Sonntag, 21. Juni 2015
Franz Josef – März-Mai 2015 (Ankunft)
atimos, 14:53h
Will man das 300-Seelen-Dorf Franz Josef in einem Wort beschreiben, drängt sich einem geradezu das Adjektiv „laut“ auf. Zwei Worte? Unerträglich laut.
Um die majestätische Berglandschaft mit tropischem Regenwald und Gletscher vor der Haustür genießen zu können, muss man schon taub sein. Anders kann ich mir das Fortbestehen der Siedlung und seiner Einwohner nicht erklären, vom Zustrom der Touristen mal ganz zu schweigen.
Natürlich bin ich mir darüber im Klaren, dass mit wachsender Anzahl von Menschen auch der Lärmpegel steigt. Dementsprechend wusste ich, dass ich mich an Straßengeräusche, Technik und einige Leute mit musikalischen Eigenarten einstellen musste, als ich Martys beschauliches Heim am Privatstrand verließ. Aber hierauf hätte mich niemand vorbereiten können.
In Franz Josef könnte man meinen, man sei in einem Krisengebiet eingetroffen, und wundert sich dann, dass man keine Blauhelmsoldaten zu Gesicht bekommt. Die passenden Hubschrauber flogen schließlich ununterbrochen von acht Uhr morgens bis acht Uhr abends über das Dorf hinweg. Hinzu gesellten sich noch kleine Propellerflugzeuge. Ich hätte nie gedacht, dass so wenig Menschen so viel Lärm erzeugen können.
Hinzu kommt, dass meine Ankunft in der Ortschaft von Anfang an unter keinem guten Stern stand. Gleich an unserem ersten Abend hatte sich ein Nachbar unserer Herberge zu einer akustisch überall wahrnehmbaren Party entschlossen, so dass mein Schlaf trotz Ohrstöpseln alles andere als geruhsam ausfiel. Nachträglich erfuhr ich, dass es sich um die Dorfbar mit integrierter Disko handelte.
Auch die olfaktorischen Eindrücke von Franz Josef waren alles andere als beschaulich. Von einer Bergregion am Meer erwartete ich frische, klare Luft. Als wir in dem Dörfchen ankamen, wurde gerade die Straße neu geteert. Dies war wirklich ein unvergessliches Erlebnis, das bis heute seine Spuren hinterlassen hat. Es fiel mir tatsächlich schwer vernünftig zu essen, weil ich dauernd die Befürchtung hegte, es nicht bei mir behalten zu können. Damit einher gingen pochende Kopfschmerzen, die nicht einmal durch Tabletteneinnahme gelindert werden konnten. Welch ein Paradies.
Ja, auf meiner 3-Sachen-die-ich-in-Neueseeland-machen-will-Liste stand „Franz Josef Gletscher sehen“. Das will ich auch nicht bestreiten. Allerdings stellte ich es mir ganz anders vor und so stellte ich fest, dass drei Tage dafür vollkommen ausgereicht hätten. Dennoch wollte ich diese Gelegenheit nicht ungenutzt verstreichen lassen und mich in diesem Ferienort nach einer Arbeitsstelle umsehen, um meine bisherigen Ausgaben zumindest einzugrenzen. Darauf komme ich gleich noch zurück, vorerst möchte ich von der Reise nach Franz Josef berichten.
Ich denke, die Fahrt nach Franz Josef ganz gut zusammenfassen zu können, wenn ich in der Aussage des Busfahrers Zuflucht nehme, der seinen Fahrgästen – also uns – versicherte, dass die Strecke von Westport nach Fox zu den zehn malerischsten Fahrten Neuseelands zählt. Die Aussicht wurde außerdem von wunderschönem Wetter bereichert, das durch blauen Himmel, sommerlichen Sonnenschein und fluffige Schäfchenwölkchen überzeugte. So fuhren wir an diesem prächtigen – ja, ich wiederhole mich, aber mein Vokabular an Superlativen erschöpft sich langsam – Tag die Westküste Neuseelands gen Süden entlang. Stellenweise waren wir nur wenige Meter vom Strand entfernt, einzig durch die beachtlichen Höhenunterschiede getrennt. Steile Klippen wechselten sich mit feinen Sandstränden ab; die Wellen schäumten vergeblich gegen massige Felsen, die gelangweilt in der Brandung lagen; überall um uns herum war der tropische Regenwald mit seinen nicht enden wollenden Farnreihen.


Unsere erste Pause legten wir in Punakaiki ein, genauer gesagt an den Pancake Rocks von Punakaiki.
Die Pancake Rocks sind ein Mysterium der Natur, an dem Geologen sich bis heute die Zähne ausbeißen, weil sie zu erklären versuchen, wie diese Gebilde entstanden. Es handelt sich hierbei um Gesteinsformationen, deren Schichten wie säuberlich gestapelte Pfannkuchen wirken – daher der Name. Sie stehen gleichmütig in der Brandung und werden nur langsam von den Wellen verzehrt.

Es gab einen Pfad, der es den Besuchern erlaubt diese natürlichen Gebilde aus möglichst vielen Winkeln zu betrachten. An einigen Stellen hatten die Gezeiten bereits große Brocken abgetragen, so dass Höhlen und Löcher entstanden waren. Wenn hohe Wellen nun in dies Höhlungen spülten, spritzte das Wasser mehrere Meter hoch – bis zu den Plattformen mit Besuchern. Diese Löcher nannte man Blowholes.
An einer dieser Blowholes kamen wir gerade an, als eine große Welle hinein spülte und das Wasser bis zu uns hoch geschleudert wurde. Wie erwähnt war der Tag sonnig, so dass das Schauspiel uns erheiterte, obwohl wir nass wurden.

Alles in allem blieb uns allerdings nur wenig Zeit die Aussicht zu genießen, da die Begehung des Pfades rund zwanzig Minuten in Anspruch nahm, unsere Rast aber nur dreißig Minuten währte. Da der Verzehr von Lebensmitteln jeglicher Art – außer Wasser – in den Bussen auf der Südinsel gänzlich untersagt war, wollten wir noch etwas essen, bevor es weiter ging. So eilten wir an dieser natürlichen Attraktion vorbei, um zeitig wieder an unserem Gefährt zu sein.
Es ging weiter an der Westküste entlang. In Greymouth sahen wir den berühmten Bahnhof, an dem die Züge von und nach Christchurch ankamen und abfuhren. Wir mussten uns ob der schieren Größe dieses Bauwerks das Lachen mit größter Mühe verkneifen. Der Bahnhof war winzig, bestand praktisch nur aus einem Gleis. Da Greymouth auf unserer Karte so groß dargestellt war, überraschte es uns sehr zu erfahren, dass die Stadt gerade einmal 9.000 Einwohner zählte.
Die nächste Pause legte unser Busfahrer in Hokitika, einer ehemaligen Goldgräberstadt ein. Mehr weiß ich jetzt über diesen Ort auch nicht zu berichten. Außer vielleicht, dass Jade und Jadeschmuck hier einen großen Stellenwert hatten.
