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Sonntag, 15. Februar 2015
Auckland - Februar 2015
atimos, 04:55h
Mit vierunddreißig Stunden Flug war ich bedient. Dass Neuseeland nicht um die Ecke liegt, war mir von Anfang an klar. Immerhin war dies mitunter ein Grund, die ganze Reise anzutreten. Dem entsprechend braucht man auch mehr Zeit, um von Deutschland dorthin zu kommen. Weiter weg geht es auf diesem Planeten nicht mehr. Mit einem Flug von Emirates kann man sich nicht einmal über den Service beklagen: Insgesamt ca. 4000 Kanälen für Filme, Serien, Musik und Spiele machen die Dauer erträglich.

Die Mahlzeiten waren gut, zeitlich abgestimmt und genügend. Dennoch langweilte der Flug nach wenigen Stunden bereits. Es waren die Kleinigkeiten, die ich vermisste. Bewegung. Erstaunlich, wie viel so ein bisschen Platz mehr oder weniger doch ausmacht. Ob es nun um Bein- oder Ellbogenfreiheit geht, spielt dabei nur eine untergeordnete Rolle, weil man von bedemi einfach nicht genug hat. Nicht einmal der Gang bot genug Platz, um dem Abhilfe zu verschaffen – es sei denn man ist vier Jahre alt. Das Mädchen, das immer wieder hin und her rannte, veranschaulichte es eindringlich.
Natürlich freuten wir uns auf die zehnstündige Pause in Dubai, obwohl sie nachts eingeplant war und wir nicht die geringste Ahnung hatten, wie wir die Zeit verbringen sollten. Anfangs stand noch die Überlegung im Raum, einen Ausflug in die Stadt zu unternehmen, um einen weiteren Stempel im Pass zu haben, doch den Gedanken verwarfen wir schnell wieder. Zu viele Ungewissheiten. Stattdessen folgten wir dem Rat anderer Backpacker, suchten uns eine der zahlreichen Liegen, kuschelten uns an unser Handgepäck und schliefen erst einmal einige unruhige Stunden. Nach einem Frühstück zu Flughafenpreisen ging es dann weiter mit dem A380 Richtung Sydney / Auckland.
Viel Unterschied zum vorhergehenden Flugzeug gab es in der unteren Etage allerdings nicht. Die Reihen waren ebenso aufgeteilt wie in der Boeing 777, zusätzliche Freiheiten gab es nicht, die Ausstattung war ähnlich, die Programme gleich.
Mein Beileid gilt den Passagieren, die sich in der Duty Free-Zone mit Flüssigkeiten eingedeckt hatten, denn man durfte sie nicht mit an Bord nehmen. Verständnis habe ich dafür nicht, auch wenn ich selbst mir nichts dergleichen gekauft hatte.
Kurz vor Sydney überraschte uns der Pilot mit der Durchsage, dass wir doch bitte alle am Flughafen aussteigen müssten. Von einem weiteren Flugzeugwechsel war vorher nicht die Rede gewesen, nur das Auftanken fand in unseren Dokumenten Erwähnung. Die Aussage wurde nochmals bestätigt. Also blieb uns nichts anders übrig, als den Anweisungen des Personals Folge zu leisten, unsere Sachen zu packen und den Flieger zu verlassen. Wir stolperten durch den nächsten Flughafen, durch das nächste Gate, durch die nächste Sicherheitskontrolle (nach dem dritten Mal in einer so kurzen Zeit hat man doch Übung darin), um uns dann wieder in demselben Flugzeug wiederzufinden. Sogar das Spiel, Alchemy, war noch auf dem Stand, an dem ich es verlassen hatte. Es gab allerdings neue Kissen, neue Kopfhörer und einen sauberen Boden. Die Umstände, die uns bereitet wurden, sind nur deshalb nachvollziehbar, weil einige Passagiere die Maschine in Sydney verließen und durch andere ersetzt wurden. Natürlich kann man diese nicht dem Müll der Vorgänger aussetzen. Während des Fluges wurde mir mein drittes Frühstück an diesem Tag serviert, das ich dennoch dankend entgegen nahm.
