Samstag, 21. März 2015
Petone / Wellington – März 2015
Sonnenstrahlen ueber Wellington

Der Umzug von Hastings nach Petone kam einer Hochgeschwindigkeitsfahrt mit Bremsung in einer Betonwand gleich. Kleine Anmerkung: Petone liegt 12 Minuten Bahnfahrt von Wellington entfernt. Auf der Farm irgendwo im Nirgendwo hatten wir uns gerade an die Ruhe und Abschottung gewöhnt, die nur regelmäßig durch Robert gestört wurde, als wir dieses gemütliche Nest verließen, um unserem Ziel, so viel von Neuseeland zu sehen, wie nur irgend möglich, einige Kilometer näher zu kommen. Natürlich war die Fahrt mal wieder malerisch, kurvenreich ebenfalls. Bei dieser Gelegenheit passierten wir Dannevirke, ein verschlafenes Örtchen, an dessen Einfahrt uns ein dänischer Wikinger begrüßte. Allgemein schien diese Stadt viel mit Dänemark zu tun zu haben, so dass die Farben rot und weiß oft zu sehen waren. Ich erkundigte mich aber nicht weiter, was es damit auf sich hatte. Außerdem führte uns unsere Reise durch Palmerston North. Ebenfalls klein, ebenfalls pittoresk. Da wir dort eine kleine Mittagspause einlegten, hatten wir Gelegenheit, uns einige Ecken des Zentrums anzusehen. Mit Ankunft in Wellington hatten wir die 800-Kilometermarke erreicht, wenn nicht gar überschritten. Es war ein Tag, der Seinesgleichen suchte. Nicht nur, dass die Busfahrt fünf Stunden lang war und uns quer durchs Land von der West- an die Ostküste beförderte, nein, das wäre ja schon anstrengend genug, aber um dem ganzen Tag noch eins drauf zu setzen, gingen wir von zwei Personen in Rufweite zu zwanzig Geburtstagsgästen in einem Raum über. Geht es noch ein bisschen extremer? Aber sicher, sonst würde es sich nicht lohnen: Auf dieser Feier waren zudem noch vier Kinder im Alter von 2 Monaten bis 6 Jahren anwesend. Es war ein heftiger Aufprall, der seine Spuren hinterließ.

Unsere nächsten Gastgeber waren ein englisch-deutsches Pärchen mit einer sechsjährigen Tochter und einem Labrador namens Daisy. Joe, der englische Ehemann, war so freundlich uns am Bahnsteig abzuholen, während Susanne sich für die Feier anzog. Sie hatte uns schon in einer Mail mitgeteilt, dass wir eingeladen waren, sie zu begleiten, und auch wenn wir dies ein bisschen seltsam fanden, willigten wir ein. Auf der Feier lernten wir, dass es in Petone und Umgebung viele Einwanderer deutschen Ursprungs gibt, und unterhielten uns unverfänglich mit Gastgebern und Gästen. Es gab reichlich zu essen, auch wenn der Braten auf sich warten ließ, weil die Flamme immer wieder erlosch, was mir recht wenig ausmachte, da ich mich an Salaten, Kuchen und Muffins gütlich tat. Als wir am frühen Abend endlich in unser Zimmer einkehren durften, schafften wir es gerade noch das Bett zu beziehen und zu duschen, bevor wir beide recht erschöpft in die Federn sanken und viele Stunden durchschliefen. Glücklicherweise war der folgende Tag ein Sonntag, so dass wir nicht früh aufstehen mussten und auch nicht durch den berufstätigen und schulpflichtigen Haushalt geweckt wurden. Tatsächlich waren wir vor allen anderen wach.

Die Arbeit an diesem Sonntag beschränkte sich auf Babysitten und Küche aufräumen, wenn auch unterbrochen von einem präpubertären Tobsuchtsanfall eines Prinzessinnenverschnitts. Dies führte dazu, dass wir nicht auf Katrina aufpassen mussten, sondern den Disney-Film Frozen ganz alleine sahen. Ursprünglich war es die Idee der Tochter, den Film mal wieder zu sehen, weil Franziska ihn nicht kannte. Sie wollte dann doch lieber die Freunde ihrer Eltern besuchen, ganz einfach um die Mama nicht verlassen zu müssen. Außer uns beiden war noch ein italienischer Backpacker bei der Familie eingekehrt, Zac genannt, der schon ein bisschen länger im Haushalt verweilte und uns das eine oder andere von der Gegend erzählen konnte. Ansonsten hatte Susanne uns darum gebeten, die Fenster mal ordentlich sauber zu bekommen. In Anbetracht der Fensterart und des Hausbaus war das schon eine Herausforderung, die vor allem sicherheitstechnisch ihres Gleichen suchte. Sie gab uns einige hilfreiche Werkzeuge zur Hand, aber streifenfrei wurden die Fenster damit nicht immer. Außerdem schien die Mutter des Hauses sehr froh darüber, wenn sich ab und zu jemand anderes um ihren Nachwuchs kümmerte. Da Katrina an Franziska einen Narren gefressen hatte, schien es ganz gut zu klappen. Zumindest war ich so aus dem Schneider und beschäftigte mich mit anderen, eher häuslichen Pflichten.