Auf dieser Fahrt lernten wir noch mehr Kleinigkeiten über Neuseeland. Zum einen fungierte hier der Intercity auch als Zeitungszusteller. In Hokitika hatte der Busfahrer mehrere Pakete mit den neusten Nachrichten aufgeladen und verteilte diese nun in verschiedenen Geschäften auf unserer Strecke.
Außerdem gibt es am anderen Ende der Welt ein Verkehrsphänomen, das in Deutschland nie funktionieren würde: einspurige Brücken.
Da gibt es einen Hinweis auf dem Asphalt gepinselt, ein Schild mit einer Geschwindigkeitsbegrenzung (an die kein Neuseeländer sich hält) und eine einspurige Brücke. Ob Schlucht oder Fluss sich darunter befinden, spielt keine Rolle.
Nach weiteren, endlos scheinenden Stunden der Fahrt kündigte unsere Busfahrer endlich Franz Josef als nächsten Halt an. Unserer Recherche nach hatte das Dorf – wie bereits erwähnt – gerade einmal 300 Einwohner, aber trotzdem kündigte der Fahrer an, dass er an drei Haltestellen Fahrgäste aussteigen lassen würde. Das verwirrte uns. Des Rätsels Lösung war denkbar simpel: Der Bus hielt vor fast jedem Hotel, wenn Gäste dieses Hotels an Bord waren. Unsere Haltestelle war die letzte. Anscheinend wollte man die Gäste dieser Touristenhochburg verwöhnen, so dass sie mit ihren Koffern nicht allzu weit laufen mussten. (Als ob man sich hier verirren könnte.)
Also stiefelten wir nach sechs Stunden Fahrt – der bisher längsten Route – völlig erschöpft durch die Tür der Rezeption von Montrose Backpackers, um uns unserem Host vorzustellen.
Sein Name war Ceasar, er war Argentinier – oder ehemaliger Argentinier – und führte uns mit neuseeländischer Freundlichkeit zu unserem Zimmer. In einem separaten Häuschen teilten wir uns einen Raum mit Lisa und Nicole. So richtig wollte sich die Begeisterung ob der Änderung unserer Lebensumstände noch nicht bei mir einstellen.
Um das mal klar zu stellen: Ich mochte sowohl Lisa als auch Nicole; ich mochte meine Privatsspähre und Platz für mich selbst nur mehr.
Unsere neue Schlafstatt war kleiner als mein Zimmer im Studentenwohnheim und zu viert passten wir nur gestapelt hinein – wörtlich gesprochen. Zwei Hochbetten, ein Nachttisch, eine Kommode, ein bisschen Fußboden für die Rucksäcke und schon war der gesamte Platz in seinen drei Dimensionen ausgefüllt. Zum Glück gab es ein Fenster, sonst hätte die Luft für uns wohl nicht mehr gereicht.
An diesem, wenn auch noch frühem Abend, sah ich mich nicht mehr in der Lage viel Produktives zu leisten, zumal die widrigen Umstände schon weiter oben geschildert wurden. Essen zubereiten war die größte Anstrengung, die ich noch auf mich zu nehmen gedachte. Dummerweise mussten wir zu diesem Zweck auch noch einkaufen gehen. In dem ganzen Ort gab es genau einen Supermarkt, der auch noch zur gehobenen Preiskategorie zählte und einem das Geld nur so aus der Tasche zog. Als wesentlich unangenehmer empfand ich allerdings den inneren Aufbau des Geschäfts: Es war eng, stickig, viel zu warm und – wie überraschend – laut. Die Regal standen für meinen Geschmack viel zu nah beieinander; Leute drängten sich durch die schmalen Korridoren; drinnen war es wärmer als draußen. Es war fürchterlich.
Am nächsten Morgen weihte Cearsar uns in unsere Aufgaben ein: putzen. In den Bädern und Toiletten des Hostels hatten unzählige Insekten ihre letzte Ruhestätte an den Decken gefunden. Ob es an der Farbe oder der Beschichtung lag, vermag ich nicht zu sagen. Aber es klebten so viele tote Mücken, Fliegen und andere Viecher an den Decken, dass es schon an Absicht grenzte. Unsere Aufgabe bestand darin, diesen Zustand zu beheben. Zu diesem Zweck stattete Erika, Ceasars Frau, uns mit Lappen, verschiedenem Putzzeug, Bürsten und Leitern aus. So verging der Großteil unseres ersten Arbeitstages. Immerhin klebten die Insekten stellenweise sehr hartnäckig, so dass wir richtig schrubben mussten. Dann bezogen wir noch einige Betten und hatten zur Mittagszeit unseren Soll erfüllt. Tags darauf ging es ähnlich weiter, nur dass wir nicht länger auf Leitern klettern mussten. An diesem Tag beschlossen wir auch uns nach einem Job umzusehen, um unsere laufenden Kosten zu decken.
An dieser Stelle empfiehlt sich eine kurze Beschreibung der Ortschaft. Franz Josef besteht aus zwei parallel gelegenen Straßen, die durch drei Querstraßen miteinander verbunden sind. Die Hauptverkehrsstraße, der State Highway, ist von zwei Souvenirläden, einem Supermarkt, sechs Gaststätten (Cafés, Restaurants, Bars) und zahlreichen Touristenattraktionszentren gesäumt. Die östlich davon gelegene Parallelstraße hingegen bietet eine Auswahl an Hostels, Hotels und Motels; für jeden Geldbeutel ist etwas dabei. Dazwischen gibt es noch eine Tankstelle, ein Wildlife Centre, zwei Kirchen, Feuerwehr, Krankenhaus und irgendwo abgelegen auch eine Handvoll Wohnhäuser für die Einheimischen. Das war’s. Die einzige Daseinsberechtigung für dieses Dorf liegt in der touristischen Ausbeutung des Gletschers.
Wir gingen von Hotel zu Motel und fragten ganz unverblümt, ob man einen Job für Backpacker hätte. Da einige Leute selbst für die einfachsten Arbeiten einen Lebenslauf sehen wollten, beschlossen wir erst einmal unseren Gastgeber darum zu bitten uns einige Exemplare auszudrucken, bevor wir weitere Unterkunftsmöglichkeiten aufsuchten. Ceasar gewährte uns unseren Wunsch und empfahl uns sogar einige Geschäfte, in denen man oft Aushilfen suchte. Später fiel ihm sogar jemand ein, der explizit gefragt hatte, also vereinbarte er für uns einen Termin, so dass wir noch an demselben Tag in einem Motel vorsprachen. Erika hatte auch schon eine Lösung, wie es mit unseren Arbeitszeiten im Montrose aussehen sollte, weil sie sich mit denen des Motels überschnitten: Wir sollten die Spätschicht machen. Ceasar würde uns abends zeigen, wie genau sie sich das vorstellten.
An unserem zukünftigen Arbeitsort angekommen – das Motel befindet sich fünf Gehminuten die Straße runter – erklärte Anne, die Managerin, uns dann, wie es laufen würde. Es war ein seltsames „Vorstellungsgespräch“, da ich von Anfang an den Eindruck hatte, dass wir den Job schon bekommen hatten, ohne jemals dort gewesen zu sein, und uns nur noch Formalitäten erklärt wurden. Am nächsten Tag sollten wir zum Arbeiten vorbeikommen und dann würden wir weitersehen, ob uns das Housekeeping überhaupt lag.