Dann, endlich, um 14:06 Uhr Ortszeit setzte der Flieger auf neuseeländischem Boden auf. Jetzt stellte sich die alles entscheidende Frage: Würden sie uns in das Land einreisen lassen? Die Geschichten, in die wir uns vor Abflug eingelesen hatten, ließen uns zittern. Wanderschuhe, die weggeworfen wurden, weil sie zu dreckig waren; Fehler im Visum; illegal mitgeführte Produkte. Doch alles ging: problemlos. Viele der Dokumente, die wir mit uns führten, wollten sie an der viel zu freundliche Kontrolle gar nicht sehen. Das Visum war ordnungsgemäß im Rechner des Zollbeamten vermerkt, unsere Pässe gültig, das Gepäck in Ordnung und damit waren wir am anderen Ende der Welt angekommen. Völlig erschöpft, müde und orientierungslos.
Eine herbe Enttäuschung stellte allerdings der Einreisestempel dar: Im Gegensatz zum koreanischen Visum (dazu später mehr) war er schmucklos, trist, klein, unbedeutend, einfach nur langweilig schwarz. Und das, obwohl das Land sich größentechnisch wie folgt beschreibt: größer als das Vereinigte Königreich, kleiner als Japan (von der Fläche her ist Südkorea kleiner als England). Nicht einmal herrliche Herrschaftssymbole, die einem entgegen prangerten, keine Verweise auf die stolze Tradition, die lange Geschichte des Landes, die authentische Maori-Kultur, nichts dergleichen. Nur der Farn links unten lässt einen Bezug zum restlichen Symbolismus Neuseelands erkennen. Ansonsten war das Datum in dem schwarzen Rechteck sehr offensichtlich.
Selbstverständlich hatte ich mich erkundigt, wo die Herberge, in der wir die ersten Nächte verbringen wollten, lag, wie man dorthin kam und wie lange es dauern würde. Mit all diesen Daten gingen wir zum Infostand, kauften uns eine Fahrkarte und stiefelten zum nächstbesten blauen Bus. Blaue Busse sind Airport Shuttle. Sie fahren ohne Umwege oder nutzlose Zwischenhalte vom Flughafen in die Innenstadt. Aussteigen kann man auch zwischendurch, einsteigen hingegen nicht. Glücklicherweise findet man am Flughafen Auckland auch kostenlose Reiseführer, die eine Karte der Innenstadt und interessante Tipps für Neulinge enthalten. Mit dieser Karte – und einiger Hilfe von Einheimischen, weil nicht alle Straßennamen aufgedruckt waren und wir zu früh ausstiegen – fanden wir unseren Weg ins Hostel, wo wir den Tag für beendet erklärten. Es war zwar erst 17 Uhr, aber das reichte vollkommen.
Es ist schwierig sich daran zu gewöhnen in Neuseeland zu sein, wenn alle Leute um einen herum nur Französisch sprechen. Der Besitzer der Herberge – auch ausgewanderter Franzose – hatte uns bei der Ankunft darauf vorbereitet, dass momentan 90% der Gäste aus Frankreich stammten und dass wir unsere Französischkenntnisse hier aufbessern könnten. Es führte kaum ein Weg daran vorbei, da die Sprache die ganze Zeit präsent war. An sich war die Jugendherberge sehr gemütlich. Die Duschen waren sauber, die Küche manchmal auch (wenn nicht gerade eine Meute hungriger Wölfe durchgestürmte), die Zimmer waren klein, aber mit dem Nötigsten eingerichtet, das Leitungswasser konnte getrunken werden, obwohl es mit einer deutlichen Spur Chlor versetzt ist, die Leute waren alle offen und hilfsbereit und im Gemeinschaftsraum fand sich immer etwas zu tun. Für 50 Cent bekam man 6 Minuten lang warmes Wasser, doch bei den Temperaturen war es nicht einmal notwendig. Die Küche war voll ausgestattet, so dass man im nächsten Supermarkt relativ günstig einkaufen und sich selbst etwas zubereiten konnte. Ein bisschen Nachsicht sollte man dann allerdings doch haben, denn obwohl alles vorhanden war, ließ die Qualität manchmal zu wünschen übrig. Pfannen waren verkrümmt und verbeult, es fehlten Deckel zu Töpfen, die Messer waren nicht scharf und manchmal wurde alles Geschirr gerade gleichzeitig benutzt. Vom Internetanschluss fange ich gar nicht erst an.