Was die Ernährung betraf, teilte ich leider nicht den Geschmack der Familie, so dass die Mahlzeiten nicht zu meiner guten Stimmung beitrugen. Macht nichts, man kann nicht alles haben. Wir boten uns an, auch mal die eine oder andere Speise zuzubereiten, was von der Familie dankend angenommen wurde. So bekam ich mein vor Gemüse überquellendes Curry und Susanne ihre Spätzle – nach Franziskas Rezept und von ihr hergestellt. Darüber hinaus gab es Waffeln, Apple Crumble und Pfannkuchen. So lässt es sich schon eher aushalten. Das mit dem Grillen sollte Joe nächstes Mal doch einem Deutschen überlassen.

Wir unternahmen viele Ausflüge nach Wellington; es lief darauf hinaus, dass wir fast jeden Tag in die Hauptstadt fuhren. Wer auch immer behauptet hat, Auckland sei die lebenswerteste Stadt Neuseelands, hat die Welt nicht gesehen, ja nicht einmal sein eigenes Land. Auckland, Schmauckland, an der Stadt ist nichts dran. Sie ist groß, überfüllt, schmucklos, weitläufig, einfach nicht schön. Jede Stadt, jedes Örtchen, das wir nach Auckland sahen, hatte mehr Reiz. Wellington hingegen ist eine sehr schöne Stadt, in der es auch viel auf engem Raum zu sehen gab. Da die Gegend von Bergen umgeben ist, werden der Stadt natürliche Grenzen gesetzt. Mit rund 380.000 Einwohnern im Verwaltungsgebiet ist sie winzig, und doch kann man sehr viele unterschiedliche Dinge erleben. Erstaunlicherweise gibt es nur sehr wenige Attraktionen, die auf Adrenalinjunkies abzielen. Uns sollte es recht sein, denn wir sahen uns den kulturellen Teil ein bisschen näher an.

Bucht von Wellington

Wir begannen mit dem Parlament, auch Beehive (also Bienenstock) genannt. Der Spitzname der exekutiven Flügels bezieht sich auf die Architektur des Gebäudes, die eben einem traditionellen Bienenstock ähnelt. Trotzdem ist es ein Bau aus den 70er Jahren, so dass die massive Verwendung von Beton nicht zur Attraktivität des Hauses beiträgt.

Das Parlament Beehive

Das Regierungsgebäude direkt daneben hat schon mehr Charme. Wir nahmen nur zu gerne an der kostenlosen Führung teil, die uns weniger durch den Beehive und mehr durch die anderen Räumlichkeiten des Parlaments führte. Tatsächlich sahen wir nur einen Raum der Exekutiven von innen, den größten, der auch prächtig eingerichtet war: Parkettböden, hohe Decken, Rednerpult. Leider waren gar keine Fotos innerhalb der Regierungsgebäude erlaubt; wir mussten am Eingang unsere elektronischen Geräte abgeben. Allerdings lernten wir viel über die Regierungsgeschäfte und –abläufe in Neuseeland, auch wenn unser Guide keine begabte Rednerin war. Sie machte Pausen an ungeeigneten Stellen und schien immer wieder darüber nachdenken zu müssen, was als nächstes kam oder ob sie alles erzählt hatte. Wiederholungen von bereits Gesagtem waren auch an der Tagesordnung. Eine sehr eigenartige Sprechweise. Damit sie auch reden konnte, wenn nicht alle Leute im Raum waren oder der Raum akustisch nicht für größere Gruppen geeignet war, hatten wir am Anfang Empfangsgeräte mit Kopfhörern erhalten. Es war ein bisschen komisch, sie einerseits live, andererseits über den Knopf im Ohr zu hören. Dennoch erfüllten die Geräte ihren Zweck, so dass ich nicht direkt neben ihr stehen musste, um ihren Erläuterungen zuzuhören. Dies erwies sich als äußerst praktisch, da ich gerne mal ein bisschen durch die Räume schlenderte, um mir interessante Objekte näher anzusehen.
Nach diesem lehrreichen Vortrag machten wir uns zu weiteren Sehenswürdigkeiten auf und zogen Zac gleich mit. (Natürlich hatten wir ihn vorher gefragt.) Wenn man schon mal in der Hauptstadt ist, kann man sich auch das Archiv ansehen. Es war kein richtiger Rundgang; wir sahen uns nur das Gebäude von außen und den Eingangsbereich an. Selbstverständlich nahmen wir einen Flyer mit, schließlich kann man nie wissen, wann die Kontaktdaten von Vorteil sein könnten. Der Eingangsbereich des Archivs war richtig gemütlich eingerichtet: Man hatte ein Café eingebaut, in dem einige Leute saßen und ihre Getränke sichtlich genossen.
Außerdem nahmen wir an diesem Tag noch die Old St. Paul’s Cathedral mit.

Kathedrale St Pauls

Ja, dieses winzige Holzhäuschen bezeichnet sich selbst tatsächlich als Kathedrale. Unserer Ansicht nach war es einfach nur putzig. Einige Minuten und Fotos später entschieden wir uns für die Rückfahrt, da alle schon langsam hungrig wurden und wir uns unser Essen noch verdienen mussten.