Das Wichtigste war nun erst einmal unsere IRD-Nummer, die wir schon vor Wochen beantragt hatten, aber bisher keine Rückmeldung von der zuständigen Behörde erhalten hatten. Ein Anruf in der Herberge in Rotorua ergab, dass sie Post für uns erhalten hatten. Nun ging es darum, schnell an den Inhalt zu gelangen, weil ohne IRD-Nummer kein Geld von Arbeitgeber zu –nehmer fließen konnte. Es gab die Option, die Nummer per Telefon zu erfragen. Dafür brauchte man allerdings ein bisschen Geduld sowie einen Festnetzanschluss – die vorgegebene 0800-Telefonnummer galt nicht für Mobiltelefone. So rief ich von einer nahegelegenen Telefonzelle an, wurde von einer freundlichen Stimme auf Band begrüßt, musste mit einer Maschine reden, weil Tasteneingabe nicht möglich war, kam irgendwo am falschen Ende raus und wurde aus der Leitung geworfen. Beim zweiten Versuch kam ich weiter, in eine Warteschleife, aber die Bandansage teilte mir mit, dass es gerade einen regen Andrang gab und es ein bisschen länger dauern würde. Nach zehn Minuten legte ich auf und versuchte es erneut. Endlich, nach vielen Versuchen und viel zu viel Zeit in dieser Telefonbude, war auch diese Hürde genommen, womit wir tags darauf auch einen unterschriebenen Arbeitsvertrag mit allen erforderlichen Daten präsentieren konnten.
So begannen die Wochen der Monotonie. Morgens waren wir im Motel, wenn sie Bedarf hatten, abends arbeiteten wir im Montrose; die Zeit dazwischen stand zu unserer Disposition. Natürlich gab diese Tagesgestaltung uns einen gewissen Spielraum, aber im Gegensatz zum Montrose konnten wir im Motel keine freien Tage langfristig planen. Wir bekamen abends, manchmal nach 20 Uhr, eine SMS, wer von uns am folgenden Tag arbeiten würde. Darüber hinaus waren die Arbeitszeiten nicht zuverlässig, so dass wir manchmal nur für zwei, manchmal aber für mehr als vier Stunden hingingen.
Die Einarbeitung im Motel war denkbar einfach, da die meisten Sachen unter „common sense stuff“ fielen und ich mir durchaus zutraue, meinen gesunden Menschenverstand zu benutzen: Dreckiges Geschirr musste gewaschen werden; Flächen mussten abgewischt werden; Bad musste geputzt werden. Die größte Herausforderung bestand darin zu lerne, welchen Lappen man wofür verwendete. Da es ein Farbsystem gab, konnte man es sich in zwei Minuten merken.
Dieses Motel, dessen Namen ich bewusst ausspare, hatte sich das Motto der Umweltfreundlichkeit breit auf die imaginäre Flagge geschrieben, so dass es mit möglichst wenigen Chemikalien auskommen wollte. Tatsächlich benutzten wir nur Reinigungsmittel in der Toilette und Spülmittel beim Geschirr. Ich würde auch so weit gehen zu sagen, dass dies die einzigen beiden Bereiche in diesem Etablissement waren, die das Siegel „sauber“ verdienen. Die Wunderwaffe bei allen anderen Putzangelegenheiten waren die Lappen und Schwämme der Firma Einjo, die aus einer speziellen Mikrofaser bestanden, die, durch eine geringe Menge Wasser aktiviert, antibakteriell wirkte. Niemand bequemte sich dazu mir diese Funktionsweise genauer zu erklären und ich sah keine Notwendigkeit genauer nachzuforschen. Ob nun antibakteriell oder nicht, gegen Fettflecken vermochten diese Lappen nur wenig auszurichten.
Darüber hinaus hatten wir nicht die Möglichkeit oder die Anweisung die Lappen zwischendurch auszuspülen. Stattdessen sprühten wir jede zu behandelnde Fläche mit ein bisschen Wasser ein und wischten mit dem immer stärker gebrauchten Tuch ab. In meiner Vorstellung waren die zuerst geputzten Zimmer dadurch eher als sauber zu bewerten als die letzten. Natürlich sind das nur relative Größen, richtig sauber wurde so nichts. Zumal die Schwämme oftmals mit Haaren übersät waren, so dass man diese eher auf den Flächen verteilte als einsammelte. Die Dusche galt dann als sauber, wenn sie trocken war, so dass die Arbeitszeit an diesem Gebrauchsgegenstand oft davon abhing, wann der Gast geduscht hatte. Wenn es schnell gehen musste, reichte es aus nur mit dem Handtuch drüber zu wischen, um die überschüssige Feuchtigkeit aufzusaugen. Der Boden musste immer geschrubbt werden – mit Wasser. In Anbetracht der vielen Dinge, die sich beim Duschen so vom menschlichen Körper lösen, wäre es mir wirklich lieber gewesen, ein bisschen Chemie zu verwenden und wenn es nur Spülmittel gewesen wäre. Staub wischen war auch so eine Sache. Wir machten es nur auf den Flächen, die der Gast sah und eventuell benutzte. Der Boden in Bad und Küche wurde erst gewischt, dann gesaugt, so dass alle Lebensmittelreste die günstige Gelegenheit bekamen ordentlich festzukleben und sich dauerhaft einzurichten. Besonders schön fand ich aber, dass die Betten erst abgezogen wurden, die Decke und Tagesdecke auf den Boden geworfen wurde, man dann die Laken neu bezog und erst wenn das Bett wieder gemacht war, saugte man Staub. Auch hier waren Teppichböden in großem Stil verlegt, so dass ich mir nicht ausmalen möchte, was dort schon alles hauste, nachdem ich so oft mit nassen Schuhen dort umhergelaufen bin.
An dieser Stelle möchte ich einige Worte der Beschaffenheit neuseeländischer Betten widmen. Ob bequem oder nicht, ist immer eine Frage der persönlichen Vorlieben, weshalb ich darüber gar nicht urteilen will. Es geht mir viel mehr darum, wie Betten bezogen werden. Ich betrachte es als Selbstverständlichkeit, dass Hotels und Motels, die etwas auf sich halten, keine Spannbetttücher benutzen, daher ist dieser Punkt ebenso nicht erwähnenswert. Was mich aber immer wieder in Erstaunen versetzte, waren die unendlich vielen Lagen, die auf so ein neuseeländisches Bett gestapelt wurden. Es fing schon unter der Matratze an, da lag ein Stoff, der an allen Ecken herunterhing, um die Lücke zwischen Bett und Boden sowie die Beine des Betts zu verstecken. Auf der Matratze lagen noch Heizdecken, die von einer weiteren dünnen Decke mit Gummizug bedeckt wurden. Erst darauf kam das Bettlaken. Gefolgt von einem zweiten Bettlaken, das aber als Bettbezug diente. Denn die richtige Decke wurde nicht wie die Kissen in eine in sich geschlossene Hülle gewickelt, sondern nur über das zweite Bettlaken drüber gelegt. Darauf kam noch einen Tagesdecke. In das Kopfende der Tagesdecke wickelte man die Kissen ein. Es waren Decken über Decken über Decken, wohin das Auge reichte und ich frage mich bis heute, wozu. Die Heizdecke erklärt sich von selbst, denn die meisten neuseeländischen Häuser sind katastrophal isoliert, bestehen zumeist aus dünnen Holzplatten, haben nur einfache Verglasung, so dass sich im Winter morgens die Feuchtigkeit am Glas sammelt, und keine fest eingebauten Heizkörper. Oft gibt es nur elektrische Heizungen, die diese marode gezimmerten Bauten aber nur spärlich beheizen können. Ich vermute, dass die Häuser alle zehn Jahre neu gebaut werden müssen, weil sie von innen wegfaulen.
