. Es gab Abkürzungen, gewiss, doch sie waren dem Personal vorbehalten. Außerdem zahlte man den Eintritt ja, um möglichst viele unterschiedliche Arten zu sehen. So zogen wir los.
Am Anfang begrüßte uns ein mit Wasser gefülltes Becken, in dem einige unbedeutende Fische schwammen. Laut Beschilderung hätten dort aber Schnabeltiere drin sein sollen. Sea Life war technologisch schon einen Schritt weiter und informierte die Besucher durch Fernseher und Touchscreens über die Einwohner verschiedener Becken. Wir guckten und warteten, es geschah aber nichts. Schließlich verlegten wir es auf später, weil wir uns so ein Schauspiel natürlich nicht entgehen lassen wollten. Dennoch gab es noch so viel mehr zu sehen und wir waren erst am Eingang.
Es gab viele Becken mit richtig lustigen Tieren. Schildkröten, Seesterne, Rochen, diverse Fische (selbstverständlich), Riesenkrabben, Tiefseefische und viel mehr. Leider war die Beschilderung zwar technisch top, inhaltlich manchmal aber nur rudimentär, so dass vielerorts einige Becken in einem Bildschirm zusammengefasst waren und man als Besucher nicht sicher sein konnte, was einen erwartet, welcher Fisch also in welchem Becken schwamm.
Manchmal hingegen war es richtig gut gemacht. Ich hoffe, es ist noch im Auf- oder Umbau begriffen.

Rochen im Sea Life Aquarium Sydney

Um den Besuchern die Unterwasserwelt noch spektakulärer darzustellen und besser zu vermitteln, gab es zwei Becken, die man von unten sehen konnte. Wir gingen durch einen gläsernen Tunnel, während um uns herum die Meerestiere ihren bunten Tanz vollführten. Im ersten Becken fanden wir die Seekühe vor, die gerade gemütlich „grasten“. Man hatte allerdings das Seegras durch Salat ersetzt, was diesen riesigen Herbivore nicht das geringste Auszumachen schien. Sie fielen über das Grünzeug her und mampften es systematisch ab, wobei sie mehrere Minuten am Stück unter Wasser blieben, während sich kauten und grasten. Es war ein sehr lustiger und beeindruckender Anblick.
Seekuh beim Grasen im Sea Life Aquarium Sydney

In dem zweiten Becken dieser Art befanden sich hauptsächlich Haie und Rochen. Sie schwammen viel schneller als die Seekühe, schienen richtig aufgedreht im Vergleich zu den gemütlichen Säugern. Einige Haie hatten es sich auf dem Glas gemütlich gemacht und lagen einfach nur faul rum. Es war lustig, sie einmal von unten zu bestaunen.
Haifischbecken im Sea Life Aquarium Sydney