Meine Rückkehr in die Zivilisation hat mich einiges gelehrt. Allem voran habe ich feststellen müssen, dass es die Stadtgeräusche um mich herum sind, die mich im Alltag äußerst stören. Daher rührt mein Bedürfnis ständig Musik in den Ohren zu haben: Sie soll diesen Lärm ausblenden – es ist eindeutig keine herzergreifende Liebe zur Musik. Auf der Farm irgendwo im Nirgendwo war mein Wunsch nach Musik viel geringer; tatsächlich empfand ich sie so manches Mal als störend und bevorzugte das Grillenzirpen.
Grillen sind aber allgemein in Neuseeland eine ganz schön große Plage, wenn man sie nicht mag. Nicht nur, dass es die Viecher zuhauf gibt, sie sind auch unheimlich laut. Wenn so ein Schwarm in einem Baum sitzt, kann er gut und gerne den Straßenlärm übertönen.

Das Nationalmuseum Neuseelands: Te Papa
Kommen wir noch einmal zu dem Fun-Park-Aspekt zurück.

Im Nationalmuseum

Da dachten wir unschuldigen deutschen Mädels uns, dass wir uns kulturell bereichern sollten, indem wir das Nationalmuseum Neuseelands aufsuchen – immerhin wurde es uns sowohl von unserer Gastmutter als auch von Zac wärmstens empfohlen –, nur um dann festzustellen, dass es sich bei dem Museum um einen Ereignisparcours handelt. Susanne hatte uns versichert, dass sie noch keinen Helfer hatte, dem das Museum nicht gefallen hätte, auch wenn es viele unter ihnen gab, die sich nicht für Geschichte interessierten. Ja, natürlich hätte es besonders solchen Leuten gefallen, weil sie darin eher bespaßt als gelehrt wurden. Es tat mir ein wenig leid, ihren Rekord zu brechen. Nur ein bisschen.

Te Papa erstreckt sich über sechs Etagen, wobei die letzte nur eine Aussichtsplattform ist, von der aus man Wellington ganz gut sehen kann. (Das konnten wir nicht, weil die Plattform an dem Tag zusammen mit Ebene 5 für Instandsetzungsarbeiten geschlossen war.) Erstaunlicherweise fängt das Museum – oder zumindest der Teil, den ich guten Gewissens als Museum bezeichnen kann – erst auf der dritten Ebene an. Alles darunter ist ein Abenteuerspielplatz für Kinder bis zehn Jahren.

Bush City, so nennt man hier den Garten außerhalb des Museums, stellt verschiedene einheimische Pflanzen aus, die kinderfreundlich erklärt werden. Darüber hinaus findet sich im Unterholz so die ein oder andere Überraschung: In einem eigens präparierten Sandbecken kann man fossile Knochen ausgraben; in einer Höhle findet man Knochen flugunfähiger Vögel, denen ein Loch im Boden zum Verhängnis wurde; dieselbe Höhle – nur ein anderer Teil davon – beherbergt künstliche Glühwürmchen, deren Lichter prompt ausgehen, wenn man mal laut schreit; verschiedene Felsen liegen mit Erklärungen zu ihrer Entstehung und Textur neben dem Wasserbecken. Bush City erstreckt sich über zwei Level, das Erdgeschoss und den ersten Stock, so dass man die Pflanzen, Steine und Höhlen aus verschiedenen Blickwinkeln betrachten kann. Außerdem mögen Kinder Hängebrücken.

In dem Teil, der das Leben in den Weiten und Tiefen der Ozeane beschreibt, (wir befinden uns wieder im Gebäude) findet man einen Kurzfilm über die kuriosen Kreaturen weit unterhalb des Meeresspiegels. Um möglichst viele Besucher anzuziehen, ist der Film in 3D. Da Fische nicht sprechen können, gibt es nur eine atmosphärische Hintergrundmusik. Den Kindern soll schon früh beigebracht werden, dass das Leben als Tier eine reine Glückssache ist und man jederzeit von einem größeren Raubtier gefressen werden kann, wodurch auch solche Aufnahmen des ewigen Kreislaufs gezeigt werden. Immer noch in 3D. Ich war mir nicht sicher, was ich davon halten sollte, dass die Kinder im schulpflichtigen Alter immer noch nach diesen frisch geschlüpften Quallen griffen, obwohl sie sich darüber im Klaren waren, dass sie nicht in der Lage sein würden sie zu ergreifen. Das krönende Finale war aber der animierte Koloss-Kalmar. Dieser feuerrote, 490 kg schwere Kopffüßler war nicht nur als dreidimensionales Filmmonster in dem Museum anzutreffen, sondern auch als ehemals lebendes Exemplar, heute in Formaldehyd eingelegt, um den Verwesungsprozess zu unterbinden. Ein weiterer Kurzfilm – diesmal nur zweidimensional – erklärte, wie es dazu kam, dass dieses Exemplar in Te Papa anzutreffen war.
Wie so oft im Leben war es eine Verstrickung verschiedener Umstände: Im Jahre 2007 zog ein neuseeländisches Fischerschiff gerade seinen Fang ein. Das Besondere an diesem Schiff war, dass nicht nur Fischer an Bord waren, sondern gleichzeitig auch Forscher zur Besatzung gehörten. Bei jedem Fang wurden verschiedene Proben zu verschiedenen Zwecken gesammelt. Die Biologen interessierten sich für seltene oder gar unbekannte Fischarten, aber sie prüften gleichzeitig auch die Schadstoffwerte der gefangenen Fische, um festzustellen, ob diese für den Verzehr geeignet waren. Bei positivem Befund durften die anderen Besatzungsmitglieder die Tiere weiterverarbeiten. Dieser eine Fang wies aber eine Eigenart auf: Eine Koloss-Kalmar hatte sich am Köder festgefressen und wollte nicht mehr loslassen. Da diese possierlichen Tierchen sonst nur in der Tiefe leben, brach der Kopffüßler unter seinem eigenen Gewicht zusammen. An Rettung war nicht mehr zu denken; die Haut brach an einigen Stellen auf, bevor man es aus dem Wasser gefischt hatte. Also entschloss man sich kurzerhand, das Tier zu bergen und der Wissenschaft zu überlassen. Gleichzeitig war aber auch die neuseeländische Regierung an dem Schiff beteiligt, so dass sie das Tier gerne ausgestellt sehen würde, weil es ja eine Attraktion ohne Gleichen war. Also durften die Wissenschaftler das Tier nicht aufschneiden, sondern nur mit solchen Instrumenten betrachten, die es intakt ließen. Jetzt liegt das Tier in Te Papa für jeden Besucher zugänglich. (Ich hoffe, ich konnte die dramatische Stimmung, die der Film vermittelte, gut widergeben.)