Mit der Zeit fand ich mich damit ab, dass es nur sauber aussehen musste, nicht jedoch zwangsläufig auch sauber sein sollte.
Dieser Eindruck wurde noch verstärkt, als unsere Chefin uns mehrfach darauf hinwies, dass wir pro Zimmer weniger als 30 Minuten Arbeitszeit einplanen sollten. Ich stellte fest, dass diese Obergrenze nur dann einzuhalten war, wenn es sich um ein kleines Zimmer handelte, in dem entweder Bad oder Küche überhaupt nicht benutzt worden waren. Es war allerdings völlig utopisch, wenn ein Haufen Geschirr benutzt in den Räumen verteilt stand. Einige Gäste machten sich sogar die Mühe ihr benutztes Geschirr halbwegs zu säubern, bevor sie es mit Kaffeeflecken, Fetträndern und Lippenstiftresten noch nass zurück ins Regal stellten. Das waren mir die Liebesten. (Ich hoffe, mein Sarkasmus wird an dieser Stelle deutlich genug.) In manchen Zimmern brauchte ich allein schon eine halbe Stunde für die Küche. Außerdem fiel der Chefin jede Woche noch etwas Neues ein, worauf wir in unserer Putzroutine ebenfalls achten sollten – ohne das vorgegebene Zeitfenster zu erweitern.
Dieses ach so freundliche Arbeitsklima motivierte rein gar nicht, sich auch nur irgendwie Mühe zu geben. Anne war einfach nur eine gierige, geizige Xanthippe, die keine Ahnung von ihrem Job oder der Leistung ihrer Angestellten hatte und für logische Argumente nicht zugänglich war. All ihre Freundlichkeiten waren nur aufgesetzte, neuseeländische Routine. Es wurde von ihr erwartet, also benahm sie sich so, gab uns Tee und Kekse, sagte bitte und danke. Das kleinste Problemchen brachte diese Fassade allerdings zum Bröckeln und ihr wahres Wesen kam zum Vorschein. Annes Falschheit trug nicht positiv zu meinem Gesamtbild von Franz Josef bei.
Ich bin ein Fan von hohen Ansprüchen, aber unmögliche Erwartungen und mangelnden gesunden Menschenverstand kann ich nicht ausstehen.
Da ich weiß, wie diese Räume „gesäubert“ wurden, rate ich jedem davon ab, in diesem Motel, das praktischerweise gegenüber der Hot Pools liegt, zu buchen.
Es hat mir richtig viel Freude bereitet meinem Arbeitgeber mitzuteilen, dass wir weiterzogen – also kündigten. Anscheinend passte unser Abreisetermin nicht so ganz in ihren Terminplan, aber da hatte sie kein Mitspracherecht.
Darüber hinaus ließ die Ausrüstung oftmals zu wünschen übrig: Da waren unsere Körbe mit den Putzsachen nicht vollständig; Sprühfalschen waren leer oder defekt; und die Staubsauger machten jede Menge Lärm, aber saugen konnten sie nicht. Diese veralteten Modelle hätten schon vor Jahren ausgemustert werden müsse, aber stattdessen kaufte man immer wieder Einzelteile nach und reparierte sie. Bei dem einen passten Rohr und Schlauch nicht so ganz zusammen, so dass die Teile immer wieder auseinanderfielen; bei dem anderen war ein großes Loch im Schlauch, so dass die Saugleistung praktisch nicht vorhanden war. Wie sollte man da den überall verlegten Teppichboden reinigen?
Wenigstens unsere Kollegen sowie die 11-Uhr-Teepause übten einen positiven Reiz auf die Arbeit aus. Dazu später mehr.
Ganz anders sah unser Putzverhalten im Montrose aus. Ceasar machte uns mit „2 way“ bekannt, einem Allesreiniger, den er in den Himmel lobte, von dem man allerdings bloß nichts einatmen sollte. Ich rede hier aus Erfahrung. Da wir dieses Zeug in mehr oder weniger praktischen Sprühflaschen serviert bekamen, war es mit dem Einatmen so eine Glückssache. Manche Flaschen verteilten das Mittel in einem gezielten Strahl, andere als feinen Nebel. Nein, wir konnten uns nicht immer selbst bestimmen, wie es sein sollte – es hing vom Flaschentyp ab. Hatte man es versehentlich eingeatmet, wurde man sogleich mit Hustenanfällen und rauem Rachen bestraft. So manche Scheinerkältung führe ich auf „2 way“ zurück.
Zurück zu Ceasar: 2 way war seine Lösung für (fast) jedes Schmutz betreffende Problem. Wenn es dann doch mal nicht weiter half, gab es noch Jif, eine Scheuermilch von zerstörerischer Kraft – bei Latexhandschuhen jedenfalls. Wir durften soviel 2 way verwenden, wie wir nur wollten; bloß nicht zu wenig, zu viel gab es im Grunde gar nicht. Hauptsache, die Küchen waren blitzblank sauber. Lappen standen uns auch en masse zur Verfügung. Später erfuhren wir, dass Ceasar mit einem schlechten Ruf zu kämpfen hatte, weil er das Hostel kein halbes Jahr zuvor in einem katastrophalen Zustand übernommen hatte. Er war ganz stolz darauf, dass er schon einige Pluspunkte bei einer Internetseite gut gemacht hatte und in der Gesamtbewertung gestiegen war. Sauberkeit war für ihn eine äußerst wichtige Angelegenheit. Staub saugen ging um die späte Uhrzeit natürlich nicht (unsere Schicht begann um 22 Uhr und sollte ca. 2 Stunden dauern), so dass wir nur putzten, fegten und wischten. Wenn viel los war und die Gäste einen Saustall hinterlassen hatten, waren wir bis Mitternacht mit dem einfachen Programm beschäftigt. Bei wenig Andrang und wenig Arbeit machten wir zusätzliche Aufgaben, wie beispielsweise Regale und Kühlschränke ausmisten und gründlich reinigen.
Da ich auch dort geputzt habe, kann ich das Montrose Backpackers nur weiterempfehlen. Es ist sauber.
Trotz des angenehmen Arbeitsklimas mochte ich den Job nicht. Nicht so sehr, weil er mit aufräumen und putzen zu tun hatte, sondern weil es die Spätschicht war und arg mit meinem gewohnten Tagesrhythmus kollidierte. Es störte mich sehr, dass ich nicht schlafen gehen konnte, wenn ich müde wurde, oder, wenn mir doch die Augen vor Arbeitsbeginn zufielen, ich wieder aufstehen musste. Außerdem zehrte das Warten auf die Spätschicht an meinen Nerven. Ich verherrlichte jeden freien Abend.
tbc...