Dann gab es noch die Möglichkeit einige Kreaturen der See anzufassen, wenn man sanft mit ihnen umging. Ja, sie lebten noch. Ich war überrascht, wie fest ein Seestern ist. Er war gar nicht weich oder glibberig, die Haut war ein bisschen pelzig. Die Schale von unbefruchteten Haieiern fühlte sich wie eine Plastikflasche an. Es war richtig komisch.
Obwohl wir uns dem Ausgang näherten, konnten wir uns mit diesem Besuch noch nicht zufrieden geben. Die Schnabeltiere waren nicht einmal aus ihrem Bau gekrochen, doch ich wollte sie so gerne sehen. Wir waren mehrere Male zurückgegangen, um zu prüfen, ob sie wach waren – jedes Mal ohne Erfolg. Also sprach Franziska einen Mitarbeiter, Aaron, darauf an. Prompt führte er uns durch Abkürzungen zurück zum richtigen Becken, stellte fest, was wir schon wussten, nämlich dass die Tierchen nicht da waren, und bat uns noch einmal herzukommen, um explizit diese Tierchen zu sehen. Er erklärte uns, dass man sie am besten bei Dämmerung anträfe, also sollten wir später am Tag oder gegen 9:30 Uhr morgens da sein. Dann vermerkte er auf unseren Eintrittskarten, dass wir für die Schnabeltiere noch einmal rein durften, ohne zusätzlich zu zahlen. Das nenne ich Service.
Tags darauf standen wir um 9:45 Uhr, 15 Minuten nachdem das Sea Life Aquarium geöffnet hatte, vor dem Becken und bestaunten diese absonderlichen Wesen. Die Viecher waren so putzig! Zwei der drei Damen hatten sich heraus gewagt und platschten und tollten nun munter im Wasser umher. Sie drehten sich um alle drei Achsen, schwammen hierhin, dorthin, gruben bei der Futtersuche mit ihrem Schnabel das ganze Becken um und vollführten Kunststücke.
Schnabeltiere bei der Futtersuche im Sea Life Aquarium Sydney
Wir lernten sehr viel über diese absonderlichen Wesen. Beispielsweise dass sie völlig blind sind, wenn sie tauchen. Sie machen die Augen zu und lassen sich von ihrem Schnabel leiten, da sie in der Lage sind kleinste elektrische Impulse aufzufangen, die von den Muskelbewegungen ihrer Beutetiere gemacht werden. Außerdem haben Männchen einen Sporn an den Hinterpfoten, der Gift enthält. Wie drückte Aaron es so schön aus? „It's still Australia; it's still trying to kill you.“ („Es ist immer noch Australien; es versucht dich immer noch umzubringen.“) Wir verbrachten tatsächlich eine ganze Stunde vor dem Becken, nur um immer wieder diese komischen Gestalten dabei zu beobachten, wie sie im Wasser nach Futter suchten. Zu gerne hätten wir gesehen, wie eines der Schnabeltiere sich an Land fortbewegt. Im Wasser waren sie flink und wendig, das sind Pinguine aber auch. Wir beobachteten sogar, wie eines der Tierchen sich mit der rechten Hinterpfote hinterm linken Ohr kratzte. So gelenkig ist nicht jedermann. Leider kamen die Damen nicht ein einziges Mal raus, was auch nicht notwendig war, weil der Eingang zu ihrem Bau unter Wasser lag. Schließlich verabschiedeten wir uns und gingen wieder – sichtlich zufrieden – unserer Wege. Es gab noch viel zu sehen. Außerdem hatte man uns erlaubt, das ganze Aquarium noch einmal zu sehen, obwohl wir nur wegen der Schnabeltiere gekommen waren.

Darling Harbour ist, wie der Name schon sagt, ein Hafen, oder besser gesagt ein Hafenviertel und es ist prächtig. Breite Promenaden flankierten das linke und rechte Ufer der Bucht; auf der einen Seite fanden wir diverse Restaurants, Cafés und Lokale, während gegenüber Arkaden und einzelne Geschäfte um Kunden buhlten. Darüber hinaus wurde ein Ende von einem Unterhaltungskomplex gekrönt, der das Sea Life Aquarium, das Wildlife Centre sowie Madame Tusseau's Sydney enthielt. Es war ein Viertel, das gerade ausgebaut wurde, weshalb Baustellen direkt vor der Haustür anzutreffen waren. Dennoch war es sehr schön anzusehen. Wir ließen uns von den Massen mal hierhin, mal dorthin treiben, spazierten an verschiedenen Geschäften vorbei, gingen ins Hard Rock Café, weil Franziska ein T-Shirt brauchte, und bestaunten das Ganze von oben, als wir auf die Brücke stiegen und unseren Blick über das glitzernde Meer schweifen ließen. Es war ein gelungener Ausflug mit schönen Aussichten in einer angenehmen Nachbarschaft.

Darling Harbour

Will man in der Innenstadt von Sydney von Nord nach Süd oder umgekehrt und ist des Laufens müde, kann man gerne die Linie 555 nehmen, die kostenlos von der Stadt angeboten wird. Weil wir es konnten, stiegen wir ein und fuhren die George Street rauf, um zum Hafen zu gelangen. Trotz zahlreicher Autos ging es sehr fix. Es war ja nicht mehr Hauptverkehrszeit.

Wir spazierten einmal lässig durch das Queen Victoria Building, einen Protzbau, in dem sich zahlreiche Markennamen unter einen Dach versammeln, um ihre Waren zu präsentieren und interessierten Kunden anzubieten. Es war definitiv über unserer Preisklasse, was schon durch die Architektur des Gebäudes vermittelt wurde. Opulent. Riesig. Teure Fußböden, noch teurere Inneneinrichtung. Und vor dem Haupteingang thronte die Königin persönlich. Wir wagten es nicht einmal, in einem der Cafés Platz zu nehmen und ein heißes Getränk zu bestellen, aus Sorge es könnte uns in den Ruin treiben. Vielleicht eines Tages, aber bestimmt nicht als Backpacker.