Der Übergang von Seevögeln zu Fischen ist in Te Papa irgendwie fließend. Da hängen erst einmal einige fliegende Vögel von Seilen runter, die nächsten sollen im Sturzflug gezeigt werden, die darauf sind wohl schon im Wasser und fischen nach Beute, und daneben ist ein weißer Hai. Ich hatte den Eindruck, dass der Hai fliegt. Irgendwie ist da etwas schief gelaufen.

Dies alles findet in einem großen Raum statt und die Geräuschkulisse ist unerträglich laut. Im Hintergrund hört man die verschiedenen Vogelstimmen, es laufen verschiedene Filme parallel, man kann Knöpfe drücken, um sich Ausstellungsstücke von Kindern erklären zu lassen, und dann gibt es noch den üblichen Besucherlärm.

Im Raum nebenan ist es nicht besser: Es gibt einen großen Bereich, der sich mit dem Thema Erdbeben beschäftigt. In einer Region, die praktisch täglich ein Erdbeben erlebt, weil sie auf der Kante von zwei geotektonischen Platten gebildet ist, ist das ein zugegeben wichtiger und nützlicher Aspekt. Allerdings erinnert auch hier viel an einen Vergnügungspark, anstatt objektiv-informativ zu sein. Es gibt dort ein kleines Haus, das das Erdbeben von 19hundertschmeißmichtot simulieren soll. Drinnen ist das Wohnzimmer so eingerichtet, wie es zu der Zeit eben war; der Fernseher läuft, das Radio gibt die Nachrichten wider, als plötzlich alles abbricht und das Haus zu rütteln anfängt. Die Kinder und Jugendlichen, die mit uns drin waren, lachten und betrachteten alles wie eine Achterbahnfahrt. Ich war über ihr Verhalten verstört.

Auf Bildschirmen konnte man sich ansehen, welche Schäden ein Erdbeben in einer durchschnittlichen neuseeländischen Wohnung anrichtet, wenn man die Gegenstände nicht fachmännisch sichert. Man wurde dazu aufgefordert, die richtigen Sicherheitsmaßnahmen (für Schränke, Fernseher, Bilder, etc.) in diesem interaktiven Programm zu treffen und einzusetzen. Es war aber wie ein Spiel aufgebaut, so dass man innerhalb einer bestimmten Zeitspanne alles arrangiert haben musste, bevor das Beben ausbrach. Schaffte man es nicht, gingen die Sachen zu Bruch.

Darüber hinaus gibt es zwar viele Informationen darüber, wie ein Erdbeben entsteht, welche Schäden es hinterlassen kann, wieso Neuseeland besonders anfällig dafür ist, wie man sein Haus erdbebensicherer machen kann, etc. Aber die Ecke mit den Infos dazu, wie man sich als Person bei einem Erdbeben verhält, fanden wir nicht – obwohl Susanne uns im Nachhinein versicherte, dass es sie gab. Da Kindern das richtige Verhalten vom ersten Tag an eingeimpft wird und es regelmäßige Übungen dazu gibt, müssen sie es natürlich nicht noch einmal lesen. Für Touristen wäre das aber interessant. Auch hier war alles laut, von überall her drangen unterschiedliche Geräusche auf einen ein, Konzentration war kaum möglich.
Spielend lernen stelle ich mir doch anders vor.

Was überhaupt fehlt ist die Beziehung der Maori zu den britischen Kolonisten. Es gibt kein Gemälde darüber, keine offen gelegten Quellen, keine Geschichten. Als ob dieses Ereignis nie stattgefunden hätte. Überhaupt wird alles so dargestellt, als hätten die Maori und die Einwanderer schon ewig parallel zueinander existiert. Informationen darüber, wie die Maori in die allgemeine Gesellschaft passen, wie sie sich integriert haben oder nicht, sucht man vergeblich. Auch in den Nachrichten findet es keinerlei Erwähnung. Es wird völlig darauf verzichtet, irgendeinen Konflikt mit den Maori zu beschreiben, was mir suspekt vorkommt, weil die Stämme als sehr kriegerisch gelten. Ebenso werden zwar immer wieder am Rande unterschiedliche Stämme der Maori erwähnt, es fehlt aber eine Erklärung dazu, was sie ausmachte, wie sie zueinander standen, welche Art von Beziehungen sie pflegten, etc. Es hängt wohl damit zusammen, dass die Angelegenheiten mit den Maori bis heute nicht geregelt sind und Prozesse um Gelder sowie Grundstücke immer noch vor neuseeländischen Gerichten geführt werden. Dass dieser Umstand eine Erwähnung im Nationalmuseum verhindert, ist noch verständlich. Dass die Einwohner Neuseelands sich deshalb den Australiern überlegen fühlen, weil sie die Ureinwohner nicht in Reservate gesperrt haben, nein, eher nicht.
Der Zweite Weltkrieg ist hier eher das große Thema. In jeder Stadt, egal wie klein sie sein mag, gibt es mindestens ein Kriegsdenkmal. Es wirkt doch sehr pathetisch.
Diese so junge und ungefestigte Nation hat einen unsäglich starken Drang sich selbst und ihre Existenz zu rechtfertigen.