Um die majestätische Berglandschaft mit tropischem Regenwald und Gletscher vor der Haustür genießen zu können, muss man schon taub sein. Anders kann ich mir das Fortbestehen der Siedlung und seiner Einwohner nicht erklären, vom Zustrom der Touristen mal ganz zu schweigen.
Natürlich bin ich mir darüber im Klaren, dass mit wachsender Anzahl von Menschen auch der Lärmpegel steigt. Dementsprechend wusste ich, dass ich mich an Straßengeräusche, Technik und einige Leute mit musikalischen Eigenarten einstellen musste, als ich Martys beschauliches Heim am Privatstrand verließ. Aber hierauf hätte mich niemand vorbereiten können.
In Franz Josef könnte man meinen, man sei in einem Krisengebiet eingetroffen, und wundert sich dann, dass man keine Blauhelmsoldaten zu Gesicht bekommt. Die passenden Hubschrauber flogen schließlich ununterbrochen von acht Uhr morgens bis acht Uhr abends über das Dorf hinweg. Hinzu gesellten sich noch kleine Propellerflugzeuge. Ich hätte nie gedacht, dass so wenig Menschen so viel Lärm erzeugen können.
Hinzu kommt, dass meine Ankunft in der Ortschaft von Anfang an unter keinem guten Stern stand. Gleich an unserem ersten Abend hatte sich ein Nachbar unserer Herberge zu einer akustisch überall wahrnehmbaren Party entschlossen, so dass mein Schlaf trotz Ohrstöpseln alles andere als geruhsam ausfiel. Nachträglich erfuhr ich, dass es sich um die Dorfbar mit integrierter Disko handelte.
Auch die olfaktorischen Eindrücke von Franz Josef waren alles andere als beschaulich. Von einer Bergregion am Meer erwartete ich frische, klare Luft. Als wir in dem Dörfchen ankamen, wurde gerade die Straße neu geteert. Dies war wirklich ein unvergessliches Erlebnis, das bis heute seine Spuren hinterlassen hat. Es fiel mir tatsächlich schwer vernünftig zu essen, weil ich dauernd die Befürchtung hegte, es nicht bei mir behalten zu können. Damit einher gingen pochende Kopfschmerzen, die nicht einmal durch Tabletteneinnahme gelindert werden konnten. Welch ein Paradies.
Ja, auf meiner 3-Sachen-die-ich-in-Neueseeland-machen-will-Liste stand „Franz Josef Gletscher sehen“. Das will ich auch nicht bestreiten. Allerdings stellte ich es mir ganz anders vor und so stellte ich fest, dass drei Tage dafür vollkommen ausgereicht hätten. Dennoch wollte ich diese Gelegenheit nicht ungenutzt verstreichen lassen und mich in diesem Ferienort nach einer Arbeitsstelle umsehen, um meine bisherigen Ausgaben zumindest einzugrenzen. Darauf komme ich gleich noch zurück, vorerst möchte ich von der Reise nach Franz Josef berichten.
Ich denke, die Fahrt nach Franz Josef ganz gut zusammenfassen zu können, wenn ich in der Aussage des Busfahrers Zuflucht nehme, der seinen Fahrgästen – also uns – versicherte, dass die Strecke von Westport nach Fox zu den zehn malerischsten Fahrten Neuseelands zählt. Die Aussicht wurde außerdem von wunderschönem Wetter bereichert, das durch blauen Himmel, sommerlichen Sonnenschein und fluffige Schäfchenwölkchen überzeugte. So fuhren wir an diesem prächtigen – ja, ich wiederhole mich, aber mein Vokabular an Superlativen erschöpft sich langsam – Tag die Westküste Neuseelands gen Süden entlang. Stellenweise waren wir nur wenige Meter vom Strand entfernt, einzig durch die beachtlichen Höhenunterschiede getrennt. Steile Klippen wechselten sich mit feinen Sandstränden ab; die Wellen schäumten vergeblich gegen massige Felsen, die gelangweilt in der Brandung lagen; überall um uns herum war der tropische Regenwald mit seinen nicht enden wollenden Farnreihen.


Unsere erste Pause legten wir in Punakaiki ein, genauer gesagt an den Pancake Rocks von Punakaiki.
Die Pancake Rocks sind ein Mysterium der Natur, an dem Geologen sich bis heute die Zähne ausbeißen, weil sie zu erklären versuchen, wie diese Gebilde entstanden. Es handelt sich hierbei um Gesteinsformationen, deren Schichten wie säuberlich gestapelte Pfannkuchen wirken – daher der Name. Sie stehen gleichmütig in der Brandung und werden nur langsam von den Wellen verzehrt.

Es gab einen Pfad, der es den Besuchern erlaubt diese natürlichen Gebilde aus möglichst vielen Winkeln zu betrachten. An einigen Stellen hatten die Gezeiten bereits große Brocken abgetragen, so dass Höhlen und Löcher entstanden waren. Wenn hohe Wellen nun in dies Höhlungen spülten, spritzte das Wasser mehrere Meter hoch – bis zu den Plattformen mit Besuchern. Diese Löcher nannte man Blowholes.
An einer dieser Blowholes kamen wir gerade an, als eine große Welle hinein spülte und das Wasser bis zu uns hoch geschleudert wurde. Wie erwähnt war der Tag sonnig, so dass das Schauspiel uns erheiterte, obwohl wir nass wurden.

Alles in allem blieb uns allerdings nur wenig Zeit die Aussicht zu genießen, da die Begehung des Pfades rund zwanzig Minuten in Anspruch nahm, unsere Rast aber nur dreißig Minuten währte. Da der Verzehr von Lebensmitteln jeglicher Art – außer Wasser – in den Bussen auf der Südinsel gänzlich untersagt war, wollten wir noch etwas essen, bevor es weiter ging. So eilten wir an dieser natürlichen Attraktion vorbei, um zeitig wieder an unserem Gefährt zu sein.
Es ging weiter an der Westküste entlang. In Greymouth sahen wir den berühmten Bahnhof, an dem die Züge von und nach Christchurch ankamen und abfuhren. Wir mussten uns ob der schieren Größe dieses Bauwerks das Lachen mit größter Mühe verkneifen. Der Bahnhof war winzig, bestand praktisch nur aus einem Gleis. Da Greymouth auf unserer Karte so groß dargestellt war, überraschte es uns sehr zu erfahren, dass die Stadt gerade einmal 9.000 Einwohner zählte.
Die nächste Pause legte unser Busfahrer in Hokitika, einer ehemaligen Goldgräberstadt ein. Mehr weiß ich jetzt über diesen Ort auch nicht zu berichten. Außer vielleicht, dass Jade und Jadeschmuck hier einen großen Stellenwert hatten.
Auf dieser Fahrt lernten wir noch mehr Kleinigkeiten über Neuseeland. Zum einen fungierte hier der Intercity auch als Zeitungszusteller. In Hokitika hatte der Busfahrer mehrere Pakete mit den neusten Nachrichten aufgeladen und verteilte diese nun in verschiedenen Geschäften auf unserer Strecke.