Das Wetter in Auckland ist in einem Wort beschrieben: unbeständig. Oder wie es das Prospekt ausdrückt: highly unpredictable. Vor allem war es aber windig. Ob die Sonne ungebremst vom Himmel brannte oder Dauerregen angesagt war, ständig wehte ein Wind von der Küste her, der nur in seiner Intensität und Richtung Abwechslung zeigte. Trotzdem darf man selbst bei tagelanger Bewölkung die Sonnencreme nicht vergessen, denn die Sonnenstrahlen sind dann noch immer stark genug, um einen bösen Sonnenbrand zu verursachen. Man konnte die Neuankömmlinge problemlos an der Gesichtsfarbe von den Alteingesessenen unterscheiden. Besonders windig war unser Ausflug auf den Mount Eden, den höchsten Vulkan in der Region Auckland. Da er derzeit ruht, konnten wir den Ausblick über die Stadt ohne große Sorgen genießen. Es war so windig, dass ich mich gezwungen fühlte den Sportmodus meiner Kamera zu aktivieren, damit die Bilder nicht verwackelt aufgenommen wurden. Notwendig war es alle Mal. Immerhin sieht man von dort oben, wie eng die Landbrücke ist, auf der die Stadt erbaut wurde, so dass der Wind mehr als genug Schwung sammeln kann, während er über den Pazifik fegt. Wir kraxelten und stiefelten die Hänge dieses Vulkans herauf, umgeben von weiteren Freizeitwanderern, und genossen die Aussicht auf die Region Auckland. Viel zu genießen gibt es da zwar nicht, da es sich um viele schmucklose Häuschen handelt, die von Küste zu Küste nebeneinander stehen, stellenweise unterbrochen von der bekannten Skyline, aber wenn man einmal über dieses Manko hinweggeblickt hat, sieht man das Meer, die Berge, weitere Vulkanhänge und die natürliche Schönheit, die dieses Land wahrscheinlich außerhalb dieser Metropole zu bieten hat.

Die Neuseeländer mögen es gerne ein bisschen größer – mit Ausnahme der Hostelzimmer. Da darf die Butter mal ein Pfund wiegen, der Saft drei Liter haben, der Käse in einem Kilogramm serviert werden und der Baum so dick wie ein Elefant sein. Kleine Portionen waren deutlich teurer und einige Produkte bekamen so etwas wie einen „Raritätszuschlag“. Dazu zählen vor allem Milchprodukte. An dieser Stelle möchte ich doch erwähnen, dass die Lebensmittel in Neuseeland entschieden mehr als in Deutschland kosten, überraschenderweise auch, wenn sie aus dem eigenen Land stammen. Trotzdem blieb kochen günstiger als auswärts essen. Die ersten Tage verlangten uns essenstechnisch einiges ab, da wir einerseits möglichst wenig Geld ausgeben wollten, bevor wir einen Job sicher hatten, andererseits aber auch nicht zu viel auf einmal kaufen wollten, um es nicht überall hin tragen zu müssen. Immerhin wussten wir die ersten Tage nicht, wo wir eine Woche später sein würden. Mal davon abgesehen, dass wir uns erst an die einheimischen Produkte gewöhnen mussten.
Aufschnitt ist hierzulande eine Herausforderung neuer Größenordnung. Wir wollten einfachen Kochschinken kaufen und dachten uns, dass wir durch die deutsche Industrie schon so einiges gewohnt sind. Ob es nun Geschmacksverstärker oder Konservierungsstoffe sind, man hatte es schon alles gelesen. Hefe, Lactose, Glukose, altbekannt. Auf gerade einmal 50% Fleisch im Schinken waren wir jetzt aber nicht vorbereitet. Der Schinken blieb im Regal, wir blieben bei Marmelade.
Zuvor dachte ich, dass manche Haltestellennamen in Düsseldorf ein bisschen ungünstig gewählt worden waren und besonders bei nicht Ortskundigen und Touristen zu Verwirrung führen könnten. Da liegt die Lindemannstraße direkt hinter der Lindenstraße, es gibt eine Heinrichstraße, Heinrich-Heine-Allee, Heinrich-Könn-Straße. Aber Auckland zeigt mir, dass es noch viel verwirrender und kundenunfreundlicher geht: Die Mt Eden St hat sechs Haltestellen, die sich nur durch Zusätze unterscheiden. Beispielsweise: Mt Eden St und Mt Eden St Near Newton St. Solch ein verwirrendes System ist mir bisher nicht untergekommen.