Zurück zum Erlebnispark, Entschuldigung: Nationalmuseum, Te Papa.
Auf der dritten Ebene fanden wir dann etwas zu dem Thema, wie die Landschaft Neuseelands sich im Laufe der Zeit, vor allem seitdem die Maori eingetroffen waren, verändert hatte. Der Titel „Blood, Earth, Fire“ („Blut, Erde, Feuer“) erschien mir dann doch zu dramatisch für einen Vorgang, der schon auf jedem Kontinent stattgefunden hatte. Man fing zeitlich bei den Maori an, die ja auch schon eigene Tiere und Pflanzen eingeführt hatten, erzählte einiges zu ihrem Glauben und ihren Weltvorstellungen (ließ aber dezent aus, ob das heute noch irgendwo Anwendung findet) und ging über zu ihrer Lebensweise vor einigen Jahrhunderten.

Cut.

Daneben gab es die Möglichkeit, etwas über die europäischen Immigranten ab dem 19. Jahrhundert zu erfahren. Es war interessant zu sehen, wie viele Wälder für die Nutztierhaltung gerodet worden waren, aber welchen Sinn es hatte, das Leben aus der Sicht eines Schafes zu zeigen, bleibt mir bis heute schleierhaft. Hier wurde auch erklärt, warum kleine Schädlinge, die in Europa zuhauf vorkommen, in Neuseeland als so große Bedrohung wahrgenommen werden. Sie gehören einfach nicht ins Ökosystem und haben hier keine natürlichen Feinde. (In dem Zusammenhang ist auch die Quarantäne in Auckland zu sehen, als eine bestimmte Art der Fruchtfliege entdeckt worden war.) Es überraschte mich allerdings kaum noch, dass im Museum so viel Tamtam zu dem Thema gemacht wurde. Selbstverständlich musste auch so etwas inszeniert werden. Da ging man durch einen Raum voller Kisten und Güter und durfte hierhin, dorthin schauen, um zu sehen, wo „illegale Einwanderer“ à la Spinne, Termiten und Furchtfliege sich überall verstecken können.

Wir näherten uns langsam dem historischen Teil des Museums, also dem Teil, der von Geschichte handelte und Geschichte verarbeitete. Auf Level 4 waren wir dann vollends in der Historie dieses Inselstaates angekommen.

Vertrag von Waitanga

Der Vertrag von Waitangi wurde demonstrativ und in Übergröße zur Begrüßung vorgestreckt, die Teilung zwischen Maori und Europäern war deutlich, das Ausstellungsangebot faszinierte durch seine abwechslungsreiche Darstellung. Es gab Filmchen, Tonaufnahmen, Bilder, Ausstellungsstücke, eben alles was man von einem Museum erwartet.

Wie bereits erwähnt, waren Level 5 und 6 an dem Tag geschlossen.
Besonders auffällig war die Zweisprachigkeit des Museums. Da Englisch die Amtssprache ist und Touristen aus aller Welt Neuseeland aufsuchen, ist es schwierig sich für eine weitere Sprache zu entscheiden, wenn es um die Beschriftung der Ausstellungsstücke geht. Sollte man die größte ausländische Minderheit nehmen oder sich an den Muttersprachen der Touristen orientieren? Wäre in dem Fall dann nur die Menge an Touristen eines bestimmten Landes entscheidend oder auch die politische Größe dieses Landes? Hätte man dann nicht mehrere Sprachen nehmen müssen? Man hatte sich dafür entschieden, Maori als Zweitsprache zu nehmen. Es wirkte plakativ. Einerseits erfährt man kaum etwas über die Maori oder ihren heutigen Stellenwert in der Gesellschaft; andererseits wird dieses Volk als Beispiel kultureller Vielfalt in Neuseeland vorne an den Karren gebunden. Bezeichnend war, dass in den Räumen mit vorwiegend Maori-Sachen (Geschichte, Kunst, etc.) die Beschriftungen zuerst auf Maori waren, dann auf Englisch. In allen anderen Räumen war es umgekehrt.

Damit waren wir durch und machten uns mit rauchenden Köpfen auf den Weg zu Susanne und Familie. Im Haus angekommen, teilten wir ihr und Zac unsere Eindrücke dann auch mit, was auf wenig Gegenliebe stieß. Beide waren von dem „Museum“ angetan und vor allem Susanne schwang sich zum eifernden Verfechter dieser Institution auf. Wir nickten nur noch, als wir merkten, dass sie für unsere Argumente gar nicht zugänglich war.