Außerdem gibt es am anderen Ende der Welt ein Verkehrsphänomen, das in Deutschland nie funktionieren würde: einspurige Brücken.
Da gibt es einen Hinweis auf dem Asphalt gepinselt, ein Schild mit einer Geschwindigkeitsbegrenzung (an die kein Neuseeländer sich hält) und eine einspurige Brücke. Ob Schlucht oder Fluss sich darunter befinden, spielt keine Rolle.
Nach weiteren, endlos scheinenden Stunden der Fahrt kündigte unsere Busfahrer endlich Franz Josef als nächsten Halt an. Unserer Recherche nach hatte das Dorf – wie bereits erwähnt – gerade einmal 300 Einwohner, aber trotzdem kündigte der Fahrer an, dass er an drei Haltestellen Fahrgäste aussteigen lassen würde. Das verwirrte uns. Des Rätsels Lösung war denkbar simpel: Der Bus hielt vor fast jedem Hotel, wenn Gäste dieses Hotels an Bord waren. Unsere Haltestelle war die letzte. Anscheinend wollte man die Gäste dieser Touristenhochburg verwöhnen, so dass sie mit ihren Koffern nicht allzu weit laufen mussten. (Als ob man sich hier verirren könnte.)
Also stiefelten wir nach sechs Stunden Fahrt – der bisher längsten Route – völlig erschöpft durch die Tür der Rezeption von Montrose Backpackers, um uns unserem Host vorzustellen.
Sein Name war Ceasar, er war Argentinier – oder ehemaliger Argentinier – und führte uns mit neuseeländischer Freundlichkeit zu unserem Zimmer. In einem separaten Häuschen teilten wir uns einen Raum mit Lisa und Nicole. So richtig wollte sich die Begeisterung ob der Änderung unserer Lebensumstände noch nicht bei mir einstellen.
Um das mal klar zu stellen: Ich mochte sowohl Lisa als auch Nicole; ich mochte meine Privatsspähre und Platz für mich selbst nur mehr.
Unsere neue Schlafstatt war kleiner als mein Zimmer im Studentenwohnheim und zu viert passten wir nur gestapelt hinein – wörtlich gesprochen. Zwei Hochbetten, ein Nachttisch, eine Kommode, ein bisschen Fußboden für die Rucksäcke und schon war der gesamte Platz in seinen drei Dimensionen ausgefüllt. Zum Glück gab es ein Fenster, sonst hätte die Luft für uns wohl nicht mehr gereicht.
An diesem, wenn auch noch frühem Abend, sah ich mich nicht mehr in der Lage viel Produktives zu leisten, zumal die widrigen Umstände schon weiter oben geschildert wurden. Essen zubereiten war die größte Anstrengung, die ich noch auf mich zu nehmen gedachte. Dummerweise mussten wir zu diesem Zweck auch noch einkaufen gehen. In dem ganzen Ort gab es genau einen Supermarkt, der auch noch zur gehobenen Preiskategorie zählte und einem das Geld nur so aus der Tasche zog. Als wesentlich unangenehmer empfand ich allerdings den inneren Aufbau des Geschäfts: Es war eng, stickig, viel zu warm und – wie überraschend – laut. Die Regal standen für meinen Geschmack viel zu nah beieinander; Leute drängten sich durch die schmalen Korridoren; drinnen war es wärmer als draußen. Es war fürchterlich.
Am nächsten Morgen weihte Cearsar uns in unsere Aufgaben ein: putzen. In den Bädern und Toiletten des Hostels hatten unzählige Insekten ihre letzte Ruhestätte an den Decken gefunden. Ob es an der Farbe oder der Beschichtung lag, vermag ich nicht zu sagen. Aber es klebten so viele tote Mücken, Fliegen und andere Viecher an den Decken, dass es schon an Absicht grenzte. Unsere Aufgabe bestand darin, diesen Zustand zu beheben. Zu diesem Zweck stattete Erika, Ceasars Frau, uns mit Lappen, verschiedenem Putzzeug, Bürsten und Leitern aus. So verging der Großteil unseres ersten Arbeitstages. Immerhin klebten die Insekten stellenweise sehr hartnäckig, so dass wir richtig schrubben mussten. Dann bezogen wir noch einige Betten und hatten zur Mittagszeit unseren Soll erfüllt. Tags darauf ging es ähnlich weiter, nur dass wir nicht länger auf Leitern klettern mussten. An diesem Tag beschlossen wir auch uns nach einem Job umzusehen, um unsere laufenden Kosten zu decken.
An dieser Stelle empfiehlt sich eine kurze Beschreibung der Ortschaft. Franz Josef besteht aus zwei parallel gelegenen Straßen, die durch drei Querstraßen miteinander verbunden sind. Die Hauptverkehrsstraße, der State Highway, ist von zwei Souvenirläden, einem Supermarkt, sechs Gaststätten (Cafés, Restaurants, Bars) und zahlreichen Touristenattraktionszentren gesäumt. Die östlich davon gelegene Parallelstraße hingegen bietet eine Auswahl an Hostels, Hotels und Motels; für jeden Geldbeutel ist etwas dabei. Dazwischen gibt es noch eine Tankstelle, ein Wildlife Centre, zwei Kirchen, Feuerwehr, Krankenhaus und irgendwo abgelegen auch eine Handvoll Wohnhäuser für die Einheimischen. Das war’s. Die einzige Daseinsberechtigung für dieses Dorf liegt in der touristischen Ausbeutung des Gletschers.
Wir gingen von Hotel zu Motel und fragten ganz unverblümt, ob man einen Job für Backpacker hätte. Da einige Leute selbst für die einfachsten Arbeiten einen Lebenslauf sehen wollten, beschlossen wir erst einmal unseren Gastgeber darum zu bitten uns einige Exemplare auszudrucken, bevor wir weitere Unterkunftsmöglichkeiten aufsuchten. Ceasar gewährte uns unseren Wunsch und empfahl uns sogar einige Geschäfte, in denen man oft Aushilfen suchte. Später fiel ihm sogar jemand ein, der explizit gefragt hatte, also vereinbarte er für uns einen Termin, so dass wir noch an demselben Tag in einem Motel vorsprachen. Erika hatte auch schon eine Lösung, wie es mit unseren Arbeitszeiten im Montrose aussehen sollte, weil sie sich mit denen des Motels überschnitten: Wir sollten die Spätschicht machen. Ceasar würde uns abends zeigen, wie genau sie sich das vorstellten.
An unserem zukünftigen Arbeitsort angekommen – das Motel befindet sich fünf Gehminuten die Straße runter – erklärte Anne, die Managerin, uns dann, wie es laufen würde. Es war ein seltsames „Vorstellungsgespräch“, da ich von Anfang an den Eindruck hatte, dass wir den Job schon bekommen hatten, ohne jemals dort gewesen zu sein, und uns nur noch Formalitäten erklärt wurden. Am nächsten Tag sollten wir zum Arbeiten vorbeikommen und dann würden wir weitersehen, ob uns das Housekeeping überhaupt lag.