Queen Victoria Building

Eine weitere Empfehlung einer Broschüre war der Fischmarkt in Sydney, also gingen wir auch dort hin. Wie es sich für einen ordentlichen Fischmarkt gehört, befand sich dieser am Wasser. Dennoch war er nicht offen, sondern in mehreren großen Hallen verteilt, so dass man einige Zeit damit beschäftigt war umherzuwandern. Innen fand man alle möglichen Arten von Tieren, alles was das Meer hergibt. Von normalen Fischsorten, die jedermann kennt, über Königskrabbenbeine und Hummer zu Exoten, die man vielleicht einmal im Biologiebuch oder in einer Dokumentation gesehen hat. Es war wirklich alles dabei. Besonders lustig fand ich die Seeigel.
Seeigel im Fischmarkt Sydney
Natürlich gab es auch Restaurants und Imbisse in diesen Hallen, doch wir waren nicht hungrig, so dass wir sie ignorierten. Es schien alles sehr sauber und gepflegt, die Ware war definitiv frisch und bei den Menschenmassen waren die Verkäufer sehr geschäftig.

Auch in Sydney ergab sich die Gelegenheit für mich eine Trainingseinheit in meiner bevorzugten Sportart wahrzunehmen, also verabredete ich mich mit den Lehrern und stiefelte eines Abends los. Es war die erste und einzige Gelegenheit eine Spazierfahrt mit der Metro Sydneys zu machen, was meine Aufregung ziemlich steigerte. Immerhin kann bei solchen Unterfangen immer etwas schief gehen, wenn man beispielsweise in die falsche Bahn einsteigt, was ganz gut möglich ist, wenn man keinen Metroplan zur Hand hat. Es ging allerdings alles gut.
Die Wagons in Sydney waren riesig. Nicht nur dass sie zwei Stockwerke aufwiesen, nein, sie waren so breit, dass gemütlich fünf Leute nebeneinander sitzen konnten und trotzdem noch ein Gang für vorbeispazierende Gäste frei war. Die beste Erfindung darin war aber die Möglichkeit die Sitzlehnen zu wenden, so dass man sich immer in Fahrtrichtung setzen konnte – oder eben nicht. Mit einem Ruck schob man einfach eine ganze Reihe Sitzlehnen nach links oder rechts, voila, schon hatte man einen Zehnersitz für große Gruppen.
Wie bei so großen Städten üblich musste man zum Umsteigen auf ein anderes Gleis, das in diesem Fall ein Stockwerk über mir lag. Ich nahm die Rolltreppe, sah mich verwirrt um, las mir aufmerksam die Anzeigen auf einem Monitor durch und stieg in einen Zug, von dem ich hoffte, dass er mich dahin bringen würde, wohin ich wollte. Es klappte tatsächlich einwandfrei. Nach ungefähr zwanzig Minuten war ich an meinem Zielbahnhof angekommen. Wenig später fand ich auch den Trainingsraum. Es war sehr gut, dass man mir den Weg in einer vorhergehenden E-Mail näher beschrieben hatte, weil ich wohl sonst umgekehrt wäre, spätestens als ich an der Kirche stand.
Drinnen wurde ich erst einmal allen vorgestellt, auch der Trainerin Gillian, und freundlich empfangen. Das Training war sehr angenehm, wenn auch recht einfach. Zum Aufwärmen die Sanshin no Kata, gefolgt von einigen Übungen, die darauf basierten; dann gab es Bo, Schwert und die eine oder andere Densho. Auch wenn ich Gillian sehr mag und ihre Fähigkeiten respektiere, ist sie nicht mein Typ Lehrer, was nur daran liegt, dass ich mit ihrer Art zu erklären gewisse Verständnisschwierigkeiten habe. Trotzdem war es gut, mal wieder in Bewegung zu kommen.
Auch dieses Mal ergab sich für mich die Gelegenheit nach Hause mitgenommen zu werden, so dass ich zur späten Stunde nicht noch mit der Bahn durch die Stadt tingeln musste. Meine freundliche Mitfahrgelegenheit setzte mich direkt vor der Hosteltür ab, wobei wir es nicht versäumten, ein bisschen Small Talk zu betreiben. Alles in allem war es also ein hervorragender Abend.