Wenn Historiker auf Reisen sind, kommen sie nicht darum herum, sich mal das ein oder andere Museum anzusehen. Also brachen wir eines Mittags erneut auf, um Auckland unsicher zu machen und uns das Maritime Museum zu Gemüte zu führen. Da es intelligenterweise direkt am Meer liegt, war damit ein Wunsch von mir – den Pazifik sehen – gleichzeitig mit abgehakt.

Es war ein lehrreicher Ausflug mit vielen Daten, Fakten, Zahlen und Kuriositäten. Wir lernten nicht nur, dass Neuseeland erst sehr spät besiedelt worden war – auch von den Maori –, sondern uns wurde auch das „schlimmste Schiffsunglück Neuseelands“ vor Augen geführt: die Orpheus.
Die HMS Orpheus war das Flaggschiff des australischen Geschwaders. Eine Verkettung unglücklicher Umstände führte dazu, dass es 1863 auf eine Sandbank lief, kenterte und fast 190 von 260 Mann Besatzung in den Tod riss. So viele Leute sind noch nie – und seit dem nie wieder – vor der Küste Neuseelands ums Leben gekommen. Wer mehr dazu lesen möchte, sollte das Internet konsultieren, weil ich hier nur Beiträge hinein kopieren würde, die ich eben dort finde. Viel mehr gab das Museum nämlich auch nicht her.
Denn leider waren die Beschriftungen im Museum nicht sonderlich hilfreich. Manchmal fehlten wichtige Informationen, anderenorts wurde gewisses Wissen vorausgesetzt (in Anbetracht der politischen und historischen Bedeutung Neuseelands auf der Weltkarte, sollte man den Touristen doch mehr Informationen geben). Alles in allem warfen die Kurzbeschreibungen mehr Fragen auf als sie beantworteten. Zudem war der Eingangsbereich zwar von den Ausstellungsstücken sehr interessant, aber man durfte nichts anfassen und allgemein gab es wenig Hilfestellung, um möglichst viel in Erinnerung behalten zu können. Gucken und Beschriftungen allein hinterlassen selten einen bleibenden Eindruck. Erst später wurde es interessant, als man in den Nachbau eines Schiffsinneren, der hin und her schwankte, klettern durfte. Auf diese Weise sollte man einen Eindruck von den Lebensverhältnissen bekommen, denen Auswanderer im 19. Jahrhundert ausgesetzt waren. Es war sehr schön inszeniert: das Abteil wackelte, die Dielen knirschten, das Wasser plätscherte, Kleinkinder schrien. Am Eingang zum Abteil konnte man eine Karte ziehen, auf der ein Name draufstand, um am Ende herauszufinden, was aus der Person in Neuseeland geworden ist. An solche Erlebnisse werde ich mich besser erinnern. Wir blieben sehr lange im Museum, bis uns ein freundlicher Mitarbeiter darauf hinwies, dass man jetzt schließen würde. Den Rest mit modernen Booten mussten wir im Eiltempo hinter uns bringen.
Kleinigkeiten zu Auckland
• Man muss einen Knopf für die Fußgängerampeln drücken, damit diese überhaupt erst angeschaltet werden. Bei Grün ertönt ein Geräusch, das an eine abfeuernde Laserwaffe erinnert.
• Die Grünphase einer Fußgängerampel dauert 8 Schritte. Es gab bisher nur eine Ampel, über die ich es bei Grün auf die andere Straßenseite schaffte. Dafür ist Blinkend-Rot sehr lang.
• Die Straßen sind sehr sauber. Äußerst sauber.
• Es gibt erstaunlich wenige Fußgänger.
• Feiertage scheinen bedeutungslos zu sein. Es gibt keinen Unterschied zu anderen Wochentagen, außer dass manche Behörden geschlossen sind.
• Es ist hügelig.
• Man kann die Strecke von der West- zur Ostküste zu Fuß zurücklegen.
• Es ist mit mehr als 1,4 Millionen Einwohnern mit Abstand die größte Stadt Neuseelands.