Das Wichtigste war nun erst einmal unsere IRD-Nummer, die wir schon vor Wochen beantragt hatten, aber bisher keine Rückmeldung von der zuständigen Behörde erhalten hatten. Ein Anruf in der Herberge in Rotorua ergab, dass sie Post für uns erhalten hatten. Nun ging es darum, schnell an den Inhalt zu gelangen, weil ohne IRD-Nummer kein Geld von Arbeitgeber zu –nehmer fließen konnte. Es gab die Option, die Nummer per Telefon zu erfragen. Dafür brauchte man allerdings ein bisschen Geduld sowie einen Festnetzanschluss – die vorgegebene 0800-Telefonnummer galt nicht für Mobiltelefone. So rief ich von einer nahegelegenen Telefonzelle an, wurde von einer freundlichen Stimme auf Band begrüßt, musste mit einer Maschine reden, weil Tasteneingabe nicht möglich war, kam irgendwo am falschen Ende raus und wurde aus der Leitung geworfen. Beim zweiten Versuch kam ich weiter, in eine Warteschleife, aber die Bandansage teilte mir mit, dass es gerade einen regen Andrang gab und es ein bisschen länger dauern würde. Nach zehn Minuten legte ich auf und versuchte es erneut. Endlich, nach vielen Versuchen und viel zu viel Zeit in dieser Telefonbude, war auch diese Hürde genommen, womit wir tags darauf auch einen unterschriebenen Arbeitsvertrag mit allen erforderlichen Daten präsentieren konnten.
So begannen die Wochen der Monotonie. Morgens waren wir im Motel, wenn sie Bedarf hatten, abends arbeiteten wir im Montrose; die Zeit dazwischen stand zu unserer Disposition. Natürlich gab diese Tagesgestaltung uns einen gewissen Spielraum, aber im Gegensatz zum Montrose konnten wir im Motel keine freien Tage langfristig planen. Wir bekamen abends, manchmal nach 20 Uhr, eine SMS, wer von uns am folgenden Tag arbeiten würde. Darüber hinaus waren die Arbeitszeiten nicht zuverlässig, so dass wir manchmal nur für zwei, manchmal aber für mehr als vier Stunden hingingen.
Die Einarbeitung im Motel war denkbar einfach, da die meisten Sachen unter „common sense stuff“ fielen und ich mir durchaus zutraue, meinen gesunden Menschenverstand zu benutzen: Dreckiges Geschirr musste gewaschen werden; Flächen mussten abgewischt werden; Bad musste geputzt werden. Die größte Herausforderung bestand darin zu lerne, welchen Lappen man wofür verwendete. Da es ein Farbsystem gab, konnte man es sich in zwei Minuten merken.
Dieses Motel, dessen Namen ich bewusst ausspare, hatte sich das Motto der Umweltfreundlichkeit breit auf die imaginäre Flagge geschrieben, so dass es mit möglichst wenigen Chemikalien auskommen wollte. Tatsächlich benutzten wir nur Reinigungsmittel in der Toilette und Spülmittel beim Geschirr. Ich würde auch so weit gehen zu sagen, dass dies die einzigen beiden Bereiche in diesem Etablissement waren, die das Siegel „sauber“ verdienen. Die Wunderwaffe bei allen anderen Putzangelegenheiten waren die Lappen und Schwämme der Firma Einjo, die aus einer speziellen Mikrofaser bestanden, die, durch eine geringe Menge Wasser aktiviert, antibakteriell wirkte. Niemand bequemte sich dazu mir diese Funktionsweise genauer zu erklären und ich sah keine Notwendigkeit genauer nachzuforschen. Ob nun antibakteriell oder nicht, gegen Fettflecken vermochten diese Lappen nur wenig auszurichten.
Darüber hinaus hatten wir nicht die Möglichkeit oder die Anweisung die Lappen zwischendurch auszuspülen. Stattdessen sprühten wir jede zu behandelnde Fläche mit ein bisschen Wasser ein und wischten mit dem immer stärker gebrauchten Tuch ab. In meiner Vorstellung waren die zuerst geputzten Zimmer dadurch eher als sauber zu bewerten als die letzten. Natürlich sind das nur relative Größen, richtig sauber wurde so nichts. Zumal die Schwämme oftmals mit Haaren übersät waren, so dass man diese eher auf den Flächen verteilte als einsammelte. Die Dusche galt dann als sauber, wenn sie trocken war, so dass die Arbeitszeit an diesem Gebrauchsgegenstand oft davon abhing, wann der Gast geduscht hatte. Wenn es schnell gehen musste, reichte es aus nur mit dem Handtuch drüber zu wischen, um die überschüssige Feuchtigkeit aufzusaugen. Der Boden musste immer geschrubbt werden – mit Wasser. In Anbetracht der vielen Dinge, die sich beim Duschen so vom menschlichen Körper lösen, wäre es mir wirklich lieber gewesen, ein bisschen Chemie zu verwenden und wenn es nur Spülmittel gewesen wäre. Staub wischen war auch so eine Sache. Wir machten es nur auf den Flächen, die der Gast sah und eventuell benutzte. Der Boden in Bad und Küche wurde erst gewischt, dann gesaugt, so dass alle Lebensmittelreste die günstige Gelegenheit bekamen ordentlich festzukleben und sich dauerhaft einzurichten. Besonders schön fand ich aber, dass die Betten erst abgezogen wurden, die Decke und Tagesdecke auf den Boden geworfen wurde, man dann die Laken neu bezog und erst wenn das Bett wieder gemacht war, saugte man Staub. Auch hier waren Teppichböden in großem Stil verlegt, so dass ich mir nicht ausmalen möchte, was dort schon alles hauste, nachdem ich so oft mit nassen Schuhen dort umhergelaufen bin.
An dieser Stelle möchte ich einige Worte der Beschaffenheit neuseeländischer Betten widmen. Ob bequem oder nicht, ist immer eine Frage der persönlichen Vorlieben, weshalb ich darüber gar nicht urteilen will. Es geht mir viel mehr darum, wie Betten bezogen werden. Ich betrachte es als Selbstverständlichkeit, dass Hotels und Motels, die etwas auf sich halten, keine Spannbetttücher benutzen, daher ist dieser Punkt ebenso nicht erwähnenswert. Was mich aber immer wieder in Erstaunen versetzte, waren die unendlich vielen Lagen, die auf so ein neuseeländisches Bett gestapelt wurden. Es fing schon unter der Matratze an, da lag ein Stoff, der an allen Ecken herunterhing, um die Lücke zwischen Bett und Boden sowie die Beine des Betts zu verstecken. Auf der Matratze lagen noch Heizdecken, die von einer weiteren dünnen Decke mit Gummizug bedeckt wurden. Erst darauf kam das Bettlaken. Gefolgt von einem zweiten Bettlaken, das aber als Bettbezug diente. Denn die richtige Decke wurde nicht wie die Kissen in eine in sich geschlossene Hülle gewickelt, sondern nur über das zweite Bettlaken drüber gelegt. Darauf kam noch einen Tagesdecke. In das Kopfende der Tagesdecke wickelte man die Kissen ein. Es waren Decken über Decken über Decken, wohin das Auge reichte und ich frage mich bis heute, wozu. Die Heizdecke erklärt sich von selbst, denn die meisten neuseeländischen Häuser sind katastrophal isoliert, bestehen zumeist aus dünnen Holzplatten, haben nur einfache Verglasung, so dass sich im Winter morgens die Feuchtigkeit am Glas sammelt, und keine fest eingebauten Heizkörper. Oft gibt es nur elektrische Heizungen, die diese marode gezimmerten Bauten aber nur spärlich beheizen können. Ich vermute, dass die Häuser alle zehn Jahre neu gebaut werden müssen, weil sie von innen wegfaulen.