Um auch die restlichen Kreationen dieses Kontinents zu bestaunen, begaben wir uns in einen Zoo. Der Wildlife Park war unser erklärtes Ziel, da es trotz regnerischen Wetters trockenen Fußes begangen werden konnte. Das ist der Vorteil von abgeschlossenen Räumlichkeiten.
Begrüßt wurden wir von einer Ansammlung von Reptilien. Da waren Schlangen, die sich eng eingerollt hatten, neben Geckos, gefolgt von Eidechsen.
Im nächsten, abgeschirmten Raum fanden wir Schmetterlingen. Diese bunten Flattermänner gingen so weit, sich gemütlich und unverblümt auf Menschen niederzulassen. Mit ihnen im „Gehege“ gab es noch einige kleine Vögel und Frösche. Für meinen Geschmack waren die tropischen Temperaturen nicht sonderlich ansprechen, aber die Tierchen schienen sich ganz wohl zu fühlen.
Endlich bekamen wir auch einige typisch australische Tiere zu sehen, von denen man in unseren Breitengraden schon einmal gehört hatte. Da gab es ein Beutelteufelweibchen (auch Tasmanischer Teufel genannt), das aufgeregt durch ihr Gehege wuselte und zu jedem Besucher mit einer verspielten Neugier anlief. Wahrscheinlich erwartete sie gefüttert zu werden, was die Besucher natürlich nicht machen durften. Von der Wärterin erfuhren wir etwas über die Namensgebung sowie das Verhalten des Tierchens. Es war allgemein sehr interessant den Wärtern zuzuhören, was sie über ihre Tiere zu erzählen hatten.
Beutelteufel im Wildlife Centre Sydney
Im nächsten Gehege hatten wir das Privileg einen Koala „in action“ zu sehen. Er saß gemütlich in einer Astgabel und futterte gerade. Für ein Tier, das normalerweise 18 und mehr Stunden am Tag schläft, war das schon eine ziemliche Leistung.
Wir kamen an einem Gehege vorbei, in dem Wombat, Quokka und Gelbfuß-Felskänguru zusammen ihre Zeit verbachten. Im Vordergrund stand aber der Wombat, der klar und deutlich machte, dass dies hier sein Territorium war. Das 20 kg Exemplar war aber noch ein Teenager und wollte noch ordentlich wachsen, was in diesem Fall hieß, sein Gewicht verdoppeln. Lustige Tatsache über Wombats: Wenn sie sich freuen, jemanden zu sehen, beißen sie ihn. Es ist nur ein spielerisches Knabbern, aber bei den Zähnen und dem Gebiss, kann einem unbewaffneten Menschen schon einmal etwas abfallen.
Wombat im Wildlife Centre Sydney
Natürlich fanden sich auch gewöhnliche Kängurus im Wildlife Park. Die waren aber aufgrund des regnerischen Wetters faul und saßen nur in einer Ecke.
Kängurus im Wildlife Centre Sydney
Ihre Faulheit wurde nur von der von Rex übertroffen. Rex war ein Krokodil. Er war riesig und so träge wie ein Ast in einer Brise. Bei einem Reptil wunderte mich das nicht allzu sehr, auch wenn er dadurch nicht gerade zur spannendsten Attraktion wurde. Im Vergleich zu ihm waren die Koalas richtige Energiebündel.
Krokodil Rex im Wildlife Centre Sydney
Was mir am Wildlife Park besonders gefiel, war die Tatsache, dass es eine persönliche Vorstellung einiger Tiere gab, bei der man sie auch anfassen durfte – natürlich unter strenger Aufsicht der Pfleger. Da wurde uns ein Schnabeligel präsentiert – den wir dann doch nicht anfassen sollten. Gefolgt von einer Bartagame. Zum Schluss streichelten wir eine Schlange. Ich hätte nie gedacht, dass die Haut dieses Wesens sich so weich und geschmeidig anfühlen würde, sondern eher ein ruppiges, schuppiges Gefühl erwartet. Das überraschte mich außerordentlich.
Es gab noch weit mehr Tiere in dem Wildlife Park, doch will ich möglichen Besuchern nicht alles vorwegnehmen. Außerdem ist es viel besser, sich die Exemplare mal persönlich anzusehen. Der Besuch gefiel mir sehr, besser als das Sea Life Aquarium.

Zum Abschluss möchte ich noch einige Worte zum Thema Postkarten in Australien verlieren: Auch wenn die Karte an sich sehr günstig zu bekommen ist, spinnt die australische Post. Mit 2,75 $ pro Briefmarke müsste diese schon aus Gold sein, um ihren Preis zu rechtfertigen. Ich fand es überhaupt nicht schön, dass man nirgends drauf hingewiesen wird, wie teuer das ausfallen wird. Für jemanden, der gerne Postkarten schreibt, ist das eine böse Überraschung.

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