• In der Innenstadt ist das Trinken von Alkohol auf der Straße untersagt.
• Die Skyline besteht fast ausschließlich aus Wohngebäuden.
• Die meisten Fast-Food-Restaurants sind asiatisch (koreanisch, japanisch, chinesisch).
• Die Internetverbindung in unserem Hostel war katastrophal.

Die Mahlzeiten waren gut, zeitlich abgestimmt und genügend. Dennoch langweilte der Flug nach wenigen Stunden bereits. Es waren die Kleinigkeiten, die ich vermisste. Bewegung. Erstaunlich, wie viel so ein bisschen Platz mehr oder weniger doch ausmacht. Ob es nun um Bein- oder Ellbogenfreiheit geht, spielt dabei nur eine untergeordnete Rolle, weil man von bedemi einfach nicht genug hat. Nicht einmal der Gang bot genug Platz, um dem Abhilfe zu verschaffen – es sei denn man ist vier Jahre alt. Das Mädchen, das immer wieder hin und her rannte, veranschaulichte es eindringlich.
Natürlich freuten wir uns auf die zehnstündige Pause in Dubai, obwohl sie nachts eingeplant war und wir nicht die geringste Ahnung hatten, wie wir die Zeit verbringen sollten. Anfangs stand noch die Überlegung im Raum, einen Ausflug in die Stadt zu unternehmen, um einen weiteren Stempel im Pass zu haben, doch den Gedanken verwarfen wir schnell wieder. Zu viele Ungewissheiten. Stattdessen folgten wir dem Rat anderer Backpacker, suchten uns eine der zahlreichen Liegen, kuschelten uns an unser Handgepäck und schliefen erst einmal einige unruhige Stunden. Nach einem Frühstück zu Flughafenpreisen ging es dann weiter mit dem A380 Richtung Sydney / Auckland.
Viel Unterschied zum vorhergehenden Flugzeug gab es in der unteren Etage allerdings nicht. Die Reihen waren ebenso aufgeteilt wie in der Boeing 777, zusätzliche Freiheiten gab es nicht, die Ausstattung war ähnlich, die Programme gleich.
Mein Beileid gilt den Passagieren, die sich in der Duty Free-Zone mit Flüssigkeiten eingedeckt hatten, denn man durfte sie nicht mit an Bord nehmen. Verständnis habe ich dafür nicht, auch wenn ich selbst mir nichts dergleichen gekauft hatte.
Kurz vor Sydney überraschte uns der Pilot mit der Durchsage, dass wir doch bitte alle am Flughafen aussteigen müssten. Von einem weiteren Flugzeugwechsel war vorher nicht die Rede gewesen, nur das Auftanken fand in unseren Dokumenten Erwähnung. Die Aussage wurde nochmals bestätigt. Also blieb uns nichts anders übrig, als den Anweisungen des Personals Folge zu leisten, unsere Sachen zu packen und den Flieger zu verlassen. Wir stolperten durch den nächsten Flughafen, durch das nächste Gate, durch die nächste Sicherheitskontrolle (nach dem dritten Mal in einer so kurzen Zeit hat man doch Übung darin), um uns dann wieder in demselben Flugzeug wiederzufinden. Sogar das Spiel, Alchemy, war noch auf dem Stand, an dem ich es verlassen hatte. Es gab allerdings neue Kissen, neue Kopfhörer und einen sauberen Boden. Die Umstände, die uns bereitet wurden, sind nur deshalb nachvollziehbar, weil einige Passagiere die Maschine in Sydney verließen und durch andere ersetzt wurden. Natürlich kann man diese nicht dem Müll der Vorgänger aussetzen. Während des Fluges wurde mir mein drittes Frühstück an diesem Tag serviert, das ich dennoch dankend entgegen nahm.
Dann, endlich, um 14:06 Uhr Ortszeit setzte der Flieger auf neuseeländischem Boden auf. Jetzt stellte sich die alles entscheidende Frage: Würden sie uns in das Land einreisen lassen? Die Geschichten, in die wir uns vor Abflug eingelesen hatten, ließen uns zittern. Wanderschuhe, die weggeworfen wurden, weil sie zu dreckig waren; Fehler im Visum; illegal mitgeführte Produkte. Doch alles ging: problemlos. Viele der Dokumente, die wir mit uns führten, wollten sie an der viel zu freundliche Kontrolle gar nicht sehen. Das Visum war ordnungsgemäß im Rechner des Zollbeamten vermerkt, unsere Pässe gültig, das Gepäck in Ordnung und damit waren wir am anderen Ende der Welt angekommen. Völlig erschöpft, müde und orientierungslos.