Überhaupt war Susanne ein komisches Exemplar Einwanderer: Sie schien niemals richtig in Neuseeland angekommen zu sein. Mit uns sprach sie die ganze Zeit Deutsch, ihre erste Mail an uns war auf Deutsch, als sie erfuhr, dass wir aus ihrem Heimatland kommen, (es ist schwierig sich in der Fremde zu fühlen, wenn man dauernd Deutsch spricht) und sie trug an einem Tag sogar ein T-Shirt mit der Aufschirft: „I might live in New Zealand, but I will always be a German girl.“ („Zwar lebe ich in Neuseeland, aber ich werde immer ein Deutsches Mädel bleiben.“). Auch die Begründung dafür, dass sie den Job hatte, den sie hatte, fand ich für mich unbefriedigend. Das nur als Anmerkung am Rande. Als Gastgeberin war sie sehr freundlich und hilfreich. Sie gab uns viele Tipps und zeigte uns viel von der Gegend.

Am Dienstagabend machte ich mir den Spaß an einer Trainingseinheit mit Mark teilzunehmen. Mark trainiert seit Jahren Bujinkan, war schon oft in Japan und lernte von einigen namenhaften Trainern. Davon abgesehen ist er richtig sympathisch und versteht, was er macht.
Franziska wollte ursprünglich mitkommen, um sich das ganze Schauspiel anzusehen, doch sie änderte ihre Meinung. Also zog ich alleine los. Da es niemanden gab, der mich in die Stadt mitnehmen würde, was nicht weiter verwundert, weil hier jeder seinen eigenen Tagesplan hat, ging ich also zu Fuß zur Bahnhaltestelle. Die Sache ist nur, dass das Haus unserer Gastfamilie auf einem Berg liegt. Mit dem Auto ist man schnell oben oder unten; zu Fuß hingegen braucht man schon ein bisschen mehr Zeit. Es sind rund 20 Minuten nach unten, wenn man geübt ist, braucht man auch die gleiche Zeit hoch. Für Fußgänger gibt es einen „historischen“ Wanderpfad, der abseits der Straßen schneller nach unten führt. Mit schneller meint man auch steiler. Es war sehr anstrengend der Schwerkraft entgegen zu wirken, während ich trotzdem versuchte meinen Zug zu bekommen. Runter rollen oder laufen wollte ich dann doch nicht. (In Anbetracht der Tatsache, dass wir diesen Weg in den kommenden Tagen noch häufiger gingen, kann es aber nicht so schlimm gewesen sein.) Auch in Wellington angekommen, ging ich vom Hauptbahnhof zum Dojo zu Fuß. Auf dem Stadtplan sah die Strecke allerdings viel kürzer aus, so dass ich mit meiner Schätzung, wie lange ich dafür brauchen würde, ein bisschen daneben lag. Dennoch kam ich zeitig an; Verspätungen waren immerhin einkalkuliert.
Nach einigen ausgetauschten E-Mails stand ich auf der Matte, stellte mich höflich vor und wurde freundlich in der Gruppe aufgenommen. Für den Abend hatten einige Leute abgesagt, erklärte Mark mir, so dass nicht ganz so viele da sein würden, aber man käme auf fünf bis sechs. Es war eine süße, kleine Gruppe; fünf Kerle, alle sehr freundlich und zuvorkommend, wie man es in der Szene nun mal oft erlebt. Ich habe sehr viel lernen können und hoffe, dass ich es mitnehmen kann. Wir machten nur wenige Techniken an sich, doch Mark achtet auf Details. Außerdem war die Stunde gut strukturiert, so dass ich den Eindruck hatte, dass ein Thema einen roten Faden bildet.
Besonders lustig fand ich seine Einschätzung meines Trainers, wenn es um die Shihanwahl in Japan ging. Ich erzählte nur am Rande, wie unser Training gestaltet ist, und er zählte auf, bei welchen Lehrern mein Trainer wohl ist: viel Nagato und Noguchi, Shiraishi, wenig bei Ishizuka. Wie gesagt: Mark hat Ahnung.

Am Donnerstag nahmen wir uns viel in Wellington vor, zu viel, wie sich später herausstellte. Auf dem Plan standen eigentlich nur drei Dinge, von denen wir dachten, dass wir sie schnell abarbeiten können: mit dem Cable Car (oder der Zahnradbahn) fahren, das Carter Observatorium besuchen und den botanischen Garten sehen. Das Cable Car fährt in den botanischen Garten, in dem das Observatorium steht. Dieser Plan klang perfekt. Es fing auch alles wie geplant an, als wir nach einem frühen Lunch das Haus verließen, um uns in die Stadt zu begeben. Wir mussten früh wieder zu Hause sein, weil wir vorgeschlagen hatten, für die ganze Familie zu kochen. Das Cable Car war schnell gefunden, eine Bahn fuhr alle zehn Minuten und kam gerade an, als wir unser Ticket gekauft hatten. Perfekt.
Die ganze Kabine war auf die Fahrt mit Steigung ausgelegt, indem sie schräg angelegt war. Die Gäste saßen also immer gerade, egal wo sie sich in der Bahn aufhielten. Allgemein war das Gefährt recht kurz, es passten vielleicht gerade mal 50 Leute hinein. Auch war die Fahrt sehr kurz. Insgesamt waren es fünf Haltestellen, an denen die sich gegenüber liegenden Bahnen gleichzeitig halten mussten. Ein definitiv lustiges Schauspiel, das uns zudem vor die Tür des Cable Car Museum brachte. Da der Eintritt kostenlos war, entschlossen wir uns kurzerhand für eine Besichtigung.