Mit der Zeit fand ich mich damit ab, dass es nur sauber aussehen musste, nicht jedoch zwangsläufig auch sauber sein sollte.
Dieser Eindruck wurde noch verstärkt, als unsere Chefin uns mehrfach darauf hinwies, dass wir pro Zimmer weniger als 30 Minuten Arbeitszeit einplanen sollten. Ich stellte fest, dass diese Obergrenze nur dann einzuhalten war, wenn es sich um ein kleines Zimmer handelte, in dem entweder Bad oder Küche überhaupt nicht benutzt worden waren. Es war allerdings völlig utopisch, wenn ein Haufen Geschirr benutzt in den Räumen verteilt stand. Einige Gäste machten sich sogar die Mühe ihr benutztes Geschirr halbwegs zu säubern, bevor sie es mit Kaffeeflecken, Fetträndern und Lippenstiftresten noch nass zurück ins Regal stellten. Das waren mir die Liebesten. (Ich hoffe, mein Sarkasmus wird an dieser Stelle deutlich genug.) In manchen Zimmern brauchte ich allein schon eine halbe Stunde für die Küche. Außerdem fiel der Chefin jede Woche noch etwas Neues ein, worauf wir in unserer Putzroutine ebenfalls achten sollten – ohne das vorgegebene Zeitfenster zu erweitern.
Dieses ach so freundliche Arbeitsklima motivierte rein gar nicht, sich auch nur irgendwie Mühe zu geben. Anne war einfach nur eine gierige, geizige Xanthippe, die keine Ahnung von ihrem Job oder der Leistung ihrer Angestellten hatte und für logische Argumente nicht zugänglich war. All ihre Freundlichkeiten waren nur aufgesetzte, neuseeländische Routine. Es wurde von ihr erwartet, also benahm sie sich so, gab uns Tee und Kekse, sagte bitte und danke. Das kleinste Problemchen brachte diese Fassade allerdings zum Bröckeln und ihr wahres Wesen kam zum Vorschein. Annes Falschheit trug nicht positiv zu meinem Gesamtbild von Franz Josef bei.
Ich bin ein Fan von hohen Ansprüchen, aber unmögliche Erwartungen und mangelnden gesunden Menschenverstand kann ich nicht ausstehen.
Da ich weiß, wie diese Räume „gesäubert“ wurden, rate ich jedem davon ab, in diesem Motel, das praktischerweise gegenüber der Hot Pools liegt, zu buchen.
Es hat mir richtig viel Freude bereitet meinem Arbeitgeber mitzuteilen, dass wir weiterzogen – also kündigten. Anscheinend passte unser Abreisetermin nicht so ganz in ihren Terminplan, aber da hatte sie kein Mitspracherecht.
Darüber hinaus ließ die Ausrüstung oftmals zu wünschen übrig: Da waren unsere Körbe mit den Putzsachen nicht vollständig; Sprühfalschen waren leer oder defekt; und die Staubsauger machten jede Menge Lärm, aber saugen konnten sie nicht. Diese veralteten Modelle hätten schon vor Jahren ausgemustert werden müsse, aber stattdessen kaufte man immer wieder Einzelteile nach und reparierte sie. Bei dem einen passten Rohr und Schlauch nicht so ganz zusammen, so dass die Teile immer wieder auseinanderfielen; bei dem anderen war ein großes Loch im Schlauch, so dass die Saugleistung praktisch nicht vorhanden war. Wie sollte man da den überall verlegten Teppichboden reinigen?
Wenigstens unsere Kollegen sowie die 11-Uhr-Teepause übten einen positiven Reiz auf die Arbeit aus. Dazu später mehr.
Ganz anders sah unser Putzverhalten im Montrose aus. Ceasar machte uns mit „2 way“ bekannt, einem Allesreiniger, den er in den Himmel lobte, von dem man allerdings bloß nichts einatmen sollte. Ich rede hier aus Erfahrung. Da wir dieses Zeug in mehr oder weniger praktischen Sprühflaschen serviert bekamen, war es mit dem Einatmen so eine Glückssache. Manche Flaschen verteilten das Mittel in einem gezielten Strahl, andere als feinen Nebel. Nein, wir konnten uns nicht immer selbst bestimmen, wie es sein sollte – es hing vom Flaschentyp ab. Hatte man es versehentlich eingeatmet, wurde man sogleich mit Hustenanfällen und rauem Rachen bestraft. So manche Scheinerkältung führe ich auf „2 way“ zurück.
Zurück zu Ceasar: 2 way war seine Lösung für (fast) jedes Schmutz betreffende Problem. Wenn es dann doch mal nicht weiter half, gab es noch Jif, eine Scheuermilch von zerstörerischer Kraft – bei Latexhandschuhen jedenfalls. Wir durften soviel 2 way verwenden, wie wir nur wollten; bloß nicht zu wenig, zu viel gab es im Grunde gar nicht. Hauptsache, die Küchen waren blitzblank sauber. Lappen standen uns auch en masse zur Verfügung. Später erfuhren wir, dass Ceasar mit einem schlechten Ruf zu kämpfen hatte, weil er das Hostel kein halbes Jahr zuvor in einem katastrophalen Zustand übernommen hatte. Er war ganz stolz darauf, dass er schon einige Pluspunkte bei einer Internetseite gut gemacht hatte und in der Gesamtbewertung gestiegen war. Sauberkeit war für ihn eine äußerst wichtige Angelegenheit. Staub saugen ging um die späte Uhrzeit natürlich nicht (unsere Schicht begann um 22 Uhr und sollte ca. 2 Stunden dauern), so dass wir nur putzten, fegten und wischten. Wenn viel los war und die Gäste einen Saustall hinterlassen hatten, waren wir bis Mitternacht mit dem einfachen Programm beschäftigt. Bei wenig Andrang und wenig Arbeit machten wir zusätzliche Aufgaben, wie beispielsweise Regale und Kühlschränke ausmisten und gründlich reinigen.
Da ich auch dort geputzt habe, kann ich das Montrose Backpackers nur weiterempfehlen. Es ist sauber.
Trotz des angenehmen Arbeitsklimas mochte ich den Job nicht. Nicht so sehr, weil er mit aufräumen und putzen zu tun hatte, sondern weil es die Spätschicht war und arg mit meinem gewohnten Tagesrhythmus kollidierte. Es störte mich sehr, dass ich nicht schlafen gehen konnte, wenn ich müde wurde, oder, wenn mir doch die Augen vor Arbeitsbeginn zufielen, ich wieder aufstehen musste. Außerdem zehrte das Warten auf die Spätschicht an meinen Nerven. Ich verherrlichte jeden freien Abend.
tbc...
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