Eine herbe Enttäuschung stellte allerdings der Einreisestempel dar: Im Gegensatz zum koreanischen Visum (dazu später mehr) war er schmucklos, trist, klein, unbedeutend, einfach nur langweilig schwarz. Und das, obwohl das Land sich größentechnisch wie folgt beschreibt: größer als das Vereinigte Königreich, kleiner als Japan (von der Fläche her ist Südkorea kleiner als England). Nicht einmal herrliche Herrschaftssymbole, die einem entgegen prangerten, keine Verweise auf die stolze Tradition, die lange Geschichte des Landes, die authentische Maori-Kultur, nichts dergleichen. Nur der Farn links unten lässt einen Bezug zum restlichen Symbolismus Neuseelands erkennen. Ansonsten war das Datum in dem schwarzen Rechteck sehr offensichtlich.
Selbstverständlich hatte ich mich erkundigt, wo die Herberge, in der wir die ersten Nächte verbringen wollten, lag, wie man dorthin kam und wie lange es dauern würde. Mit all diesen Daten gingen wir zum Infostand, kauften uns eine Fahrkarte und stiefelten zum nächstbesten blauen Bus. Blaue Busse sind Airport Shuttle. Sie fahren ohne Umwege oder nutzlose Zwischenhalte vom Flughafen in die Innenstadt. Aussteigen kann man auch zwischendurch, einsteigen hingegen nicht. Glücklicherweise findet man am Flughafen Auckland auch kostenlose Reiseführer, die eine Karte der Innenstadt und interessante Tipps für Neulinge enthalten. Mit dieser Karte – und einiger Hilfe von Einheimischen, weil nicht alle Straßennamen aufgedruckt waren und wir zu früh ausstiegen – fanden wir unseren Weg ins Hostel, wo wir den Tag für beendet erklärten. Es war zwar erst 17 Uhr, aber das reichte vollkommen.
Es ist schwierig sich daran zu gewöhnen in Neuseeland zu sein, wenn alle Leute um einen herum nur Französisch sprechen. Der Besitzer der Herberge – auch ausgewanderter Franzose – hatte uns bei der Ankunft darauf vorbereitet, dass momentan 90% der Gäste aus Frankreich stammten und dass wir unsere Französischkenntnisse hier aufbessern könnten. Es führte kaum ein Weg daran vorbei, da die Sprache die ganze Zeit präsent war. An sich war die Jugendherberge sehr gemütlich. Die Duschen waren sauber, die Küche manchmal auch (wenn nicht gerade eine Meute hungriger Wölfe durchgestürmte), die Zimmer waren klein, aber mit dem Nötigsten eingerichtet, das Leitungswasser konnte getrunken werden, obwohl es mit einer deutlichen Spur Chlor versetzt ist, die Leute waren alle offen und hilfsbereit und im Gemeinschaftsraum fand sich immer etwas zu tun. Für 50 Cent bekam man 6 Minuten lang warmes Wasser, doch bei den Temperaturen war es nicht einmal notwendig. Die Küche war voll ausgestattet, so dass man im nächsten Supermarkt relativ günstig einkaufen und sich selbst etwas zubereiten konnte. Ein bisschen Nachsicht sollte man dann allerdings doch haben, denn obwohl alles vorhanden war, ließ die Qualität manchmal zu wünschen übrig. Pfannen waren verkrümmt und verbeult, es fehlten Deckel zu Töpfen, die Messer waren nicht scharf und manchmal wurde alles Geschirr gerade gleichzeitig benutzt. Vom Internetanschluss fange ich gar nicht erst an.