Welch Unterschied zum Fun-Park Te Papa! Es war ein tatsächliches Museum. Klein, definitiv, aber auch sehr informativ. Man durfte sogar in einem historischen Cable Car sitzen.

An dieser Stelle möchte ich einen kleinen Ausflug in den Umgang der Neuseeländer zu ihrer Geschichte machen. Da das Land ein sehr junges ist, muss es sich wirklich an vielen Stellen für seine Existenz rechtfertigen – oder es fühlt zumindest den Drang dazu. Aus diesem Grund machen wir uns einen Spaß daraus, weil überall irgendetwas Historisches zu finden ist. Historische Pfade, historische Flaggen, historische Bauten, historische Steine, etc. Mittlerweile sind wir davon überzeugt, dass etwas als „historisch“ angesehen wird, wenn es seine Volljährigkeit erreicht hat.

Weiter zum Cable Car Museum.
Wir waren wirklich schnell durch, weil es nur drei Räume gab, in denen Ausstellungsstücke standen, und diese zudem sehr klein waren. Es gab zwei alte Cable Cars und einen alten Getrieberaum. Beides sehr interessant, gut beschrieben und nicht übertrieben modern. Natürlich gab es den obligatorischen Souvenirshop, aber er bot auch Erinnerungsstücke an den botanischen Garten und allgemein Neuseeland an.

Es ging weiter zum Observatorium. Anfangs machten wir uns Sorgen, dass wir lange Wegstrecken zu Fuß würden zurücklegen müssen, aber es stellte sich heraus, dass die Wege auf der Karte länger aussahen, als sie tatsächlich waren. Ein immer wieder erstaunliches Phänomen. Als wir überraschenderweise nach drei Minuten vor dem Observatorium standen, gingen wir erst einmal um das Gebäude herum, um uns die Sonnenuhr auf der Nordseite des Gebäudes anzusehen. Das Lustige an diesem Gebilde war, dass man sich selbst auf das passende Datum stellen musste, um zum Zeiger zu werden.




Carter Observatorium

Im Observatorium war es – oh Wunder, oh Staunen – stockfinster. Wir hatten die Wahl zwischen einer einfachen Besichtigung oder Besichtigung mit einem Film dazu. Da der Film uns nicht interessierte, kauften wir eine einfache Karte.
Ja, das sah auch schon wieder viel besser als Te Papa aus. Es gab auch hier viele interaktive Darstellungsweisen: Man konnte zwischen verschiedenen Kurzfilmen wählen; man konnte die Sonne bezwingen; man konnte die Vibrationen beim Start verschiedener Raketentypen spüren; man konnte echte Meteoriten hochheben.



Daneben gab es viele, sehr gute Beschreibungen, Ausstellungsstücke, einen Kinderraum, in dem die Raumfahrt zum Greifen nah war, Sternenkonstellationen, Mythologie der Maori und vieles mehr. Dennoch war es informativer und schöner gemacht als das Nationalmuseum.
Wir lernten neben vielen physikalischen und astronomischen Aspekten auch den eigenen Humor von Physikern kennen: Die Auswirkungen eines schwarzen Lochs auf den menschlichen Körper beschrieben sie auf einem Schild mit „instant spaghettification“ („sofortige Spaghettisierung“).

Der hier kurz umschrieben Rundgang nahm wesentlich mehr Zeit in Anspruch, als es den Anschein erweckt. Nach mehr als zwei Stunden stellten wir fest, dass wir keine Zeit mehr hatten. Unser Rundgang durch den botanischen Garten, obwohl er sich bei diesem wunderschönen Wetter angeboten hätte, musste sehr kurz ausfallen, wenn wir ihn nicht gar verschieben wollten. Wir drehten eine sehr kleine, sehr schnelle Runde, sahen uns fix einen Aussichtspunkt an und kehrten zum Cable Car zurück. Ohne Umwege fuhren wir nach Petone, um uns ans Abendessen zu machen. Es gab Curry.

An einem verregneten Mittag waren wir mit Joe unterwegs, um unser Lunch, Sushi, abzuholen. Das Sushi war recht gut, nicht ausschließlich auf den neuseeländischen Gaumen abgestimmt, sondern nah am Original. Bei der Gelegenheit ließ Joe es sich nicht nehmen, einen Kommentar über das Wetter zu machen. Es gibt in Neuseeland wohl den Spruch: „Wenn du das Wetter in Wellington nicht magst, warte eine Stunde.“ Wie schon bei Auckland erwähnt, ist das Wetter in Wellington ebenfalls highly unpredictable. An diesem Tag regnete es aber mehrere Stunden.

Ganz unerwartet und unplanmäßig schlug Susanne uns einen Ausflug nach Rivendell vor. Der Drehort war nicht weit (45 Minuten mit dem Auto) von Petone entfernt und es gab eine kleine Feier zur Einweihung des Tores, durch das Frodo bei seiner Abreise aus der Elfenstadt gegangen war. Susanne war sich die ganze Zeit nicht sicher, ob die Feier tatsächlich aus diesem Anlass stattfand, weil das Tor mittlerweile seit ungefähr zwei Jahren an Ort und Stelle stand. Es stellte sich allerdings heraus: Ja, das Tor war der Grund.