Das Wetter in Auckland ist in einem Wort beschrieben: unbeständig. Oder wie es das Prospekt ausdrückt: highly unpredictable. Vor allem war es aber windig. Ob die Sonne ungebremst vom Himmel brannte oder Dauerregen angesagt war, ständig wehte ein Wind von der Küste her, der nur in seiner Intensität und Richtung Abwechslung zeigte. Trotzdem darf man selbst bei tagelanger Bewölkung die Sonnencreme nicht vergessen, denn die Sonnenstrahlen sind dann noch immer stark genug, um einen bösen Sonnenbrand zu verursachen. Man konnte die Neuankömmlinge problemlos an der Gesichtsfarbe von den Alteingesessenen unterscheiden. Besonders windig war unser Ausflug auf den Mount Eden, den höchsten Vulkan in der Region Auckland. Da er derzeit ruht, konnten wir den Ausblick über die Stadt ohne große Sorgen genießen. Es war so windig, dass ich mich gezwungen fühlte den Sportmodus meiner Kamera zu aktivieren, damit die Bilder nicht verwackelt aufgenommen wurden. Notwendig war es alle Mal. Immerhin sieht man von dort oben, wie eng die Landbrücke ist, auf der die Stadt erbaut wurde, so dass der Wind mehr als genug Schwung sammeln kann, während er über den Pazifik fegt. Wir kraxelten und stiefelten die Hänge dieses Vulkans herauf, umgeben von weiteren Freizeitwanderern, und genossen die Aussicht auf die Region Auckland. Viel zu genießen gibt es da zwar nicht, da es sich um viele schmucklose Häuschen handelt, die von Küste zu Küste nebeneinander stehen, stellenweise unterbrochen von der bekannten Skyline, aber wenn man einmal über dieses Manko hinweggeblickt hat, sieht man das Meer, die Berge, weitere Vulkanhänge und die natürliche Schönheit, die dieses Land wahrscheinlich außerhalb dieser Metropole zu bieten hat.

Die Neuseeländer mögen es gerne ein bisschen größer – mit Ausnahme der Hostelzimmer. Da darf die Butter mal ein Pfund wiegen, der Saft drei Liter haben, der Käse in einem Kilogramm serviert werden und der Baum so dick wie ein Elefant sein. Kleine Portionen waren deutlich teurer und einige Produkte bekamen so etwas wie einen „Raritätszuschlag“. Dazu zählen vor allem Milchprodukte. An dieser Stelle möchte ich doch erwähnen, dass die Lebensmittel in Neuseeland entschieden mehr als in Deutschland kosten, überraschenderweise auch, wenn sie aus dem eigenen Land stammen. Trotzdem blieb kochen günstiger als auswärts essen. Die ersten Tage verlangten uns essenstechnisch einiges ab, da wir einerseits möglichst wenig Geld ausgeben wollten, bevor wir einen Job sicher hatten, andererseits aber auch nicht zu viel auf einmal kaufen wollten, um es nicht überall hin tragen zu müssen. Immerhin wussten wir die ersten Tage nicht, wo wir eine Woche später sein würden. Mal davon abgesehen, dass wir uns erst an die einheimischen Produkte gewöhnen mussten.
Aufschnitt ist hierzulande eine Herausforderung neuer Größenordnung. Wir wollten einfachen Kochschinken kaufen und dachten uns, dass wir durch die deutsche Industrie schon so einiges gewohnt sind. Ob es nun Geschmacksverstärker oder Konservierungsstoffe sind, man hatte es schon alles gelesen. Hefe, Lactose, Glukose, altbekannt. Auf gerade einmal 50% Fleisch im Schinken waren wir jetzt aber nicht vorbereitet. Der Schinken blieb im Regal, wir blieben bei Marmelade.
Zuvor dachte ich, dass manche Haltestellennamen in Düsseldorf ein bisschen ungünstig gewählt worden waren und besonders bei nicht Ortskundigen und Touristen zu Verwirrung führen könnten. Da liegt die Lindemannstraße direkt hinter der Lindenstraße, es gibt eine Heinrichstraße, Heinrich-Heine-Allee, Heinrich-Könn-Straße. Aber Auckland zeigt mir, dass es noch viel verwirrender und kundenunfreundlicher geht: Die Mt Eden St hat sechs Haltestellen, die sich nur durch Zusätze unterscheiden. Beispielsweise: Mt Eden St und Mt Eden St Near Newton St. Solch ein verwirrendes System ist mir bisher nicht untergekommen.
Wenn Historiker auf Reisen sind, kommen sie nicht darum herum, sich mal das ein oder andere Museum anzusehen. Also brachen wir eines Mittags erneut auf, um Auckland unsicher zu machen und uns das Maritime Museum zu Gemüte zu führen. Da es intelligenterweise direkt am Meer liegt, war damit ein Wunsch von mir – den Pazifik sehen – gleichzeitig mit abgehakt.

Es war ein lehrreicher Ausflug mit vielen Daten, Fakten, Zahlen und Kuriositäten. Wir lernten nicht nur, dass Neuseeland erst sehr spät besiedelt worden war – auch von den Maori –, sondern uns wurde auch das „schlimmste Schiffsunglück Neuseelands“ vor Augen geführt: die Orpheus.
Die HMS Orpheus war das Flaggschiff des australischen Geschwaders. Eine Verkettung unglücklicher Umstände führte dazu, dass es 1863 auf eine Sandbank lief, kenterte und fast 190 von 260 Mann Besatzung in den Tod riss. So viele Leute sind noch nie – und seit dem nie wieder – vor der Küste Neuseelands ums Leben gekommen. Wer mehr dazu lesen möchte, sollte das Internet konsultieren, weil ich hier nur Beiträge hinein kopieren würde, die ich eben dort finde. Viel mehr gab das Museum nämlich auch nicht her.
Denn leider waren die Beschriftungen im Museum nicht sonderlich hilfreich. Manchmal fehlten wichtige Informationen, anderenorts wurde gewisses Wissen vorausgesetzt (in Anbetracht der politischen und historischen Bedeutung Neuseelands auf der Weltkarte, sollte man den Touristen doch mehr Informationen geben). Alles in allem warfen die Kurzbeschreibungen mehr Fragen auf als sie beantworteten. Zudem war der Eingangsbereich zwar von den Ausstellungsstücken sehr interessant, aber man durfte nichts anfassen und allgemein gab es wenig Hilfestellung, um möglichst viel in Erinnerung behalten zu können. Gucken und Beschriftungen allein hinterlassen selten einen bleibenden Eindruck. Erst später wurde es interessant, als man in den Nachbau eines Schiffsinneren, der hin und her schwankte, klettern durfte. Auf diese Weise sollte man einen Eindruck von den Lebensverhältnissen bekommen, denen Auswanderer im 19. Jahrhundert ausgesetzt waren. Es war sehr schön inszeniert: das Abteil wackelte, die Dielen knirschten, das Wasser plätscherte, Kleinkinder schrien. Am Eingang zum Abteil konnte man eine Karte ziehen, auf der ein Name draufstand, um am Ende herauszufinden, was aus der Person in Neuseeland geworden ist. An solche Erlebnisse werde ich mich besser erinnern. Wir blieben sehr lange im Museum, bis uns ein freundlicher Mitarbeiter darauf hinwies, dass man jetzt schließen würde. Den Rest mit modernen Booten mussten wir im Eiltempo hinter uns bringen.
Kleinigkeiten zu Auckland
• Man muss einen Knopf für die Fußgängerampeln drücken, damit diese überhaupt erst angeschaltet werden. Bei Grün ertönt ein Geräusch, das an eine abfeuernde Laserwaffe erinnert.
• Die Grünphase einer Fußgängerampel dauert 8 Schritte. Es gab bisher nur eine Ampel, über die ich es bei Grün auf die andere Straßenseite schaffte. Dafür ist Blinkend-Rot sehr lang.
• Die Straßen sind sehr sauber. Äußerst sauber.
• Es gibt erstaunlich wenige Fußgänger.
• Feiertage scheinen bedeutungslos zu sein. Es gibt keinen Unterschied zu anderen Wochentagen, außer dass manche Behörden geschlossen sind.
• Es ist hügelig.
• Man kann die Strecke von der West- zur Ostküste zu Fuß zurücklegen.
• Es ist mit mehr als 1,4 Millionen Einwohnern mit Abstand die größte Stadt Neuseelands.
• In der Innenstadt ist das Trinken von Alkohol auf der Straße untersagt.
• Die Skyline besteht fast ausschließlich aus Wohngebäuden.
• Die meisten Fast-Food-Restaurants sind asiatisch (koreanisch, japanisch, chinesisch).
• Die Internetverbindung in unserem Hostel war katastrophal.
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