Oh, richtig: SPOILER ALARM.
Schon auf dem Weg dorthin kamen wir an einigen Schauplätzen vorbei, an denen die ein oder andere Szene aus dem Herrn der Ringe oder dem Hobbit gedreht wurde. Da war der Fluss, an dem Arawen die Nazguls ertränkte. Im Film sah das schon episch aus, aber wenn man daran vorbei fährt, ist es nur ein flacher Fluss. Zumal Wohnhäuser direkt danebenliegen.
Vor Ort angekommen gab es eine kurze Ansprache, die wir verpassten. Viele Gäste waren kostümiert erschienen. Dann gab es eine Führung durch Rivendell, die erstaunlich kurz war, weil das Gelände nun wirklich nicht der Rede wert ist. Natürlich durften wir alle durch das Tor hindurch gehen. Es stand genau an dem Ort, an dem es für den Dreh aufgebaut worden war. Zum Schluss gab es Kuchen, Muffins und warme Getränke für lau. Wir bedienten uns nach Herzenslust, da die Veranstalter offensichtlich mit mehr Gästen gerechnet hatten und ihre Waren loswerden wollten. Außerdem erfuhren wir, dass die Movie Sets Tours für die Aufstellung sowie die Feierlichkeiten verantwortlich waren. Sie stellten auch die meisten Gäste. Darüber hinaus stand auf einem der Schilder, welche die einzelnen Teile von Rivendell beschrieben, dass das Rivendell aus den Filmen niemals so existierte. Es ist eine schöne Kollage verschiedener Teile von Neuseeland. Hier ein bisschen aus Wellington, dort ein bisschen aus den Fjordlands und hier noch mit einem anderen Teil abstimmen, voilà! Ein fiktiver Ort von traumhaftem Ausmaß.

An Rivendell schließt sich ein wunderschöner Park an, in dem die meisten Bäume uralt sind, weil sie seit langer Zeit nicht mehr gefällt werden dürfen. Wahrscheinlich war das mitunter einer der Gründe, sich für diesen Drehort zu entscheiden. Nachdem wir unseren Kuchen verspreist hatten, gingen wir also noch die kleine Runde im Park ab, um uns von der heimischen Pflanzenwelt ganz einlullen zu lassen. Es war genau so, wie man sich Neuseeland vorstellt. An dieses Spektakel im urwäldlichen Zwielicht schloss sich ein Fußgeplätscher im naheliegenden Fluss an. Wir stapften zum Flussufer, zogen die Schuhe aus, krempelten die Hosenbeine hoch und ließen das kühle Nass um unsere Zehen spielen. Die Enten um uns herum meckerten uns an, was uns aber recht egal war. Einige Leute gingen sogar so weit in dem Fluss zu baden. Leider waren wir nicht dafür ausgerüstet, sonst hätten wir dies auch in Erwägung gezogen, aber wir hatten eh noch weitere Ziele auf unserer Strecke heim.

Muffins und Kuchen sind zwar schön und lecker, aber sie reichten auch Susanne nicht als Lunch. Daher führte sie uns in ein Lokal, das sogar unter Einheimischen der Region als Geheimtipp gilt.

Tolles Cafe mit Scones

Wie der Laden heißt, weiß ich immer noch nicht, aber die Scones sind einfach nur himmlisch. Die ganze Scheune, in der der Laden gebaut war, war einfach nur genial. Es war wie ein Landhaus aus dem Bilderbuch. Der Besitzer war zudem neuseeländisch freundlich, sehr gesprächig und neugierig. Jeder von uns bekam einen anderen Scone mit Marmelade und Schlagsahne – es sei denn, man hatte den herzhaften gewählt, dann gab es irgendetwas Eingelegtes – und ein warmes Getränk dazu. Die Portion war massig, köstlich, sättigend, in einem Wort: perfekt. Zum Schluss durften wir uns noch ins Gästebuch eintragen. Leider weiß ich nicht, wo genau der Laden war, sonst würde ich ihn jedem Reisenden wärmstens empfehlen. Upper Hut ist der beste Hinweis, den ich an dieser Stelle geben kann.

Wir nahmen uns an einem Tag Zeit, die Stadt Wellington in Ruhe anzusehen. Da wir schon viele Sehenswürdigkeiten mitgenommen hatten, blieb nicht mehr ganz so viel übrig. Der Sinn dahinter war, sich einfach mal von der Stadt leiten zu lassen und sich die Fußgängerzonen anzugucken. Wir schlenderten hierhin, dann dorthin, machten Mittagspause im Rosengarten, um dann zufrieden – und ohne Postkarten – nach Petone zurück zu kehren. Diese Stadt ist wirklich lebens- und sehenswert.

Joe war so freundlich uns am Morgen unserer Abreise zur Bahnhaltestelle zu bringen, weil wir es mit unserem Gepäck nicht so einfach den Berg runter geschafft hätten. Dafür ging er sogar früher als üblich zur Arbeit. Im Zug nach Wellington erklärte er uns, dass jeder Schaffner einen eigenen Entwerter für die Fahrkarten hatte, so dass jede Stanze unterschiedlich aussah. Es war uns vorher schon aufgefallen, dass wir bei jeder Fahrt ein anderes Loch in der Zehnerfahrkarte hatten. Für Touristen ist es ein lustiges Sammlerstück.

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